Tanzwerkstatt Europa: Start mit Candoco Company und behinderten Künstlern

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    • 04.08.12
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Tanzwerkstatt: In höchstem Maße menschlich

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München - Auftakt der Tanzwerkstatt Europa: Sie startet mit der britischen Candoco Company, die behinderte Künstler im Ensemble hat.

© Hugo Gladinning/TWE

Mit „Looking Back“ (im Bild) und „Set and Reset“ stellte sich die Candoco Company vor. 

Wäre Veranstalter Walter Heun nicht hundertprozent vom zeitgenössischen Tanz überzeugt, hätte er nicht dieses Kooperations- und Vernetzungs-Geschick, seine Münchner Tanzwerkstatt Europa (TWE) wäre längst eingegangen. Aber sie findet auch heuer statt, zum 21. Mal (bis 11. 8.)! – trotz der geschrumpften städtischen „Beihilfe“. An vielen kleinen Ecken wurde gespart: Im Miniformat jetzt die Programmhefte und auf Umweltpapier gedruckt. Und die Getränke zur Auftakt-Premierenfeier nicht mehr wie früher gratis. Ein Problem? Wieso? Hauptsache der Tanz stimmt. Und fünf hierorts noch nicht gezeigte Gruppen/Choreographen einzuladen – das ist doch was.

Neu für uns gleich beim Auftakt: die britische Candoco Company, in der auch Behinderte integriert sind. Ein Risiko, wenn der kranke, der versehrte Körper ausgestellt wird. Wenn er tanzt, wie bei Candoco, schärft er jedoch unser Bewusstsein für das Recht auf tänzerische Bewegung eines jeden Menschen. Von den beiden mitgebrachten Stücken diente das für Candoco kreierte „Looking Back“ des hierorts ebenfalls noch unbekannten Rachid Ouramdane – „Choreograph der jüngeren konzeptionell arbeitenden französischen Generation“, so im Programmheft – eher als Prolog des Abends. Ouramdanes vielleicht ja absichtlich simple, aber leider simplistisch simple und dadurch langweilige choreographische Struktur im Raum, sein pointiert auf brückenartige Rückwärtsüberdehnung des Torsos setzendes Bewegungsmaterial (fehl am Platze die Steptanznummer) können kaum interessieren. Aber man bekommt einen Eindruck vom eisernen Willen zweier Mitglieder, ihre Behinderung im Tanz zu überwinden: Das sind ein sich spastisch bewegender Tänzer und eine auch mit Armprothese exquisit tanzende junge Frau. Man bekommt ein Gefühl auch für den starken Zusammenhalt aller.

Und das dann auf noch viel beeindruckendere Weise in „Set and Reset“ von 1983 der großen US-Postmodernen Trisha Brown. Hier passt alles bis aufs i-Tüpfelchen. Zu Laurie Andersons soghaftem „Long time no see“ sieht man sieben Tänzer in unentwegter Aktion: laufend, hüpfend, auch mal vornübergebeugt, dabei aus völlig entspannten Gelenken Beine schlaksig hochwerfend, Arme nach vorne und über die Köpfe schwingend. Wolkenleicht umhüllt wird dieser befreite Tanz von den transparenten lockeren Hosen und Tops von Robert Rauschenberg. Seine Dreiecks-Kombinationen in Grau und Weiß an der Rückwand sind die „Bühnendekoration“. Das ganze wirkt wie ein fröhliches Spiel. Da treffen sich zwei. Da kollidieren sanft drei andere. Da formt sich eine Reihe und fällt wieder auseinander.

Man kriegt – und das macht das Stück so spannend – die verschiedenen Formationen mit dem Auge, mit noch so erinnerungswilliger Wahrnehmung nie in den Griff. Und so lässt man sich lustvoll hineinziehen in diesen Bewegungsfluss, lässt sich tragen von der heiteren Entspanntheit dieser Gruppe. Natürlich ist es für die Tänzer anstrengend, Browns Dauerbewegung durchzuhalten. Aber es gibt nie einen Kraftakt, nie eine Vergewaltigung des Körpers zum Zwecke eines Virtuoso-Schritts oder -Sprungs. Browns Tanzstil ist in höchstem Maße demokratisch – Mann und Frau gleichberechtigt –, ist in höchstem Maße menschlich. Von daher genau das richtige Stück für die Candoco Company.

Diesen Samstag: „Urheben – Aufheben“, Schwere Reiter, Karten 089/ 54 81 81 81.

von Malve Gradinger

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