Gebirgsschützen droht Entwaffnung

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    • 06.04.13
    • Bayern
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Wirbel um Fronleichnamprozession

Gebirgsschützen droht Waffenverbot!

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Bad Endorf - Der Bad Endorfer Pfarrverbandsrat hat beschlossen, dass die Gebirgsschützen Bad Endorf aus dem Chiemgau an der Fronleichnamsprozession künftig nur noch unbewaffnet teilnehmen dürfen. Die Schützen sind wütend.

© dpa

In voller Montur: Die Gewehre gehören für die Gebirgsschützen einfach dazu, sie wollen sich ihre Tradition vom Pfarrverbandsrat nicht nehmen lassen.

Pfarrer Stefan Bauhofer sitzt zwischen zwei Stühlen. Die Gebirgsschützen, der Pfarrverbandsrat, das Ordinariat – sie alle hoffen, dass er vermitteln kann. Dass es ihm gelingt, einen Kompromiss zu finden in einer Diskussion, die es im Landkreis Rosenheim vorher noch nie gegeben hat. Der Bad Endorfer Pfarrgemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung mit einer großen Mehrheit beschlossen, dass die Gebirgsschützen an der Fronleichnamsprozession in der Pfarrkuratie Stephanskirchen künftig nur noch ohne die Gewehre teilnehmen dürfen.

Das öffentliche Zurschaustellen von Waffen sei ebenso unzeitgemäß wie das Tragen von Waffen als Schutzsymbol, argumentierte die Pfarrverbandsrätin Brigitt Schiebel. Sie ist selbst Tochter eines Gebirgsschützen, kann das Argument verstehen, dass die Waffen zu der Montur gehören. Aber sie findet trotzdem: „Was ist das für ein Signal an die Kinder, wenn ich heutzutage eine Waffe tragen muss, um mich zu schützen?“

Josef Entfellner, der Hauptmann der Endorfer Gebirgsschützenkompanie, hat für dieses Argument kein Verständnis. Er stellt die Gegenfrage: „Wie viele Waffen sind denn in den Kirchen abgebildet? Die Gotteshäuser sind voll mit Darstellungen von Schwertern und Lanzen!“ Karl Steininger, der Landeshauptmann im Bund der bayerischen Gebirgsschützen, stellt sich ihm zur Seite: „Dann dürfen Kinder auch nicht mehr fernsehschauen“, findet er. „Und man müsste jeden Schützenverein verbieten.“ Für ihn und für Entfellner steht fest: Die Gewehre gehören nunmal einfach zur Montur dazu. „Hier geht es um eine Jahrhunderte alte Tradition.“ Steininger glaubt, dass die Mitglieder des Pfarrverbandsrates sich vor ihrer Entscheidung nicht mit dem Hintergrund dieser Tradition auseinandergesetzt haben. Die Geschichte des Vereins geht ins 14. Jahrhundert zurück. Früher beschützten die Gebirgsschützen die Wallfahrer vor Wegelagerern. Auch die Pfarrer, die in alten Zeiten oft ihr Opferstockgeld bei sich trugen, sind für den Schutz der Gebirgsschützen dankbar gewesen.

Die Gebirgsschützen Bad Endorf können die Entscheidung des Pfarrverbandsrats nicht nachvollziehen. Sie sind mächtig sauer. „Wo kommen wir denn da hin, wenn man derartiges Brauchtum einfach so abschafft?“ fragt Entfellner und kündigt an: „Wenn es bei dem Beschluss bleibt, gehen wir in Montur sicher nicht mehr mit.“ Er stellt es den Kameraden frei, als Privatmänner an der Prozession teilzunehmen. Sicher sei aber, dass sich die Gebirgsschützen vom Pfarrverbandsrat nicht zum „Theaterverein“ degradieren lassen.

Pfarrer Stefan Bauhofer hat sich geduldig die Argumente beider Seiten angehört. Als Kompaniepfarrer versteht er sowohl die Gebirgsschützen, als auch den Pfarrverbandsrat. „Man muss die Tradition der Gebirgskompanien kennen“, sagt er. „Schutz auszuüben ist ihr Urauftrag, deswegen gehören die Waffen einfach zu ihrer Montur dazu.“ Andererseits stehe er für eine demokratische Kirche, weshalb er den Beschluss des Pfarrverbandsrats in jedem Fall akzeptieren werde.

Bauhofer will deshalb nun die Rolle des Mediators übernehmen. Er hat einen Termin für ein Schlichtungsgespräch festgelegt. Es soll am 18. April um 20 Uhr im Pfarrsaal stattfinden. Dort will er gemeinsam mit beiden Seiten für die anstehende Fronleichnamsprozessionsfeier am 30. Mai eine Lösung finden, die im Sinne aller 4500 Gläubigen des Pfarrverbands ist. Er vermutet, dass seine 22 Pfarrverbandsräte sich gar nicht bewusst waren, „was sie da eigentlich beschlossen haben“.

Im Erzbischöflichen Ordinariat in München beobachtet man die Diskussion im Kreis Rosenheim relativ sorglos. „Ich habe keine Zweifel, dass der Pfarrer eine Lösung finden wird“, sagt Pressesprecher Bernhard Kellner. „Wir sind sehr froh, dass er das Problem anpackt.“ Im Ordinariat habe man von beiden Seiten eine gute Meinung, betont er. „Die Tradition ist sehr wertvoll, das Gremium sehr engagiert. Ich bin überzeugt: Die werden sich einig.“

Immer wieder mal gab es Situationen, in denen die Gebirgsschützen ihre Waffen ablegen mussten, berichtet Kellner. Vor dem Petersdom in Rom zum Beispiel. Oder einmal bei einem Ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit. „Dahinter steckten immer waffenrechtliche oder organisatorische Gründe“, sagt Landeshauptmann Steininger. Es waren Situationen, in denen es nie eine Diskussion gegeben habe. Auch er ist optimistisch, dass sich der Streit schnell wieder legen wird, ohne dass das Verhältnis zwischen Gebirgsschützen und Kirche darunter leidet. Hauptmann Entfellner hat bereits angekündigt, dass er um eine sachliche Klärung der Causa bemüht sei. Der Verein sei von der Kirche gewünscht, glaubt er weiterhin. Das belegt auch die Mitgliedschaft des emeritierten Papstes Benedikt XVI. bei den Gebirgsschützen. Sie leisten einen großen ehrenamtlichen Einsatz für die Pfarrei. Daran werde sich nichts ändern. Aber: „Wichtig ist einfach, die Menschen aufzuklären“, findet Entfellner.

VON STEFANIE ZIPFER UND KATRIN WOITSCH

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Kommentare

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Schliers08.04.2013, 14:21Antwort
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do mechd i a garned dazughern- Kirche und Gebirgsschützen- Männer unter sich- Zölibat und Vorderlader- werds glücklich mit eian oidn Schmarrn

Gast08.04.2013, 07:44Antwort
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Wollen sie die an den Pranger stellen. Ist doch in den Medien schon erfolgt.

Oder möchten sie ein paar Fenster einwerfen?

Denk-mal08.04.2013, 00:43
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An Resi.
Eine Frauenquote bräuchte es nicht, wenn es in Bayern keine Pfaffenquote hätte (bei der Frauen nicht so recht vertreten sind)..

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