Frau Himmelreich hätte Herrn Brüderle wegen seines Augenmaßes loben und sich dieses für unsere Politik wünschen sollen. Wie gaga muss man denn eigentlich sein, ein Bargespräch zu diskutieren?
Christine Gerner Garmisch-Partenkirchen
So wird’s gemacht: Frau geht spät abends alleine an eine Hotelbar, wo einige Männer schon ein paar Drinks hatten – welch ein Zufall, da ist sogar ein Politiker dabei. Jetzt braucht sie nur noch abwarten, bis einer einen Spruch loslässt. Dies fällt ihr dann nach einen Jahr ein und schon hat sie eine Schlagzeile und eine öffentliche Debatte. Was für eine charakterliche Glanzleistung dieser Dame und aller, die sich da jetzt drauf stürzen.
Christopher V. Friedrich Schliersee
Das tägliche Thema Sexismus ist zur Waffe geworden. Pauschale Beschuldigungen können die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg im Beruf, Politik, Wirtschaft oder bei verprellter Liebe sein. Es menschelt überall und es gehört zum Leben, dass beide Geschlechter sich annähern. Der eine macht es dämlich, der andere charmant. Im Grunde sind es aber immer zwei, nämlich Sender und Empfänger. Und wenn der Empfänger nicht empfangen will, dann schaltet er/sie sich ab. Immer gleich sexistisches Handeln anzuführen ist beiden Geschlechtern nicht förderlich und könnte dazu führen, dass wir bald in getrennten Fahr-stühlen die oberen Etagen erreichen.
Otto Tegethof München
Die Debatte um Herrn Brüderles Äußerungen am späten Abend an einer Bar zeigen wieder einmal sehr deutlich, wie die Politik von der Presse beeinflusst wird. Dabei ist es mir egal, wie viele Politiker den normalen Bürger abzocken oder oft nicht mehr wissen, was sie gestern zu einem bestimmten Thema gesagt haben und vor allem was uns die vielen unnötigen Vorschriften kosten – siehe die Privatisierung der Trinkwasserversorgung. Wir haben auch keinen Einfluss darauf, wann und mit wem sich ein Politiker zur späten Stunde noch ein Bierchen genehmigt oder mit wem er noch ein kurzes Zwiegespräch führen möchte. Die Art und Weise, wie ein solches Gespräch dann nach einem Jahr in die Öffentlichkeit gebracht wird und wie man damit nicht nur Herrn Brüderle einen nicht unerheblichen persönlichen Schaden zugefügt hat, das ist eine der größten Unverschämtheiten der Presse in der letzten Zeit. Wenn jeder Satz, den ein Politiker am Abend, zu welchem Anlass auch immer, in der Weise kommentiert wird und Herrn Jauchs Sendung in der ARD dazu auch noch umgepolt wird, dann ist es für mich „fünf nach zwölf“. Und wenn sich die Damen in Herrn Jauchs Sendung nicht einmal ordentlich hinsetzen können, dann sind die Gedanken an die Burka auch nicht mehr ganz unberechtigt. Der Zeitpunkt für diese Veröffentlichung – nur drei Tage nach dem überraschenden Wahlerfolg der FDP in Niedersachsen und Herrn Brüderles Nominierung für die Bundestagswahl – zeigt sehr deutlich, wie in unserer Politik die Rollen gespielt werden. Mich interessiert nur noch, wer den/die zuständigen Autoren des Stern mit wie viel Geld dazu gesponsert oder sogar gedrängt hat. Eines ist für mich auf jeden Fall ganz sicher: Nachdem ich es geschafft habe, nach der Wulff-Affäre ein ganzes Jahr ohne Bild am Sonntag auszukommen, kommt der Stern nicht mehr in unser Haus.
Paul Obenberger Steinhöring






