Pro und contra Studiengebühr

Ich selbst habe nicht studiert und auch mein Sohn ist noch zu klein um eigentlich darüber nachzudenken. Dennoch bin auch ich gegen eine Abschaffung der Studiengebühren.

Warum sollte ein Studium privilegierter behandelt werden als zum Beispiel eine Meister- oder Technikerausbildung? Diese Schulen sind im Schnitt um einiges teurer (Schulgebühren, Prüfungsgebühren, Bücher, Materialaufwendungen) als ein ganzes Studium. Oft muss so eine Ausbildung parallel zum Beruf absolviert werden, um es finanziell überhaupt stemmen zu können. Es gibt zwar auch dort die Möglichkeit, Bafög zu beantragen, jedoch muss dies ebenfalls wie bei den Studenten zurückgezahlt werden. Außerdem haben auch wir im Bekanntenkreis miterlebt, wie sich die Situation in den Hörsälen seit Einführung der Studiengebühr langsam verbessert hat, das allein sollte schon Anreiz genug sein. Nicht ohne Grund schicken reichere Familien ihre Kinder auf Universitäten im Ausland, die um ein Vielfaches teurer sind. Für eine soziale Gleichberechtigung würde ich es jedoch befürworten, wenn Kinder aus finanziell schwachen Familien von der Gebühr befreit würden.

Tanja Wörl Landsberied

Als Mutter einer Studentin muss ich mich heute einfach zu diesem wirklich brisanten Thema äußern. Der werte Leser aus Murnau, der glaubt, dass „die Studenten das Geld zum Feiern und Saufen haben und das Geld haben, sich in den Semesterferien die Welt anzuschauen“, der irrt wohl ganz gewaltig und scheint aus dem vergangenen Jahrhundert zu stammen, jedenfalls was seine Anschauungen betrifft. Ihr Studium hätte meine Tochter nie ohne die Hilfe ihrer Eltern, sprich uns, ge-stemmt. Sicher, es ist richtig, dass man Studiengebühren mit einem Darlehen vorfinanzieren kann und die Lebenshaltungskosten nicht zu vergessen sind, aber die heutigen Studenten in ihren modualisierten Studiengängen haben einfache keine Zeit mehr, nebenher großartig zu arbeiten, so straff ist der einzelne Studiengang organisiert. Meine Tochter hatte das Glück, in Erlangen evangelische Theologie zu studieren, die noch nicht modualisiert war, und einen relativ günstigen Wohnplatz in einem Studentenheim zu bekommen; trotzdem – die Kriterien für den Bafögbezug waren nicht gegeben (ihre Eltern verdienen als Beamte einfach zu viel) – und so hat sie trotz diverser Nebenverdienste am Ende ihres Studiums heute zu Beginn ihrer Berufskarriere einen satten Schuldenberg von knapp 18 000 Euro, den es jetzt abzutragen gilt. Spürbare Verbesserungen in ihrem Studiengang hat sie nicht erfahren, lediglich mancher Blumenschmuck in der Uni ist mehr sichtbar geworden. Es ist schlichtweg falsch, dass die Studiengebühren das Studieren sprich das Umfeld verbessern, bestenfalls Augenwischerei; es hat sich kaum was bewegt in den Unis. Und auf Weltreise oder Urlaub war meine Tochter in der ganzen Zeit ihrer Studentenzeit nie, dafür hatte sie schlichtweg, man glaubt es kaum, kein Geld und keine Zeit.

Gaby C. Schlierf Maisach

Leider wird in der Diskussion über Studiengebühren so gut wie nie erwähnt, dass sie in der alles andere als rosigen Nachkriegszeit selbstverständlich waren und niemand sie in infrage gestellt hat. Ein Beispiel: Ich habe 1957 mit dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München begonnen und für das Wintersemester 57 und das folgende Frühjahrssemester 58 zusammen 240 DM Studiengebühren bezahlt. Das entsprach ziemlich genau dem Lohn (teilweise Akkordlohn), den ich damals in den Semesterferien im Monat als Hilfsarbeiter bekam. Bafög, damals „Honnefer Modell“ genannt, erhielt ich erst ein wenig später. Auto? Urlaubsreisen in den Semesterferien? Heizbares Zimmer in München? Alles Fehlanzeige.

Univ.-Prof. Dr. Heinz Schelle Oberau

Mit diesem Leserbrief, ich zitiere Herrn Meier: „Die Studenten haben das Geld zum Feiern und Saufen“, begibt sich der Leserbriefschreiber Herr Meier aus Murnau auf niedrigstes Niveau. Der Inhalt seines Leserbriefes ist wirr und zeugt von wenig Kenntnis über den Ablauf eines Studiums, hinsichtlich der Erfordernis Auslandssemester zu absolvieren.

Fritz Dattenberger Ammerland

„Studiengebühren – gerecht oder ungerecht?“; Leserbriefe 29. Januar

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