München - Eine Torte zum Ehrentag: Schimpanse Toni ist 50 geworden und wurde ordentlich gefeiert. Der Affe ist aber nicht der einzige Methusalem im Tierpark. Vielen der Tiere ist in Hellabrunn ein längeres Leben beschieden als in freier Wildbahn.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Es ist ein Kreuz mit den jungen Frauen. Wenn man Pech hat, fressen sie einem die Haare vom Kopf. Kein Wunder, dass Schimpanse Toni mit seinen 50 Jahren schon eine Glatze hat: Gefährtin Püppi ist erst jugendliche 18. Prompt klaute sie ihrem Mann die Geburtstagstorte – der Affe hatte einfach zu lange gezögert. Doch Toni wäre nicht Toni, wenn er sich das liebevoll gebackene Stück nicht zurückgeholt hätte. „Ein echter Mann“, kommentierte Tierpark-Chef Andreas Knieriem. „Der schaut ja auch noch gut aus.“
Der Schimpanse ist nicht der einzige Senior dort. Ein Säugetier ist noch älter: Elefantendame Tina, 52 Jahre. Die ältesten Tiere sind die Schildkröten – „100, 150 Jahre, das weiß niemand so genau“, sagt Knieriem. In Tonis Nachbarschaft residiert Orang-Utan Bruno, 42 Jahre alt. Wenige Meter weiter wohnt Löwin Inka – mit 19 Jahren die letzte ihrer Art im Tierpark. Die Antilopen werden ebenfalls bis zu 20 Jahre alt. „Das schaffen sie in freier Wildbahn kaum, da werden sie gefressen“, sagt Knieriem.
Im Zoo haben die Tiere keine Feinde – einer der Gründe, warum sie älter werden als in der Natur. „Außerdem bekommen sie optimales Futter und sofort medizinische Betreuung, wenn etwas ist“, erklärt Kuratorin und Biologin Beatrix Köhler. „In der Natur fällt ein Affe auch mal vom Baum und bricht sich was. Das könnte man hier behandeln.“ Zwei fest angestellte Tierärzte beschäftigt Hellabrunn. Im hohen Alter bekommen Tiere, genau wie Menschen, alterstypische Krankheiten wie Schlaganfälle – „da müssen wir uns dann auch drum kümmern“, sagt Knieriem.
Solange sie gesund sind, darf man man Toni und Co. aber nicht zu oft zum Arzt schleppen – immerhin müssen die Tiere dafür in Narkose gelegt werden. Tonis „letztes großes Blutbild“, sagt Köhler, sei zehn Jahre her – damals wurde der Schimpanse in ein anderes Haus verlegt. „Bei solchen Gelegenheiten nehmen wir Blut ab, untersuchen die Zähne, hören das Herz ab – die Untersuchungen sind fast wie bei Menschen.“ Die Gene der Affen unterscheiden sich nur in 1,5 Prozent von unseren – „es sind die entscheidenden Gene, aber es bleibt vieles ähnlich“. Affen können sich sogar bei kranken Menschen anstecken – deshalb dürfen die Besucher nicht in die Nähe der Schlafstätten.
So ein Affe, sagt Köhler, kriegt im Winter auch mal eine Erkältung – „da leiden sie wie kleine Kinder“. Und wenn Affen sich streiten und beißen, müssen sie versorgt werden, damit es keine Blutvergiftung gibt. Toni hat nichts von alledem. Er verträgt sich bestens mit Püppi – die Sache mit dem Kuchen hat er schnell verziehen. Junge Frauen, mag er sich denken, während er die Trauben von der Torte pickt, haben ja auch Vorteile.
Ann-Kathrin Gerke
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