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„Bei uns kann man sich den ,Aida‘-Besuch wenigstens leisten“: Intendant Josef E. Köpplinger (2.v.re.) mit Chefdirigent Marco Comin (re.), Ballettchef Karl Alfred Schreiner (2.v.li.) und dem geschäftsführenden Direktor Max Wagner.

Gärtnerplatz: Keine Elefanten bitte!

München - Zwischen „Aida“, Hiller-Uraufführung und Barockschiene: Das Gärtnerplatz-Team präsentiert seine zweite Exil-Saison.

Einen Albtraum habe er gehabt. Fliegerbombe im Gärtnerplatztheater, „und alle müssen raus“. Nix also mit dem Wiedereinzug, nix mit normalem Spielbetrieb. Deshalb lieber keine Witze – zumal die Realität gottlob anders ausschaut. Im Oktober 2015, so hofft Intendant Josef E. Köpplinger, könne man das dann renovierte Haus wieder beziehen, der Festakt am 2. November desselben Jahres zum 150-jährigen Bestehen wäre folglich gerettet.

Eine schwierigere Situation kann ein Intendant nicht vorfinden. Ein Theater, das auf Stammpublikum baut, ohne Stammhaus, so etwas gefährdet den gesamten Betrieb. Doch das Gärtnerplatz-Team, das zeigt die aktuelle, erste Umbau-Saison, schlägt sich imponierend. Und: Die Renovierung von Münchens anderem Opernhaus liegt im Zeitplan. Rund 50 Prozent der Abonnenten allerdings wollten die Reise zu den Ausweichspielstätten nicht mitmachen und kündigten. Doch immerhin zwanzig Prozent Neu-Abos kamen hinzu. Macht unterm Strich 1100 Abos – damit, so Köpplinger, könne man mehr als zufrieden sein. Und noch vor Abschluss der Spielzeit bewegt sich die Quote auf eine Gesamtbesucherzahl von 100 000 zu – „das war von vornherein unser Soll“.

Die kommende Spielzeit, Köpplingers zweite, wartet mit einigen Überraschungen auf. Die dickste ist ein Verdi-Brocken: Verdis „Aida“ im Prinzregententheater, damit wildert man ungeniert auf Staatsopern-Terrain. Chefdirigent Marco Comin, nach eigenen Angaben noch immer im „Honeymoon“ mit seinem Orchester, feiert damit sein Stück-Debüt. Außerdem biete man einen unschätzbaren Vorteil, stichelt Köpplinger: „Bei uns kann sich eine vierköpfige Familie den Besuch der ,Aida‘ wenigstens leisten.“

Neu ist auch die Barockschiene. Auf der bietet man Händels zwischen Oratorium und Oper tänzelnde „Semele“ sowie drei Konzerte im Max-Joseph-Saal. Marco Comin erhofft sich davon Impulse für seine Orchesterarbeit – und viel Zuspruch beim Publikum. „Das ist, als ob man in den Swimming-Pool geht. Es tut gut, macht Spaß und ist gesund.“

Nachdem das Fröttmaninger Zelt des Deutschen Theaters nicht mehr zur Verfügung steht, wagt sich das Gärtnerplatz-Team an eine noch größere Spielstätte: an den Circus Krone mit rund 2000 Plätzen. Standesgemäß kommt dort Kálmáns „Zirkusprinzessin“ heraus. Eine „Aida“ mit leibhaftigen Dickhäutern fand Köpplinger dort weniger passend: „Erstens gibt es bei mir keine Oper mit Elefanten.“ Und zweitens mache er keine „Aida“ mit Mikrofonen, die aufgrund der heiklen Akustik notwendig seien.

Mit einer Uraufführung knüpft man an Legendäres an. 1985 kam Wilfried Hillers „Goggolori“ am Gärtnerplatz heraus, eine der langlebigsten Produktionen an diesem Haus. Hiller komponiert nun wieder ein Stück: „Der Flaschengeist“, ein „Singspiel aus Ozeanien“ für die ganze Familie. Felix Mitterer schreibt das Libretto, das auf einer Erzählung von Robert Louis Stevenson basiert. Ursprünglich, so Hiller, habe er vorgehabt, den Geist einer Sopranistin anzuvertrauen – was auf Widerstand seiner Frau stieß: Warum er die bösen Rollen immer den Damen anvertraue, habe sie sich beschwert. Nun wird die Partie aufgeteilt auf einen Countertenor auf der Bühne sowie Sopran und Mezzo im Graben, laut Hiller „die „Dreifaltigkeit des Teufels“.

Markus Thiel

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