Und da unsere Zeit nun einmal so ist, dass Banken zocken und wie alle Zocker am Roulette-Tisch der internationalen Finanzmärkte auch das ihnen anvertraute Geld verlieren können; weil wir also in Zeiten leben, in denen nichts sicher ist, weder Job noch Eigentum noch Kapitalanlage, kann der Sturz vom Sommergast ins Nachtasyl ein rascher sein. Konsequent also, dass in Karin Henkels Inszenierung, die am Freitag an den Münchner Kammerspielen Premiere hatte, die Schauspieler ohne Unterbrechung und in denselben Kostümen von „Sommergäste“ zu „Nachtasyl“ wechseln. Endstation einer Rutschpartie.
Diese Idee aber macht noch keinen gelungenen Theaterabend. Dass das Projekt „Sommergäste/ Nachtasyl“ so laut und dennoch nichtssagend geworden ist, kann dabei kaum den Schauspielern angelastet werden.
Gut, Gorki ist kein Tschechow und die politische Agitation lag ihm oft näher als die Dramaturgie seiner Stücke. Doch Henkel hat ihren Abend noch platter und plakativer gestaltet, die Charaktere zu Karikaturen degradiert, wo sie dringend ernst genommen hätten werden müssen. Gorkis flirrende Darstellung des bürgerlichen Leerlaufs in „Sommergäste“ wird so zur Nummernrevue, die vom Publikum dankbar belacht wird. Sein anklagender Zorn über die Zustände im Russland um 1900 gibt die Regisseurin in ihrem „Nachtasyl“ dagegen einer lächerlichen Wurstigkeit preis. All das jedoch lässt diese gut dreieinhalb Stunden allzu erwartbar werden.
Mit allzu viel überzogenen Ausbrüchen, Gezittere und Gewinde stellte sich dagegen Nico Holonics, einer der Leistungsträger am Münchner Volkstheater und von kommender Spielzeit an im Ensemble der Kammerspiele, überambitioniert an seinem neuen Arbeitsplatz vor. Seinen nervigen Wlas in „Sommergäste“ herrscht Preglers Suslow einmal an: „Langsam, junger Mann, schön langsam!“ Das kann auch als Hinweis des erfahrenen Ensemblemitglieds für den überdrehten Neuzugang verstanden werden. Und ach, hätte Pregler doch ähnliches während der Proben auch ab und an der Regisseurin zugebrüllt.
Am Ende dennoch: Herzlicher Applaus und vereinzelt Bravo-Rufe.
Von Michael Schleicher
Nächste Vorstellungen am 5., 14., 20. und 26. Mai;
Telefon 089/ 233 966 00.













