München - Auf seiner Amokfahrt von der Autobahn ins Stadtgebiet hat der psychisch kranke Christian G. mit einem 40-Tonner Autos abgedrängt und gerammt. Jetzt muss er in die Psychiatrie.

Wilde Fahrt durch Ramersdorf: Trucker Christian G. verletzte vier Menschen, als er ohne Rücksicht auf Verluste durch die Stadt raste.
Bernd B. erinnert sich noch genau an den Tag, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Auf der Autobahn bei Holzkirchen fiel ihm an jenem 3. Juni vergangenen Jahres der merkwürdige Fahrstil eines Fahrers auf, der einen mit Bauteilen beladenen Lkw mit Sattelschlepper lenkte. „Der hätte mit seinem 40-Tonner einen anderen Laster beinahe gegen die Leitplanke gedrängt“, berichtet der 47-Jährige, der selbst in der Speditionsbranche arbeitet. Bernd B. alarmierte die Polizei und ließ den Lkw dann nicht mehr aus den Augen.
40 Kilometer lang verfolgte Bernd B. den Lastwagen. „Als er dann über die A8 in Richtung München gefahren ist und immer noch keine Polizei da war, habe ich die Autobahn von hinten dicht gemacht“, erinnert sich Bernd B. Mit eingeschalteter Warnblinkanlage fuhr er die letzten zehn Kilometer bis München auf dem Überholstreifen und sorgte dafür, dass niemand dem 40-Tonner zu nahe kommen konnte.
Mit 50 Stundenkilometern jagten beide Fahrzeuge über den Gehweg. Geschockt realisierte Bernd B., dass sich an der Ampel vor ihm Radfahrer und Fußgänger aufhielten. Er drosselte die Geschwindigkeit, der Lkw rammte seinen BMW. Der Wagen geriet ins Schleudern, kam dann zum Stehen. Auch der 40-Tonner kam zum Stillstand, nachdem er eine Betonmauer durchbrochen hatte. „Zum Glück ist mir und meiner Familie nicht viel passiert“, sagt Bernd B., der an diesem Tag mit seiner Frau und seinem sechsjährigen Sohn unterwegs war.
So sieht es auch die zweite Strafkammer des Landgerichts München. „Es hätte auch mehrere Tote geben können“, sagt der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann. Jedoch könne das Gericht den Amokfahrer nicht bestrafen, da der 34 Jahre alte Rumäne Christian G. zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sei. „Er war hochpsychotisch“, sagt Richter Riedmann, „ein akuter Schub, sehr stark.“ Christian G. leide an paranoider Schizophrenie und habe sich an jenem Tag von Verbrechern verfolgt gefühlt. „Er tat alles, um wegzukommen und seine Haut zu retten, weil er dachte, die Mafia wolle ihm ans Leder“, sagt Riedmann. „Er war von diesen Wahngedanken bestimmt, die alles andere übertüncht haben.“
Inzwischen habe sich der Zustand von Christian G. durch Medikamente stabilisiert, doch noch immer sei er „gefangen in seinem Wahngebäude“ und deshalb eine Gefahr für die Allgemeinheit. Daher, sagt Riedmann, müsse Christian G. dauerhaft in der Psychiatrie bleiben. Aufgrund der Erkrankung sei nämlich zu befürchten, dass es ansonsten zu weiteren erheblichen Straftaten kommen könnte.
Bettina Link
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