Beschneidungen: Bundesregierung will Rechtssicherheit

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2FrdHVlbGxlcy9wb2xpdGlrL2Jlc2NobmVpZHVuZ2VuLWJ1bmRlc3JlZ2llcnVuZy13aWxsLXJlY2h0c3NpY2hlcmhlaXQtMjM5MDM5My5odG1s2390393Regierung: Beschneidung muss straffrei möglich sein0true
    • 14.07.12
    • Politik
    • 79
    • Drucken
Körperverletzung oder religiöses Ritual?

Regierung: Beschneidung muss straffrei möglich sein

    • recommendbutton_count100
    • 0

Berlin - Körperverletzung oder schützenswertes religiöses Ritual? Das Beschneidungsverbot eines Kölner Gerichts empört jüdische und muslimische Organisationen. Jetzt reagiert der Gesetzgeber.

Die Bundesregierung will schnell Rechtssicherheit für religiöse Beschneidungen schaffen. “Wir wissen, da ist eine zügige Lösung notwendig, da kann nichts auf die lange Bank geschoben werden“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. “Verantwortungsvoll durchgeführte Beschneidungen müssen in diesem Land straffrei möglich sein.“

Seibert und das Justizministerium wollten sich aber noch nicht festlegen, wie eine rechtliche Klarstellung aussehen kann. SPD und Grüne setzen sich für eine Gesetzesinitiative ein. Auch aus der FDP kam bereits eine entsprechende Forderung.

Das Landgericht Köln hatte Beschneidungen als Körperverletzung gewertet und damit Empörung bei jüdischen und muslimischen Organisationen auch im Ausland hervorgerufen. Sowohl im Judentum als auch im Islam ist die Beschneidung von Jungen ein Ritual mit langer Tradition.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warnte vor verheerenden Auswirkungen, sollte sich das Kölner Urteil in der deutschen Rechtsprechung durchsetzen. “Wenn sich der Tenor des Gerichtsurteils bestätigt, würde jüdisches Leben in Deutschland wirklich auf Dauer unmöglich gemacht“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. “Das bitte ich sehr ernst zu nehmen.“ Besonders verletzend sei der Vorwurf, dass den Kindern Schaden zugefügt würde. Die jüdische Liebe zu Kindern sei legendär. Da werde absolut keine Nachhilfe benötigt.

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Beschädigung des Ansehens Deutschlands in der Welt bei anhaltender Rechtsunsicherheit. “Es muss klar bleiben, dass in Deutschland die freie Religionsausübung geschützt ist. Dazu zählt auch der Respekt religiöser Traditionen“, erklärte er.

SPD und Grüne machten sich für eine gesetzliche Klarstellung stark. “Religionsbedingte Beschneidungen bei Jungen dürfen in Deutschland nicht strafbar sein“, erklärten SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion, Brigitte Zypries. “Es kann nicht sein, dass Jahrtausende alte Traditionen von Millionen von Menschen auf diese Weise in Deutschland infrage gestellt werden.“ Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erklärte, die Fraktionen müssten sich sehr bald zusammensetzen, um nach einer Lösung zu suchen.

dpa

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

  • Neueste Kommentare
  • Beliebteste Kommentare
Lydia Hofer10.08.2012, 08:53
(0)(0)

Es wird vielleicht manche überraschen, aber die Bibel wurde genauso wie der Koran von Menschen geschrieben. Menschen können irren und Menschen können Irrtümer korrigieren. Wer volljährig ist kann sich ein Arschgeweih tätowieren lassen oder seine Genitalen verstümmeln - aber lasst die wehrlosen Kinder in Ruhe!

Exilfranke19.07.2012, 13:28Antwort
(0)(0)

Für eine einzige Kultur, weil hier die Religionszugehörigkeit auch durch Geburt begründet wird. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso mehr halte ich auch diese Ausnahme für unbegründet. Man sollte es darauf ankommen lassen. Angenommen der EuGH würde der körperlichen Unversehrtheit den Vorrang einräumen, ich glaube nicht, dass die Juden auswandern würden.

Dt. Michel19.07.2012, 11:51
(6)(0)

Niemand ist gezwungen, in Deutschland zu leben. Aber jeder der kommt, und längerfristig bleiben möchte, sollte unsere Gepflogenheiten respektieren und sich ein stückweit anpassen. Auch unsere Regierung sollte unsere Wertmaßstäbe wieder achten und vertreten und sich nicht permanent durch Druck von außen beeinflussen lassen!

Alle Kommentare anzeigen

Aktuelle Fotostrecken

So reagiert der Secret Service auf Sicherheitspanne

weitere Fotostrecken:
Newsletter

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Thüringer SPD-Führung will Rot-Rot-Grün

Erfurt - Thüringen kann Geschichte schreiben: Erstmals ist eine rot-rot-grüne Regierung mit einem Ministerpräsidenten der Linken möglich. Nach der Koalitionsempfehlung der SPD-Führung hat nun die Basis das Wort.Mehr...

Thüringer SPD-Führung will Rot-Rot-Grün

Erfurt - Thüringen kann Geschichte schreiben: Erstmals ist eine rot-rot-grüne Regierung mit einem Ministerpräsidenten der Linken möglich. Nach der Koalitionsempfehlung der SPD-Führung hat nun die Basis das Wort.Mehr...

Wirtschaft

Zahl der Minijobber hat sich fast verdoppelt

Zahl der Minijobber hat sich fast verdoppelt

Berlin - Immer mehr Deutschen reicht ihr Gehalt aus dem Hauptberuf nicht mehr zum Leben. Die Zahl der Minijobber hat sich deshalb in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt.Mehr...

Karstadt: Verdi fühlt sich getäuscht

Karstadt: Verdi fühlt sich getäuscht

München - Verdi ist verärgert über den Kommunikationsstil von Karstadt: Noch in der letzten Sitzung des Gesamtbetriebsrats sei kommuniziert worden, es seien keine Filialschließungen geplant.Mehr...

GDL verlängert ihre Bahn-Streik-Pause

Die GDL verlängert ihre Bahn-Streik-Pause

Frankfurt - Die Lokführergewerkschaft GDL verlängert ihre Streikpause. Damit sind die Herbstferien, die zum Beispiel in Bayern beginnen, gerettet.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.