"Der Bettelstudent" im Prinzregententheater mit Daniel Prohaska: „Ich wollte nie festgelegt werden“

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    • 11.04.13
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Interview zur Gärtnerplatz-Premiere

Tenor Prohaska: „Ich wollte nie festgelegt werden“

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München - Tenor Daniel Prohaska singt am Freitagabend im Prinzregententheater die Titelrolle in Carl Millöckers „Der Bettelstudent“. Mit unserer Zeitung sprach er über Studentenjobs, Ungerechtigkeiten und Lachwurz'n.

© Thomas Dashuber

„Meine Theaterliebe beschränkt sich nicht auf ein Genre“, sagt der Tenor Daniel Prohaska, der in Opern und Musicals ebenso singt wie in Operetten: Heute feiert die Gärtnerplatz-Produktion „Der Bettelstudent“ mit Prohaska als mittellosem Symon Symonowicz Premiere im Münchner Prinzregententheater.

Im Gärtnerplatz-Ensemble ist er einer der großen Publikumslieblinge: Tenor Daniel Prohaska fühlt sich in Oper, Operette und Musical gleichermaßen daheim. Der gebürtige Frankfurter, Jahrgang 1973, wuchs in Wien auf – und ist in dieser Spielzeit bereits in seiner dritten Hauptrolle zu erleben. In der Neuproduktion von Carl Millöckers „Der Bettelstudent“ übernimmt er die Titelrolle, den mittellosen Symon Symonowicz. Premiere ist heute im Prinzregententheater. Michael Brandstätter dirigiert, Emmy Werner inszeniert.

Haben Sie während des Studiums gejobbt?

Ich habe Englisch-Nachhilfe gegeben und im Kino als Billeteur gearbeitet. Es gab in Wien eine Kino-Kette, da bekam man ein, zwei Stammkinos zugewiesen. Und da war man dann quasi Hausbilleteur. Ich habe das mit großem Vergnügen gemacht, weil ich einfach gerne Filme schaue. Mit dem Geld konnte ich zwar keine Luftsprünge machen, aber es hat ausgereicht.

Ihre Ausbildung – Schauspiel, Gesang, Tanz – war sehr breit gefächert. Weil Sie das so wollten? Oder weil Sie noch nicht wussten, wo es am Theater hingehen sollte?

Ein bisschen was von beidem. Diese spezifische Ausbildung war fast ein Zufall. Am Gymnasium hatte ich Theater gespielt. Als ich dann später Sprachwissenschaften studierte, traf ich einen Freund wieder. Der hat mich auf einer Party den ganzen Abend lang bearbeitet und meinte: „Ich mach’ in zwei Wochen eine Aufnahmeprüfung am Konservatorium. Du hast doch so gerne Theater gespielt, mach’ doch mit.“ An der Art der Nervosität bei dieser Prüfung habe ich gemerkt, dass mir am Theater mehr liegt, als ich mir zunächst eingestehen wollte.

Das heißt, Sie waren auch in der Schule schon der Klassensprecher-Typ?

Die letzten vier Jahre hat sich sogar kein Gegenkandidat gefunden. Aber wohl deshalb, weil ich mit relativ klaren Worten den Lehrern Paroli bieten konnte. Doch das war nie aufsässig und grob. Und es funktionierte. Ungerechtigkeit hat mich immer wahnsinnig gemacht. Jetzt denke ich mir: „Was hast Du Dir damals rausgenommen?“ Ich als Lehrer hätte das niemals akzeptiert.

Sind Sie jetzt während der Proben noch immer so?

Ich sage zwar etwas, aber nicht auf der Probe. Ich mag dieses ewige Rumdiskutieren nicht, das behindert die Arbeit. Ich bin fürs Machen, fürs Schauen, ob’s funktioniert. Und danach kann man sich ja zusammensetzen.

Ihre Schwester, die Sopranistin Anna Prohaska, sagte einmal, der typische Abend im Ferienhaus der Prohaskas sei: alte Sängerplatten auflegen und die bis in die frühen Morgenstunden hören.

© Thomas Dashuber

Jussi Björling rangierte da immer ganz oben, auch Tito Schipa. Früher die Callas, aber irgendwann konnte meine Mutter sie nicht mehr hören. Je nach Weinseligkeit wurde oft mitgesungen. Meinerseits weniger. Wenn man die 70. Aufnahme von einem Zwanzigerjahre-Tenor hört, bei der man nicht weiß, ob es Rauschen ist oder die Stimme, dann fand ich das irgendwann merkwürdig. Gegen Ende wurde immer was Besonderes nachgelegt. Meine Mutter bevorzugte dann etwa Sakralmusik des 16. Jahrhunderts. Und die tut mir heute noch gut, die erhebt einen richtig.

Ihr Vater Regisseur, Ihre Mutter Sängerin: Da kommt man doch ohnehin um einen künstlerischen Beruf nicht herum...

Ich glaube, mein Sprachen-Studium war ein Familienflucht-Versuch – obwohl mir ja Theater Spaß gemacht hatte. Manchmal muss man sich halt auf Irrwege begeben, um zu dem zu finden, was man eigentlich wollte.

War es von vornherein klar, dass Sie Musical, Operette und Oper gleichermaßen bedienen wollen?

Das hat sich ergeben. Ich wollte nie irgendwo festgelegt werden. Meine Theaterliebe beschränkt sich nicht auf ein Genre – ob ich das selbst mache oder im Publikum sitze.

Aber als 16-Jähriger werden Sie doch nicht an Operette gedacht haben.

Wenn man mir damals erzählt hätte, dass ich Operettentenor werde, hätte ich mich wohl erschossen. (Lacht.) Die Liebe dazu wächst ja erst. Und ob Oper, Musical oder Operette: Ich agiere letztlich auf der Bühne immer gleich.

Sind Sie auf der Probe eher ein Anbieter, dessen Agieren dann kanalisiert werden muss?

Kommt auf den Regisseur an. Wenn der einen Rahmen vorgibt und feste Vorstellungen hat, mache ich da gern mit. Aber wenn ich merke, dass da nix kommt, dann fange ich an anzubieten. Und dann heißt es: Rette sich, wer kann...

Sie sind meist der Sonnyboy auf der Bühne. Hätten Sie nicht mal Lust, was richtig Schmieriges, Dreckiges zu spielen?

Ja, natürlich! Einen tollen Bösewicht. Ich glaube allerdings nicht, dass ich da in einer Schublade stecke. Das ist am Theater anders als im Film, wo man schnell festgenagelt ist auf einen Typ. Wobei die Schwierigkeit am Sonnyboy ist: Man muss das mit Leben füllen und zeigen, warum er so sonnig ist. Da geben einem die Stücke relativ wenig Fleisch vor, das muss man erst finden und mitbringen, damit es auch für einen selbst glaubhaft wird. Sonst wird die Sache zu platt.

Sind Sie eigentlich auf der Bühne eine Lachwurz’n, wenn mal eine Panne passiert?

Überhaupt nicht. Ich bin todernst, ich kann mich gut zusammenreißen. Da muss schon sehr viel passieren, bis ich mal anfang’ zu grinsen. Ich spiele allerdings mit sehr vielen Lachwurz’n – ohne jetzt Namen zu nennen.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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