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Reist für „Das Traumhotel“ durch die Welt: Der Schweizer Schauspieler Christian Kohlund. In der Serie spielt er immer wieder den Hoteldirektor Markus Winter, hier etwa am Set von Folge 17 in Vietnam.

Christian Kohlund: "Traumhotel ist knallharte Arbeit"

München - Der Schauspieler Christian Kohlund spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die 17. Folge von „Das Traumhotel“, die in Vietnam gedreht wurde und stellt klar, dass das "knallharte Arbeit" ist.

Wer hier bestellt, kann eigentlich nichts falsch machen. Im Pool-Restaurant des Luxus-Resort „The Nam Hai“ bei Hoi An gibt es vorzüglich zubereitete vietnamesische Spezialitäten. Christian Kohlund aber beißt in einen Burger, einen ganz normalen, wie man sie auch in Amerika oder in Europa isst. Wir trafen den 61 Jahre alten Schauspieler, der seit 16 Episoden den Hoteldirektor Markus Winter in der Serie „Das Traumhotel“ gibt, bei den Dreharbeiten in Vietnam. Die Folge wird an diesem Freitag, 20.15 Uhr, in der ARD ausgestrahlt. Ein Gespräch über eine sozialistische Volksrepublik im Wandel, Luxus-Hotels und Fernweh.

Herr Kohlund, Sie sind erst seit ein paar Tagen hier in Vietnam. Trotzdem: Welche Eindrücke haben Sie gewinnen können?

(Überlegt.) Wenn jemand aus meiner Generation an Vietnam denkt, dann fällt ihm sofort dieser sinnlose Stellvertreterkrieg ein, in dem so unendlich viele Menschen der Zivilbevölkerung ihr Leben gelassen haben, dazu 60.000 junge Amerikaner. Die grauenvollen Bilder aus diesem Krieg haben mich mein Leben lang begleitet. Und nun bin ich hier und freue ich mich zu sehen, dass das Land sich langsam erholt von dieser schweren Zeit...

...indem es etwa auf Tourismus setzt.

Ich finde es toll, dass der Tourismus in Vietnam nur allmählich erwacht. Anders als in Thailand wohnst Du hier noch nicht in einer Betonschlucht mit lauter schrecklichen Hotels. Das Städtchen Hoi An, in dem wir gedreht haben, hat zwar schon eine touristische Färbung, aber damit kann man noch gut leben. Es gibt viele kleine Restaurants, wo man wunderbar essen kann, und die Leute sind extrem freundlich uns Europäern gegenüber.

In Vietnam gibt es die Todesstrafe noch. Darf man in so einem Land ein Unterhaltungsformat wie das „Traumhotel“ drehen?

Das ist eine gute Frage, die nur verdammt schwer zu beantworten ist. Die Todesstrafe ist eine absolute Katastrophe. Man kann sich aber immer alles schönreden. Unsere Regierungen zum Beispiel arrangieren sich ganz gut mit ihr. Sie argumentieren: „Wir sind zwar für Menschenrechte, aber wir wollen doch unsere Waren verkaufen.“ Mit der Moral ist es dann ziemlich schnell vorbei. Ich finde, dass unser Format friedlich ist, es konzentriert sich auf den Tourismus und zeigt die Welt von ihrer schönsten Seite. Es heißt „Traumhotel“, und so soll man es auch sehen. Deswegen hat so ein Format auf jeden Fall seine Berechtigung.

Dennoch: Gibt es eine Grenze, die Filmemacher für das „Traumhotel“ nicht überschreiten sollten?

Die Wahrheit ist doch: Die Welt ändert sich so schnell, dass auch ich keine pauschale Antwort geben kann. Nach dem Bombenanschlag auf Bali 2002 war uns klar, dass wir dort nicht drehen konnten. Wir haben das dann zwei Jahre später nachgeholt. Sri Lanka wollten wir wegen des andauernden Bürgerkrieges auch lange nicht als Destination. Als wir es dann doch getan haben, haben die Menschen sich gefreut, dass man mal anders über ihre Heimat berichtet, nicht nur über den Bürgerkrieg. Und ich persönlich habe Südafrika Mitte der Achtziger boykottiert. Ich wollte dort nicht arbeiten, solange die Apartheid nicht abgeschafft ist – obwohl ich Angebote auf dem Tisch hatte.

Sie haben mal gesagt, dass Sie nicht in jedem der „Traumhotels“ länger bleiben wollen würden. Wie ist es beim „The Nam Hai“?

Die Anlage ist sehr schön. Es ist natürlich eine Chance, mit diesem Format so schöne Hotels sehen zu können. Ich versuche auch, diese Tage zu genießen. Aber privat liebe ich es eigentlich ein wenig einfacher. Ich fahre gerne nach Italien, in ein kleines Dorf auf Sardinien zum Beispiel, und miete mir dort ein Haus. Viele „Traumhotels“ sind mir zu luxuriös und überlastet. Das ganze Gold und der Marmor, das brauche ich einfach nicht.

Sie sind jetzt für mehrere Wochen zu Gast in diesem Luxus-Resort. Wann kommt der Lagerkoller?

Ich kann mich an keinen Lagerkoller erinnern. So ein Dreh ist ja auch kein Studentenausflug, sondern knallharte Arbeit, die viel Kraft und Konzentration erfordert. Gerade, wenn es warm und so feucht ist wie hier. Man springt vielleicht mal abends in den Pool, isst noch schnell was und dann geht es ab ins Bett – und frühmorgens wieder raus.

Sehnen Sie sich manchmal zurück nach Hause, wenn Sie so lange im Ausland drehen?

Das tue ich prinzipiell, und je älter ich werde, umso mehr. Nicht nur, dass mir meine Lieben fehlen, sondern auch meine Hunde. Der eine merkt sofort, wenn ich anfange zu packen, dann schaut er mich immer so an und weicht mir nicht mehr von der Seite, als wolle er sagen: „Nimm mich doch mit.“ Ich versuche dann, ihm zu erklären, warum das nicht geht, aber so richtig erfolgreich bin ich dabei offenbar nicht.

Das Gespräch führte Thierry Backes

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