Jochbergspeicherwerk – verzichtbar

Die Disputanten für und wider einen Pumpspeicher auf dem Jochberg erörtern die Auswirkungen auf die Natur einschließlich möglicher Schwankungen der Wasserspiegel von Kochel- und Walchensee, hegen aber wenig Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Speichers für die Energiewende.

Nach dem bayerischen Energiekonzept sollen bis 2022 volle 20,8 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr aus Wind und Sonne gewonnen werden. Im Jahresdurchschnitt entsteht durch die Zeiten der Windstille ein Ausfall von 5 % bei Windrädern, durch Dunkelheit von 18% bei Solaranlagen. Dieser Ausfall von 4,7 Milliarden Kilowattstunden kann grundsätzlich nicht durch Zubau weiterer Windräder und Solaranlagen vermieden werden, denn auch sie erleben Windstille und Nacht. Eine Pfütze von 3 Millionen Kubikmetern auf dem Jochberg in 400 Metern Höhe speichert gerade einmal 0,003 Milliarden Kilowattstunden, müsste also theoretisch 1463-mal im Jahr gefüllt und geleert werden. Berücksichtigt man noch den Wirkungsgrad von Pumpen und Turbinen, dann werden daraus über 2400 Zyklen pro Jahr, eine Utopie! Wie viele Jochberge haben wir denn in Bayern? Das Ganze erscheint einem wie eine letzte Verzweiflungstat der Energiewendlinge.

Jürgen Griessing Baldham

Wiederholt wird in Leserbriefen das Für und Wider des geplanten Jochbergspeichers diskutiert. Hierzu seien nur ein paar Zahlen zur Stromspeicherung in Pumpspeicherwerken wiedergegeben: Die Speicherkapazität aller deutschen Pumpspeicherwerke zusammengenommen beträgt derzeit 38 Millionen Kilowattstunden. Damit zu vergleichen ist unser Jahresstromverbrauch von zirka 600 Milliarden Kilowattstunden. Wollte man nun nur einen Tagesbedarf speichern (also 600 Milliarden dividiert durch 365), so bräuchte man bereits rund 1350 statt 31 derartige Speicher. Für 1 % wären es dann etwa 5000, und um eine einigermaßen sinnvolle Menge Strom (richtiger: elektrische Energie) über eine halbe Jahreszeit hinweg zu retten, würde die absolut unsinnige Zahl von mehr als 50 000 Pumpspeichern benötigt (bildlich gesprochen müsste man dazu ein ganzes Bundesland unter Wasser setzen und zugleich um einige hundert Meter anheben). Zum Schluss nur noch eine Anmerkung: Unter speichern versteht man eigentlich, eine Sache für längere Zeit zu konservieren. In diesem Sinne sollte man im Fall der Pumpspeicherwerke besser von Strompuffern sprechen. Diese sind nichtsdestoweniger absolut notwendig, um bei Ausfall eines Stromlieferanten den schwierigen „sanften“ Übergang zu einer anderen Stromquelle (das heißt ohne Unterbrechung) zu ermöglichen. Um auf den Jochbergspeicher zurückzukommen: Entsprechend den oben genannten Zahlen wäre dieser als 32. Pumpspeicherwerk weniger als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, also eigentlich verzichtbar.

Prof. Dr. Rolf Wilhelm München

Christian Deutschländer: „FDP bremst am Jochberg“; Bayern 8. April, „Abwägen und dann entscheide“, „Problem soll gelöst werden“; Leserbriefe 9. und 10. April

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