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    • 19.12.12
    • Leserbriefe
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Glaube braucht Zeugen

„Normale Männer“; Leserbriefe 18. Dezember

„Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder“, sagte Jesus auf seinem Weg zum Kreuz zu den am Wegrand stehenden Frauen Jerusalems (Lukas 23, 28). Warum machen sich so viele Leute Sorgen um die wenigen Priester, die um Gottes willen auf ein Eheleben verzichten und nicht um das Millionenheer derer, die angesichts der zerrütteten Verhältnisse der heutigen Zeit ehelos oder geschieden zurückbleiben? Offenbar trifft der Zölibat doch einen Nerv der Zeit. Er sagt, dass es sich lohnt, sein Leben an jemanden zu hängen, von dem die anderen noch nicht einmal glauben, dass es ihn überhaupt gibt. Was für ein Glaubenszeugnis! Wenn dieses Zeugnis verdunkelt wird, wird auch Gott verkleinert. Verkleinert auf eine Größe, die unser Leben nicht mehr stört, auf eine Größe, die uns sagt: Mach weiter so wie bisher, es gibt keinen Anlass, an deinem Leben etwas zu ändern, mir ist es egal, wie du bist, weil vor mir eh alles egal ist. Der Glaube wird bezeugt und er braucht Zeugen. Von Anbeginn des Wirkens Jesu haben Menschen das Liebste, was sie hatten, verlassen und sind ihm nachgefolgt, auch Verheiratete wie Petrus. Nicht jeder kann das. Um so wichtiger, dass es Menschen gibt, die dazu bereit sind. Wer diese verachtet oder wer sich freut, wenn sie scheitern, denkt niedrig vom Menschen überhaupt. Denn der Mensch ist nie so groß, als wenn er sich klein macht vor Gott. Ich freue mich über jeden Priester, den ich sehe und bin ihm dankbar für sein Priestersein.

Felix Hornstein Tegernsee

In einigen Zuschriften der letzten Tage konnte man eine interessante Redewendung in Zusammenhang mit dem Pflichtzölibat der katholischen Kirche feststellen, die da lautet: wer sind wir denn eigentlich – gewissermaßen als wären wir selbst manchmal der liebe Gott. Es konnten damit sicher und überwiegend nur gewisse Entscheidungen aus Rom gemeint sein. Sogenannte unfehlbare Glaubensentscheidungen möchte ich da einmal ausklammern. Dennoch auf doch unterstellt werden dürfen, dass alle Entscheidungen sich in erster Linie an der Frage orientieren müssten, wie Jesus-als der Urheber unseres Glaubenden Fragen und Nöten der Menschen heute begegnen würde und nicht vor 2000 Jahren. Und genau an diesen Punkt stellt sich auch für sich die Frage, wer wir eigentlich sind, dass wir Jesus gewissermaßen einfach unterstellen dürfen, dass er z. B. seinen Jüngern (Priestern) auch heute noch lebenslange Lasten – wie den Zölibat – aufladen und Gestrandete lieblos verurteilen würde; ferner, dass er Frauen noch heute eine priesterliche Berufung verweigern oder geschiedene und wiederverheiratete Gläubige ohne Kenntnis ihrer Lebensbiografien samt und sonders von der Kommuniongemeinschaft ausschließen würde. Zu allem Überfluss drängt sich auch noch die Frage auf, ob wir inmitten der Pracht unserer Kirchen im weitesten Sinn Jesus heute überhaupt noch erkennen würden. Da fällt einem unwillkürlich der Katakombenpakt eines Bischofs Helder Camara aus den Tagen des Konzils ein. Solange diese und etliche andere Dinge das Bild der Kirche immer wieder verdunkeln und das verlorengegangene Vertrauen vieler Menschen nicht zurückgewonnen ist, werden höchstwahrscheinlich voreilige, hektische Glaubens- und Neuevangelisierungsbemühungen ins Leere laufen. Nachdenklich und hoffnungsvoll zugleich mag einem die Aussage des berührten Theologen Karl Rahner am Ende des Konzils vor 50 Jahre stimmen, dass wir noch am Anfang eines Anfangs stehen. Diese Aussage kann man da und dort noch immer guten Gewissens stehen lassen.

Werner Rupp Baldham

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