"Jenufa" an der Bayerischen Staatsoper - Tragödie von Leoš Janáčeks in der Kritik

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2FrdHVlbGxlcy9rdWx0dXIvamVudWZhLWJheWVyaXNjaGVuLXN0YWF0c29wZXItdHJhZ29lZGllLWxlby1qYW5la3Mta3JpdGlrLTI3ODgyNzYuaHRtbA==2788276"Jenufa" - Tragödie unter Strom0true
    • 08.03.13
    • Kultur
    • Drucken
Bayerische Staatsoper

"Jenufa" - Tragödie unter Strom

    • recommendbutton_count100
    • 2

München - Die Wiederaufnahme von Leoš Janáčeks „Jenufa“ an der Bayerischen Staatsoper wurde heftig gefeiert. Nichts wirkte künstlich aufgeheizt oder aufgegrellt. Eine Kritik:

© Wilfried Hösl

Neue Titelheldin: Karita Mattila, als Jenufa weltweit gefeiert, sang die Partie erstmals in München.

Welch ein Sog! Er speiste sich aus einer enormen Intensität, die aus dem Graben aufstieg, sich in der Szene manifestierte und vom Gesang eines leidenschaftlichen Ensembles gekrönt wurde: Leoš Janáčeks „Jenufa“, am Mittwoch im Münchner Nationaltheater wiederaufgenommen, geriet zum Ereignis, das am Schluss heftig gefeiert wurde.

Vom ersten Ton an bis zum letzten, den Zuhörer erlösenden Akkordschlag setzte Tomáš Hanus am Pult des Bayerischen Staatsorchesters die Aufführung unter Strom. Dabei wirkte nichts künstlich aufgeheizt oder aufgegrellt, entfaltete sich Janáčeks Klangsprache in all ihrer rhythmischen Vielgestaltigkeit und in ihrem instrumentalen Reichtum unter einem großen Spannungsbogen. Das Holz tönte in vielen Schattierungen, Harfe und Xylophon setzten ihre Akzente, und aus dem satten, dunkel grundierten Streicherklang erhob sich die Solovioline mit Inbrunst.

Der sanfte Lyrismus und die Heiterkeit der mährischen Volksweisen, die der Komponist immer wieder anklingen lässt, versöhnten, zumindest für Augenblicke, mit der Bitternis des Geschehens, das unausweichlich in die Katastrophe steuert. So stringent, wie Hanus Janáčeks prägnante, nicht arios versöhnende Musik entwickelte, so klar und punktgenau hat Barbara Frey das Geschehen in den unverschnörkelten Bildern von Bettina Meyer verdichtet. Unsentimental agierten auch die Personen – Einsame, Verlorene, Verletzte allesamt.

Erstmals gastierte in dieser Inszenierung eine in vielen Produktionen gestählte Jenufa: Karita Mattila. Ihr souverän geführter, bis in die Höhen gerundeter Sopran entsprach in seiner Herbheit genau dem Rollenbild, das die Sängerin zeichnete. Bis hin zum berührenden Gebet und zum hoffnungsvollen „Epilog“ mit dem treuen Laca, dem Stefan Margita mit hellem, durchdringendem Tenor Profil verlieh. Gabriele Schnauts Küsterin wuchs zu archaischer Größe empor, und ihre innere Verzweiflung spiegelte sich in kleinen, versuchten Gesten der Zuwendung. Mit mächtigem Sopran umriss sie eine Tragödin antiken Formats.

Der junge Tscheche Aleš Briscein trumpfte als Steva mit verführerischem Timbre auf und gefiel im Spiel als von der Großmutter (Renate Behle) verwöhnter Taugenichts. Stimmig besetzt überzeugten auch die kleinen Partien und der überwältigende Chor.

von Gabriele Luster

zurück zur Übersicht: Kultur

Kommentare

Kommentar verfassen

Aktuelle Fotostrecken

Schnitzel und Currywurst bleiben die Kantinen-Hits

Er machte Currywurst mit Pommes als "Kanzlerteller" bekannt: Gerhard Schröder lässt es sich in einer Kleingartenanlage schmecken. Foto: Hannibal/Archiv
weitere Fotostrecken:

Kino aktuell

My Old Lady: Komödie mit Kevin Kline und Maggie Smith im Kino

"My Old Lady": Von der Bühne auf die Leinwand 

Mit „My Old Lady“ bringt Israel Horovitz sein international erfolgreiches Bühnenstück auf die Leinwand - voller Pointen und Lebensweisheit.Mehr...

Nightlife

Happy Birthday: Drei Jahre Luxuspop im NY.Club

Happy Birthday: Drei Jahre Luxuspop im NY.Club

Bei den Munich Nightlife Awards am Dienstag ist "Luxuspop" unter die Top 5-Partyreihen gewählt worden. Heute feiert sich die Partyreihe beim dreijährigen Geburtstag.Mehr...

Munich Mix Sessions präsentiert DJ Enne

Munich Mix Sessions präsentiert DJ Enne

Jede Woche präsentieren wir Euch mit den Munich Mix Sessions aktuelle Mixe ausgewählter Münchner DJs. Diese Woche DJ Enne.Mehr...

Das Atomic Café muss früher schließen

Früher als geplant: Ade Atomic Café!

Ende Legende. Die Münchner Kathedrale für Britpop- und Indie-Jünger, das Atomic Café, muss schon einen Monat früher als gedacht "Servus" sagen.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.