Umpfta für einen guten Zweck

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    • 26.02.13
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Für einen guten Zweck

Zubin Mehta probt im Hofbräuhaus

München - Für den Star ist es nicht gerade Alltagskost. Aber was tut man nicht alles für einen guten Zweck: Am Montagnachmittag probte Zubin Mehta mit den Münchner Philharmonikern Märsche – standesgemäß im Hofbräuhaus.

Probe im Festsaal des Hofbräuhauses: Zubin Mehta und die Münchner Philharmoniker musizieren Märsche. foto: markus götzfried

© Markus Götzfried

Probe im Festsaal des Hofbräuhauses: Zubin Mehta und die Münchner Philharmoniker musizieren Märsche.

Irgendwann ist es auch dem Maestro aufgegangen. „Ihr dirigiert mich“, sagt Zubin Mehta einsichtig. „Aber es macht trotzdem Spaß.“ Gut, ein paar Dinge gibt es zu kritisieren. Mal sind die Zweiunddreißigstel-Auftakte beim „Tölzer Schützenmarsch“ nicht zusammen, mal ist das Tempo im „Florentiner Marsch“ zu flott – und im Trio des „Weiß-Blau-Marsches“ möchte es der Chef einfach „gemütlich“ haben.

Umpfta kann eine ganz schön bierernste Angelegenheit sein. Vor allem, wenn man es so professionell anpackt wie die Münchner Philharmoniker bei dieser Aktion. Eine Marsch-CD wollen sie nämlich veröffentlichen. Die erste Hälfte hat Chefdirigent Lorin Maazel bereits im vergangenen Dezember eingespielt, für den Rest probte man gestern mit Ehrendirigent Zubin Mehta im Hofbräuhaus, an diesem Freitag wird aufgenommen. Zusätzlich gibt es am kommenden Sonntag eine Matinee, die leitet allerdings Klarinettist Albert Osterhammer. Gagen werden keine gezahlt, der Erlös kommt der Orchesterakademie zugute.

Anfangs ist freilich nicht ganz klar, wer da den Taktstock schwingt. Hornist Ulrich Haider, einer der Initiatoren, begrüßt „unseren Ehrendirigenten Lorin Maazel“, was ein lautstarkes „Hoooh!“ der Blas-Combo provoziert samt Bemerkung „Des kost a Maß“, von Mehta selbst aber freundlich weggelächelt wird. Bei Weißwürsten, Bier, Wein, Schorle und Kaffee sitzt an den langen Tischen im Festsaal des Hofbräuhauses das schlimmstmögliche, weil professionellste Publikum: 50 bayerische Blasmusik-Dirigenten. Mit meist ernster Miene wird gelauscht, gelegentlich wippen die Körper mit, nur anfangs und am Ende wird höflich geklatscht.

„Große Überredungskunst haben wir nicht gebraucht“, sagt Klarinettist Albert Osterhammer mit Blick auf den Star. Mehta bekam die Noten vorab, einen Teil dürfte er selbst gekannt haben. Und auch den Philharmonikern sind Märsche nicht nur vom eigenen Wiesnbesuch oder von Opas Platten geläufig: Die meisten Trompeter, Hornisten, Tubisten, Posaunisten oder Klarinettisten wurden schließlich in Blasorchestern sozialisiert.

Auch deshalb flutscht es an diesem Nachmittag so gut. Punkt halb zwei erscheint Mehta im zweiten Stock des Hofbräuhauses. Ein paar Worte, dann ein forschender Blick in die Runde: „Ich möchte einfach nur sehen, wer an welchem Pult ist.“ Durchspielen, ein paar Korrekturen, dann ist der Marsch erledigt. Obwohl der ZweiViertel-Rhythmus eigentlich klar sein müsste, schlägt Mehta energiereich den Takt. In den ruhigeren Trios, das ist an den dann fließenden Bewegungen zu sehen, möchte er vor allem zweierlei hören: Eleganz und Geschmeidigkeit. Eine Sache wird gleich zu Beginn geklärt: „Das Tempo können Sie mir sagen.“ Ab und zu gibt es einen überraschten Blick, wer da gerade einsetzt. Beim „Florentiner Marsch“ wird ein wenig länger gefeilt, dafür ernten die Philharmoniker ein seliges Lächeln des Ehrendirigenten. Wahrscheinlich denkt er dabei auch an anderes: Außerhalb von Florenz hat Mehta seit vielen Jahren ein Haus, das ist seine Heimat. Und einmal, typisch Mehta, muss eine Anekdote sein: 1984 sei das gewesen, als er mit den New Yorker Philharmonikern in Dresden gastiert hatte. Als dritte Zugabe wählte man Sousas „Stars and Stripes“. Die sozialistischen Gastgeber sagten daraufhin erbost das anschließende Gala-Essen ab. „Die dachten, wir spielen die amerikanische Hymne.“

Nach einer guten Stunde ist schon Schluss. Die Märsche sind reif für die Silberscheibe, außerdem braucht Mehta noch etwas Ruhe: Abends leitet er im Nationaltheater Verdis Requiem. Klarinettistin Alexandra Gruber schleppt einen Kuchen in Bierseidl-Form herbei als Dank. Mehta legt ihr für die Kameras gleich den Arm um die Schulter: „Jetzt müsst Ihr fotografieren.“ Wer das Ergebnis, die Maazel-Mehta-Märsche, nachhören will, muss noch etwas warten. Am 7. Juli erscheint die CD auf dem hauseigenen Label der Philharmoniker. Und der  Titel passt perfekt zum Benefiz-Anlass: „Ehrensache“.

Konzert

am 3.3., 11 Uhr, im Festsaal des Hofbräuhauses, Klarinettist Albert Osterhammer dirigiert (Tel. 089/ 54 81 81 81).

von Markus Thiel

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