Ein Armutszeugnis

Georg Anastasiadis: „Als-ob-Politik“; Kommentar 15. Februar

Gerne lese ich Ihre (außen-)politischen Kommentare, doch beim Stromthema muss ich Ihnen heftig widersprechen: Bei der Energiewende geht es um ein Megathema nicht nir für Deutschland, sondern für die gesamte Weltbevölkerung, das an die Spitze der politischen Agenda gehört. Deshalb ist es falsch und unverantwortlich, das Thema Strompreise im Zusammenhang mit der Energiewende nur parteipolitisch abzuhandeln und damit vom Kern des Problems abzulenken. Viele Fachleute sind der Meinung, dass wir bereits im Begriff sind, den Anstieg der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius bis 2100 zu begrenzen, erheblich zu verfehlen. Doch die Alternative ist nicht, nichts zu tun, vielmehr müssen die Anstrengungen verstärkt werden. Eine echte Energiewende bedeutet deshalb den Umstieg auf dezentrale Versorgungsstrukturen und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Dazu ist der richtige Mix aus Sonne und Wind, kombiniert mit einer fortschrittlichen Speichertechnologie notwendig und zwar mit großer Zielstrebigkeit, die derzeit überhaupt nicht erkennbar ist. Energiepolitisch gibt es in der Tat einige Fehlsteuerungen, die berechtigte Kritik hervorrufen. Würde man konsequent den energetischen Dreisprung – Energieverbrauch senken, Energieeffizienz steigern, erneuerbare Energien ausbauen- beherzigen, wäre auch die Belastung für Privathaushalte geringer. Ohne die ‘Industrieförderung‘ bei Stromstuer und EEG-Umlage würde die Steigerung der Umlage von 2012 auf 2013 statt 5,3 Cent nur 3,5 Cent /kWh betragen. Dabei sind die Stromeinsparpotenziale gerade in der Industrie groß. Die Energiewende hat allerdings ihren Preis; wer nur immer auf billig und günstig setzt , verdummt die Bevölkerung, wie man gerade wieder beim Pferdefleischthema sieht. Nimmt man die Energiewende ernst, darf der Maßstab doch nicht sein, dass der Betrieb alter Kühlschränke oder ineffizienter Heizungspumpen, die 10 mal so viel verbrauchen wie hocheffiziente Geräte, mittels einer Preisbremse begünstigt wird. Eine soziale Abfederung für einkommensschwache Besitze muss doch intelligenter angepackt werden als durch die Einfrierung der EEG-Umlage, beispielsweise durch ein Abwrackprogramm für Altgeräte wie früher bei Autos. Abschließend ist festzustellen, dass ein unbedachtes Herumwwursteln an der EEG-Umlage ein Armutszeugnis für die überforderte Politik, aber auch für viele gesellschaftliche Kreise ist. Die Energiewende erfordert von allen Mut, Weitsicht und Eigeninitiative.

Werner Schmid Holzkirchen

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