Max Emanuel Cencic erforscht als Sänger weibliche Partien

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    • 27.02.13
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Max Emanuel Cencic im Porträt

„Ich habe jetzt alle Frauenstimmen durch“

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München - Unternehmer, nein, so möchte er nicht genannt werden. Und dennoch ist er einer – und das immerhin schon seit zwölf Jahren.

© Laidig/Emi

Max Emanuel Cencic singt bei seinem Konzert im Cuvilliéstheater (2. März) Opernarien venezianischer Herkunft.

Sänger allerdings, das ist Max Emanuel Cencic noch viel länger. Bereits als Fünfjähriger trällerte er sich durch die glitzernden Koloraturketten der Königin der Nacht. Immer wieder verblüffte er seine Zuhörer mit den Bravourarien, die Mozart seiner nächtlichen Herrscherin in die Kehle geschrieben hat. Das funktionierte erstaunlich lange, denn der Bub hatte von der Mama, einer Sängerin am Opernhaus in Zagreb, und bei den Wiener Sängerknaben gelernt, wie man seine Stimmbänder richtig einsetzt. Als 13-Jähriger war Max Emanuel der Erste Knabe in Georg Soltis „Zauberflöten“-Aufnahme, und das Lob des berühmten Maestro – „er ist der beste Knabensopran, den ich gehört habe“ – adelte den Burschen, der sich noch heute gern an die „Sternstunden“ mit dem großen Dirigenten erinnert.

Mittlerweile ist der smarte Kroate mit dem Wiener Akzent und der italienischen Großmutter ein gefeierter Countertenor: Ob in der Bayerischen Staatsoper („Tamerlano“), an Londons Covent Garden, in den Opernhäusern von Wien, Paris, Brüssel, Barcelona oder auf CDs. Gerade ist seine jüngste, „Venezia – Opera Arias of the Serenissima“, erschienen (siehe Kurzkritik).

Mit Kostproben von diesem Album und weiteren venezianischen Köstlichkeiten verwöhnt der Sänger das Münchner Publikum bei seinem Arien-Abend am 2. März, 20 Uhr, im Cuvilliéstheater. Begleitet wird er dabei vom jungen italienischen Originalklangensemble Il pomo d’oro, das Krimi-Autorin Donna Leon ihm empfahl.

„Ich habe jetzt alle Frauenstimmen durch“, schmunzelt der Sänger, der über die Knabenzeit hinaus seine hohe Sopranstimme bewahrte und erst allmählich in die Mezzo- und Alt-Regionen abstieg und zum Countertenor mutierte. Mittlerweile ist Max Emanuel Cencic in der Stimmlage seiner Mutter angekommen, aber Konkurrenz gibt es zwischen den beiden nicht. Denn: „Meine Mutter war eine Carmen, und da kann ich nicht mithalten. Es sei denn in einer völlig verrückten Regie…“, lacht Cencic. Immerhin an andere Frauenpartien hat er sich schon herangewagt: In Leonardo Vincis Oper „Artaserse“ sang er die Mandane und behauptete sich sogar auf der Bühne als Schwester seines Counter-Kollegen Philippe Jaroussky. Das ist weniger Marotte oder der Versuch, „Charley’s Tante“ auf der Opernbühne zu etablieren, als vielmehr „historische Aufführungspraxis“. Der Sänger reanimiert damit die römische Tradition, alle Frauenrollen mit Männern, also mit Kastraten, zu besetzen. Per vatikanischem Verdikt waren Frauen bis ins 18. Jahrhundert hinein auf den (Kirchen-)Bühnen Roms nicht erwünscht. „Erst Napoleon“, erzählt Cencic, „schaffte dieses Verbot ab“.

Was ist anders, wenn man eine Frau spielt? „Gar nix“, grinst der Counter und verrät: „Man muss sich immer etwas abschauen und für jede Rolle ein Modell suchen, egal ob man einen König, einen General, einen Gefangenen oder eben eine Frau singt.“ Der Sänger stürzt sich gern in schräge Inszenierungen und genießt „diese Freiheit“ auf der Bühne. „Denn das Leben ist kurz…“, resümiert der jetzt 37-Jährige.

Um seine künstlerische Freiheit geht es dem Sänger auch als Unternehmer. Weil er gern selbst aussucht, was er singen möchte, hat er vor zwölf Jahren seine eigene Produktionsgesellschaft gegründet: Parnassus Arts Productions. In seiner in Baden bei Wien ansässigen Firma beschäftigt Cencic acht Mitarbeiter. Darunter zwei Musikwissenschaftler, die für ihn in den Archiven nach verborgenen Schätzen graben. „Das ist eine mühsame Arbeit und eine Monate dauernde Prozedur, denn ich muss die Archiv-Funde prüfen, zusammen mit einem Korrepetitor durchspielen und -singen. Da quält man sich durch viel Belangloses, und dann nach drei vier Stunden taucht eine Perle auf…“ Hernach kurbelt Cencic seine Produktionsmaschinerie an: Von der Transkription der Noten bis hin zum fertigen Produkt liegt alles in seiner Hand. Der vife Sänger hält nichts von der Trennung zwischen wahrem Künstler und Geschäftsmann und sieht sich da durchaus in bester Gesellschaft: „Händel und Vivaldi mischten kräftig im Opernbetrieb mit. Auch Wagner, Verdi und Puccini waren richtig involviert. Nur so kann man seine Ideen realisieren und Träume wahr machen.“

Max Emanuel Cencic hat sich auch auf den prosaischen Aspekt seiner Kunst vorbereitet. Er hat internationale Wirtschaftswissenschaften in den USA studiert und in München eine Ausbildung zum Musikkaufmann absolviert. Im Nebenjob betreute er damals beim Großunternehmen BMG Popmusiker. „Da lernte ich den 360-Grad-Blick und fragte mich, wenn ich das im Pop-Bereich kann, warum dann nicht auch in der Klassik?“ Mittlerweile gastiert der Countertenor, dessen Parnassus 20 weitere Künstler vertritt, nur noch selten in fremden Produktionen. Vergangenes Jahr war es eine „Poppea“ in Lille, heuer ist es Glucks „Ezio“ in Frankfurt. „Wenn ich zum zigsten Male den Tolomeo singe, dann ist das keine Kunst mehr. Da setze ich lieber auf künstlerische Selbstbestimmung, versuche den Musikmarkt aufzumischen und Abwechslung und Alternativen auf hohem Niveau zu präsentieren. Was bleibt mir als Counter anderes übrig…“, scherzt der Sänger, der derzeit als Bester seines Fachs gefeiert wird.

Gabriele Luster

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