Traum vom Multiversum

„Hawking erhält Millionen-Preis“; Kultur 22. März

Stephen Hawking hat mit seinen Beiträgen zu Quantenaspekten des frühen Universums die Urknall-Theorie, das Weltbild des 20. Jahrhunderts, maßgeblich mitgeprägt. Wenn ihm nun der höchstdotierte Wissenschaftspreis zuteil wird, so ist das die Ehrung für seine gesamte Lebensleistung. Die heutige Astrophysik ist schon modern – wie z. B. auch die Landwirtschaft. Du ist Stephen Hawking vergleichsweise wie ein alter Bauer, ohne den es zwar noch lange nicht geht, der aber irgendwann mal nicht mehr kann. Der hat zwei Söhne, wie sie nicht unterschiedlicher sein können. Der eine ist ein Stürmer, der die Expansionsstrategie seines Vaters weiterführen würde. Er hat bereits ein Parallel-Universum im Kopf - das ist die Verlängerung der Urknall-Theorie – und träumt schon vom Multiversum. Der ruhigere andere gerät seinem Großvater nach, nämlich Albert Einstein, der noch an das eine, ewige Universum ohne Anfang und Ende glaubte. Wie er sein statisches Universum beackern soll, weiß er noch nicht. Wie aber sein Bruder ein paralleles Universum physikalisch bewirtschaften will, das weiß der auch nicht. Wenn es andere Kosmen zu pachten gibt, wird der eine den Hof erben. Wenn nicht wird ihn der andere übernehmen, der zufrieden ist, sein eigenes Feld zu bestellen. Die Urknall-Theorie hat ein knappes Jahrhundert gedient, um Beobachtungen und Messergebnisse darin unterzubringen. Mal sehen, wann sie (oder er) in den Ruhestand gehen kann, und was die Jungen machen. Nur einer kann den Hof bekommen.

Stefan Silbernagl Moorenweis

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