Das Highlight der Bayreuther Festspiele: Richard Wagners "Das Liebesverbot"

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    • 09.07.13
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Wagners 200. Geburtstag 

Das Highlight der Festspiele: "Das Liebesverbot"

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Das Beste, was in Bayreuth seit langem zu sehen ist: „Das Liebesverbot“ in der Oberfrankenhalle

© Bayreuther Festspiele

Ein bisschen Musical, ein bisschen Operette: Szene aus Wagners Frühwerk „Das Liebesverbot“, inszeniert von Aron Stiehl für die Bayreuther Vor-Festspiele.

Es stimmt ja gar nicht, dass das Allerheiligste immer nur den zehn würdigen (von insgesamt 13) Wagner-Werken vorbehalten war. Die Entweihung fand kurz nach Kriegsende statt: 1945, als den US-Truppen die Besatzung im Bayreuther Festspielhaus mit Varietés versüßt wurde. Oder mit dem 76-jährigen Paul Lincke, der dort das Konzert „Music – You love to hear“ dirigierte. Schwere Erdverwerfungen dürfte es darob unten, dreißig Meter neben der Villa Wahnfried gegeben haben – Richards Reste müssen rotiert haben.

Ein bisschen von dieser Li-La-Laune-Stimmung kehrt nun zurück. Freilich nicht im hehren Haus, sondern unten, in der Oberfrankenhalle. „Operette“, stöhnt da irgendwann Nonne Isabella auf der Bühne, verächtlich, augenverdrehend. Und es ist ja wahr: Wagners „Liebesverbot“, eines von den drei Frühwerken, die dort derzeit als Vor-Festspiel gegeben werden, das ist weniger eine klanglich explodierte deutsche Spieloper, auch nicht unbedingt Bellini, der zur Hausmannskost verrührt wurde, sondern wirklich leichte Muse. Dann muss man allerdings so inszenieren wie Aron Stiehl.

Untiefen lauern im „Liebesverbot“. Doch Stiehl tänzelt mit Bühnenbildner Jürgen Kirner und Sven Bindseil (Kostüme) über die Fährnisse von Teutonenwitz und Spaßkrampf hinweg. Ein kleines großes Theaterwunder, das Beste, was in Bayreuth in den vergangenen Jahren zu sehen ist.

Im Gegensatz zu Matthias von Stegmann, der tags zuvor beim „Rienzi“ nur das müde Arrangement schaffte, tritt das Team Stiehl den Beweis an: Ja, auch eine Oberfrankenhalle taugt zum Theater. Die Bühne ist freigeräumt, zwei fahrbare Stellwände und eine Hintergrundleinwand. Das Karnevalsverbot von Statthalter Friedrich wird schnell als Triebhemmung entlarvt. Ein grünes Pflanzengestrüpp ist auf einer Wand zu sehen, Saftiges, Animalisches. Doch Friedrich residiert zwischen nummerierten Schubladen, Nonne Isabella, auch erotischen Anfällen nicht abgeneigt, dagegen vor purem Weiß, auf der Scheinwerferkegel ein Kreuz bilden.

Stiehl erzählt das Stück als Wanderung zwischen den Gefühlswelten. Er bleibt ernst, wo auch Wagner zu großen Belcanto-Nummern ausholt. Er wird im Falle von Friedrich sanft karikierend, den Tuomas Pursio als steifbeinige Fischer-Dieskau-Reinkarnation spielt und sich mit Baritonkraft in Pose wirft.

Stiehl gestattet das, was den Besuchern am meisten Spaß macht: die Revue. Und jetzt alle, das passt zu den Musikantenstadeleien, die es sonst in der Halle gibt. Man sieht eine Chorusline wie im Musical, dazu à la Ponnelle auf den Punkt choreographierte Bewegungen, mehrmals grüßt die Hippie-Zeit. Es gibt riesige Statthalter-Masken zum Protest-Karneval des Volks, viel schwüle Travestie und manch abgeknicktes Handgelenk, am Ende tanzen alle Can-Can an der Rampe. Und das Beste ist: Stiehl hat nicht nur ein Gefühl für die richtige Dosierung und Geschmack bei der Ausstattung, sondern wirklich Humor. Er nimmt das Stück ernst – um sich im nächsten Moment augenzwinkernd davon zu distanzieren.

Mit am meisten Lust zeigen die Mitglieder des Leipziger Opernchores, die als herrlich kostümierte Individuen unterwegs sind. Christiane Libor ist als Isabella mal großstimmige (später forcierende) Heroine, mal Operettendiva, und man weiß gar nicht, was ihr mehr Spaß macht. Bernhard Berchthold singt sich als liebeskranker Luzio zwar bis zur Tenorstimmgrenze, gleicht das aber mit Selbstironie, Schmäh und viel Körpereinsatz aus. Das übrige Ensemble ist ebenfalls eine herrliche Typenparade.

Irgendwann macht sich auch Constantin Trinks am Pult des Leipziger Gewandhausorchesters locker. Ein blendender Handwerker. Doch anfangs bleibt er zu sehr Steuermann, ruft mehr ab als zu motivieren. Das ändert sich, und man hört, wie genau Trinks die selten gespielte Partitur verinnerlicht hat. Mag auch die Oberfrankenhalle, die für solche Events bis zu 2000 Plätze fasst, beim „Liebesverbot“ nicht ausverkauft sein: Die Zusammenarbeit der Festspiele mit der Leipziger Oper hat Bayreuth Denkwürdiges beschert. Dass es „Die Feen“, Wagners drittes Frühwerk, gestern Abend nur zur konzertanten Aufführung unter Ulf Schirmer brachten, ist ein Schönheitsfleck. Das ließe sich beim wünschenswerten Da Capo der ganzen Aktion ja beheben.

Weitere Vorstellungen

des „Liebesverbots“ am 11. und 14.7.; „Rienzi“ wird nochmals heute und am 13.7. gezeigt; Informationen und Karten unter www.wagnerstadt.de.

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