Naturwald statt Försterwald

Stefan Sessler: „Abschuss ohne Strafe“; Bayern 20. Februar

Was wir darum heute anstreben ist der Naturwald, der den Försterwald ablösen soll. Ein Naturwald aber ist nicht nur Lebensraum für Rehe und Hirsche, sondern auch für viele andere Tiere. Insbesondere anspruchsvolle Vogelarten aber auch die kleinen und großen Beutegreifer. Da der ÖJV diesen Naturwald anstrebt, ist es nicht sinnvoll Zwietracht zu säen und zu vermuten, dass die Jagdzeit auf 365 Tage ausgedehnt werden soll. Mir ist nur bekannt, dass der ÖJV anstrebt für die vielen Tierarten im Wald Ruhe zu schaffen. Das aber ist nur mit weniger Jagddruck möglich, wenn an weniger Jagdtagen, an denen dafür aber intensiver gejagt wird. Es ist kein Grund zum Jubeln, wenn bei einer solchen Drückjagd anstatt der angestrebten Geiß ein Bock auf der Strecke liegt. Es ist aber auch Vereinsmeierei, wenn man ein Versehen kriminalisieren will. Dem Rehbock ist es sicher egal, wann er erschossen wird. Wenn bislang dem Trophäenkult zuliebe aus dem Irrtum gleich ein Vergehen gemacht wurde, hat das mit Waidgerechtigkeit absolut nichts zu tun. Unser Trophäenkult wird ohnehin in aller Welt belächelt und es ist eine relativ neue Sitte das Ausmaß jagdlicher Erlebnisse mit Punkten und Gramm der Trophäen unser Tun dazu als Waidgerechtigkeit zu deklarieren. Das heute dabei einige Schnörkel fallen, kann dem Ansehen der Jagd nur gut tun. In anderen Ländern wirft man die Trophäe weg, verwertet aber stets auch, was erjagt. Das wiederum ist bei uns leider noch immer nicht Realität und weit eher eine Aufregung wert.

Wolfgang Alexander Bajohr Wildtierfotograf, Gilching

Bei dieser Groteske geht es nicht um Aufhebung der Schonzeit für Rehböcke, sondern um Straffreiheit bei einem Fehlabschuss. Derzeit haben wir das Kuriosum, dass wegen unterschiedlicher Jagdzeiten für weibliches Rehwild und Kitze (bis 15. 1.) und Böcke (nur bis 15. 10.) die artbiologisch völlig unerhebliche Erlegung eines Bockes nach dem 15. Oktober ein Schonzeitvergehen, die Erlegung eines führenden Muttertieres aber juristisch folgenlos ist. Da ist es diskutabel, eine solche Ausnahme nur für Drückjagden, auf denen das Ansprechen (Erkennen) des Rehwildes nach Geschlecht oft problematisch ist, zuzulassen.- Das Lamento des BJV-Präsidenten über Störung des Wildes in der Notzeit durch den straffrei gestellten Schuss auf einen Bock ist Theaterdonner, denn gejagt werden darf ja weiterhin auf viele andere Tierarten, außer eben auf Rehböcke (die das dummerweise nicht wissen). Und Ausnahmeregelungen bei Gesetzen, durch die ein Leserbriefschreiber den Rechtsstaat in Gefahr sieht, sind ohnehin alltäglich. Im Übrigen ist es jedem Jäger unbenommen, bei den derzeitigen Regelungen zu bleiben oder sich seinen eigenen Jagdzeitkalender zu basteln. Niemand ist gezwungen, z. B. mit der Bockjagd am 1. Mai zu beginnen oder führendes Rehwild und Kitze vom 1. September bis in den Hochwinter hinein zu bejagen oder die heute strittige Ausnahmeregelung für den Bockabschuss auch zu nutzen.

Eberhard Koenig Baiern

Mit großer Befremdung habe ich von der ministerialen Verfügung vom 11. Februar 2013 gelesen, dass ab dem kommenden Jagdjahr 2013/2014 ein fahrlässiger Abschuss von Rehböcken bei allen Jagdarten in der Zeit vom 16. Oktober bis 15. Januar in der Regel nicht mehr als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden soll. Ist unserem Herrn Minister Brunner eigentlich klar, welche Schleusen er da geöffnet hat? Ich glaube eher nicht. Es gilt der eherne Grundsatz: Was Du nicht erkennst, das schieß nicht tot! Und schon gar nicht fahrlässig. Wenn also bei einer Drückjagd im Spätherbst bzw. Dezember oder Januar ein Rehbock auf der Strecke liegt, dann ist das laut ministerieller Verfügung kein Problem mehr. Gilt eigentlich die Schonzeit für Rehböcke ab dem 16. Oktober nicht mehr? Ist die aufgehoben? Wo steht bitte eine solche Verlautbarung? Sie, Herr Minister Brunner, haben höchstpersönlich bei der Vorlage des „Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2012“ im Bayerischen Landtag schriftlich wie mündlich mitgeteilt, dass es in den vergangenen Jahren vielerorts gelungen sei, Wald und Wild miteinander in Einklang zu bringen. Und nun das. Die Symbiose Wald & Wild hat es schon gegeben, bevor wir Menschen unsere Fehler gemacht haben. Also nehmen Sie bitte diesen Unfug wieder zurück, Herr Minister! Denn ein Wald ohne Wild ist tot.

Günter Staffler Sindelsdorf !

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