München - Fällt am Mittwoch schon die Vorentscheidung über Olympia 2018? Denkbar wär’s. Denn die technische Präsentation im Schweizer Lausanne gilt als die wichtigste im Bewerbungsmarathon um die Winterspiele.

Fachfrau für Olympia: Die Biathletin Magdalena Neuner unterstützt die Münchner Olympia-Missionare. Foto: ddp
Mittwoch, 9.15 Uhr. Das Olympische Museum in Lausanne. Das sind Zeit und Ort, die für die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 vorentscheidend sein könnten - und wohl auch sein werden. Genau eineinhalb Stunden hat die neunköpfige Delegation Zeit, um die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) von den Vorzügen Olympias in Oberbayern zu überzeugen.
Die zweitägige Sitzung am Genfer See, wo auch das IOC seinen Sitz hat, ist deshalb so wichtig, weil hier zum letzten Mal vor der Entscheidung in Durban (Südafrika) am 6. Juli die mehr als 100 stimmberechtigten Mitglieder zusammentreffen, um den drei Bewerbern noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Technische Präsentation wird das letzte große Schaulaufen genannt, aus dem Favoriten mitunter als Verlierer gehen oder Außenseiter plötzlich Land gewinnen. Im Bewerbungsverfahren um die Sommerspiele 2016 etwa wendete sich bei der technischen Präsentation das Blatt zugunsten von Rio de Janeiro. Die Brasilianer sind jetzt Veranstalter der Sommerspiele.
Hinter verschlossenen Türen des IOC-Museums werden die Münchner Olympia-Missionare bei der 45-minütigen Präsentation und einer ebenso langen Fragerunde versuchen, mögliche Schwächen der Bewerbung in einem anderen Licht erscheinen zu lassen: die niedrigen Zustimmungswerte in der Bevölkerung etwa oder die Probleme mit Grundstückseigentümern in Garmisch-Partenkirchen. In dem vergangene Woche veröffentlichten Bericht der Evaluierungskommission sind diese Punkte angesprochen.
Der Report habe gezeigt, dass das Thema Grundstücke „kein Thema ist“, meint indes Jochen Färber, der Sprecher der Bewerbungsgesellschaft. Man könne aufzeigen, dass man für die erwähnten Alternativlösungen auch Grundstücke habe. Zudem wolle man den IOC-Mitgliedern zeigen, dass Zustimmungswerte „nicht das Ein und Alles“ seien. Deutschland habe schon bewiesen, dass es auch mit niedrigeren Zustimmungswerten sehr gute Sportveranstaltungen ausrichten könne.
Als Favorit dürfte das südkoreanische Pyeongchang in die technische Präsentation gehen, als Außenseiter das französische Annecy, das nur gut eine Autostunde von Lausanne entfernt liegt. München rangiert nach dem Evaluierungsbericht derzeit wohl auf Platz zwei. Die Frage ist nur, ob das die IOC-Mitglieder genauso sehen. Das Treffen in Lausanne ist deshalb auch ein Wettkampf der Lobbyisten. Sie werden sich bei Mittagessen oder an den Hotelbars der Stadt intensiv um das Wohlwollen der IOC-Mitglieder bemühen.
Matthias Kristlbauer



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