Joseph Vilsmaier trauert um seine Dana: Krebs-Tod mit 41

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    • 06.02.09
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Krebs-Tod: Vilsmaier trauert um seine Dana

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München - Joseph Vilsmaiers Frau Dana Vávrová ist mit nur 41 Jahren an einem Krebsleiden gestorben. Zu seinem 70. Geburtstag vor zwei Wochen hatte der Filmemacher als Lebensbilanz noch gesagt: „Ich habe nur Glück gehabt.“

Eine glückliche Familie: Vor dem Abflug der "Nanga Parbat" Film-Crew am 17. August 2008 ließen sich Joseph Vilsmaier und seine Frau Dana Vávrová (M.) mit ihren Töchtern Josefina (l.) und Theresa ablichten.

© Heinz Weißfuß

Eine glückliche Familie: Vor dem Abflug der "Nanga Parbat" Film-Crew am 17. August 2008 ließen sich Joseph Vilsmaier und seine Frau Dana Vávrová (M.) mit ihren Töchtern Josefina (l.) und Theresa ablichten.

Und es hätte auch gestimmt, wenn ihn das Glück nicht vor ein paar Monaten verlassen hätte. Aber das konnte er nicht sagen, um wenigstens die letzten wenigen Tage mit seiner Frau Dana Vávrová und den drei Töchtern ohne viele Fragen noch in Ruhe leben zu können; ein Stückchen Familie, noch ein bisschen Alltag so weit es eben ging, und die Liebe, die so groß war: Jetzt ist Dana Vávrová tot, gestorben gestern Mittag um halb eins – mit ihren Liebsten am Bett.

Überraschend. Für die meisten. Joseph Vilsmaier hatte nur den engsten Freunden gesagt, dass seine Frau so krank war; dass sie Krebs hatte und dass es am Ende keine Rettung mehr gab. Wenn er am roten Teppich bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises oder der Diva vor einer Woche von einer seiner Töchter begleitet wurde, wenn jemand nach Dana fragte, wusste Vilsmaier die Situation immer mit Disziplin zu überspielen. Doch wer genau hinschaute, sah die Tränen in den Augen – wie auch beim Geburtstagsinterview mit der tz, als es um die Liebe seines Lebens ging.

Joseph Vilsmaier hätte es nicht ertragen, ständig nach dem Unerträglichen gefragt zu werden – so blieb es bis gestern ein Geheimnis. Dass der berühmte Filmemacher, der sonst so gerne feiert, seinen 70. Geburtstag mehr oder weniger unter den Tisch fallen ließ, hatte in Wirklichkeit weniger mit der vielen Arbeit an seinem neuen Film Nanga Parbat zu tun, als mit der Tatsache, dass einfach nichts mehr zu Feiern war.

Obwohl sich Dana an diesem Abend im Familienkreis mit den engsten Freunden noch die größte Mühe gab: Immer wieder stand sie auf, war gut drauf und machte Josephs 70. Geburtstag doch noch zu einem kleinen Fest. Das konnte Dana: Fröhlichkeit verbreiten und Lachen! Aber keine konnte auch so verletzlich sein – in ihren Filmen hat das Dana Vávrova oft gezeigt. Im Leben, wie in ihren Rollen war sie ungeheuer lebendig, unbeirrt, charmant und fröhlich, aber auch höchst sensibel und eigenwillig.

Als sie mit 19 Jahren vor Joseph Vilsmaiers Kamera stand, hatte der sich unsterblich in die junge Tschechin verliebt: Als sie die Rolle des Judenmädchens Janina David in dem Fernsehmehrteiler Ein Stück Himmel spielte und sich Vilsmaier an dem Gesicht nicht satt sehen konnte. „Ich musste lachen, weil er die Kamera auch zu allen unmöglichen Zeiten immer so lange auf mich gerichtet hat!“, erzählte Dana später.

In der damaligen Tschechoslowakei war Dana Vávrová mit sechs Jahren schon ein gefragter Kinderstar; ja, sie spielte sogar in Milos Formans Amadeus mit. In Deutschland wurde sie 1982 eben mit Ein Stück Himmel berühmt – wurde dafür mit der Goldenen Kamera, dem Goldenen Gong und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Und Dana sollte noch viele Preise bekommen: den Deutschen und den Bayerischen Filmpreis – mehrfach; den Chaplin-Schuh, auch das Bundesverdienstkreuz. Für Herbstmilch. Für Rama dama. Für Stalingrad. Für Schlafes Bruder. Für Comedian Harmonists. Für Der Bär ist los, wo sie auch selbst Regie führte. Dana Vávrová und Joseph Vilsmaier – das war immer ein Team, ein Familienunternehmen, das in der Branche unschlagbar war.

Dass sie und der Sepp gerade noch rechtzeitig im Kreißsaal geheiratet haben, bevor 1986 die erste Tochter Janina auf die Welt kam, und dafür um halb ein Uhr nachts ein Standesbeamter aus dem Bett geklingelt werden musste; dass die Geburt der zweiten Tochter Theresa 1989 als Szene für den Film Rama dama gefilmt wurde – für Dana war das ganz normal.

In ihren drei Mädchen Josefina (16, Schülerin), Theresa (19, Medizin-Studentin) und Janina (22, macht gerade ihren Studienabschluss in England) lebt Dana jetzt weiter. In ihrer Schönheit, in ihrer Anmut und in ihrem Charme.

Wie gerne hätten die Mädchen und Joseph Vilsmaier Dana festhalten wollen – im Leben. Alles hätten sie dafür getan. Aber gegen Gottes Willen hilft kein Menschen-Wille und keine Sehnsucht und keine Liebe und nichts.

Das letzte Foto, das es von Dana Vávrová gibt, zeigt sie am 17. August vergangenen Jahres, wenige Tage nach ihrem 41. Geburtstag: Da winkt sie zusammen mit ihren Töchtern Josefina und Theresa am Flughafen ihrem Mann hinterher, seiner Filmcrew und dem Bergsteiger Reinhold Messner, die sich für erste Filmaufnahmen zu Nanga Parbat auf den Weg nach Pakistan machten. Da war Dana schon todkrank.

Das Für-Immer ist das Unerträgliche. Dass Dana Vávrová nie mehr mit ihrer Anwesenheit Dreharbeiten beseelen würde; dass es an Weihnachten die letzte Gans war, die sie für ihren Joseph in den Ofen schob; dass sie bis gestern Früh um halb drei noch zum letzten Mal für einige Stunden daheim war; dass dann die letzte Fahrt ins Klinikum Großhadern kam, und dass es irgendwann der letzte Kuss und dann der letzte Blick aus ihren wunderschönen dunklen Augen war, die sie ihrem Joseph und ihren Kindern schenkte.

Es ist nicht zu ertragen.

Ulrike Schmidt

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