Friedrich kündigt NPD-Verbotsantrag der Regierung an

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2FrdHVlbGxlcy9wb2xpdGlrL2ZyaWVkcmljaC1rdWVuZGlndC1ucGQtdmVyYm90c2FudHJhZy1yZWdpZXJ1bmctenItMjc2OTkxNC5odG1s2769914Regierung streitet über NPD-Verbot0true
    • 26.02.13
    • Politik
    • Drucken
Berliner Vorstoß in Karlsruhe

Regierung streitet über NPD-Verbot

Berlin - Wo ist die klare Linie? Erst treibt die Union einen eigenen NPD-Verbotsantrag der Regierung voran, dann rudert CSU-Innenminister Friedrich wieder ein bisschen zurück. Die FDP fühlt sich überrumpelt.

© dpa

2003 war ein Antrag auf Verbot der NPD gecheitert.

Das Vorpreschen der Union für einen eigenen NPD-Verbotsantrag der Bundesregierung hat den Koalitionspartner FDP schwer verstimmt. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zeigte sich verärgert über CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich. „Die Erfolgsaussichten gehören juristisch bewertet und nicht parteipolitisch in landsmannschaftlichen Treffen der CSU“, sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende. Die Liberalen betonten, es gebe noch keine gemeinsame Haltung in der Regierung. Das machte auch Friedrich deutlich, der am Dienstag um Entspannung bemüht war: „Es gibt dazu weder eine Entscheidung noch eine Festlegung noch eine Tendenz.“

Friedrich will die Länder nicht im Stich lassen

Vor der CSU-Landesgruppe im Bundestag hatte der Innenminister am Montagabend in Berlin aber unmissverständlich aufgezeigt, dass die Bundesregierung am Ende wohl keine Wahl hat: „Ich gehe davon aus, dass wir keine andere Möglichkeit haben, als selber einen Antrag zu stellen“, sagte Friedrich nach Teilnehmerangaben.

Nun führte er weiter aus, dass die Bundesregierung letztlich die Länder nicht im Stich lassen könne. Entschieden werde Ende März. Die beiden anderen Optionen - eine Beiladung oder ein Beitritt zum Länderantrag - seien bei Juristen umstritten, betonte Friedrich, der einem erneuten NPD-Verbotsverfahren lange ablehnend gegenüberstand.

Justizministerin fürchtet "Desaster für Demokratie"

© dpaInnenminister Hans-Peter Friedrich.

Mit dem angekündigten Antrag der Bundesländer vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe sei die öffentliche Bühne für die NPD aber bereits eröffnet worden: „Jetzt geht es darum, dass wir die Länder auf dieser Bühne mit der NPD nicht alleinlassen“, erläuterte Friedrich. Immerhin stamme die Hälfte des Beweismaterials gegen die NPD vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Leutheusser-Schnarrenberger forderte den Innenminister auf, rasch eine umfassende Beurteilung der Erfolgsaussichten vorzulegen. „Ein erneutes Scheitern eines NPD-Verbotsantrages wäre ein Desaster für die Demokratie und ein Triumph für die Rechtsextremen.“ Für einen eigenen Antrag der Bundesregierung ist ein Beschluss des Kabinetts nötig.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) kündigte schon seinen Widerstand an. „Es ist falsch, jetzt in ein NPD-Verbotsverfahren einzusteigen. Die NPD verendet seit Jahren politisch.“ Sie sei inzwischen eine kleine Splitterpartei, sagte Niebel der „Leipziger Volkszeitung“ (Mittwoch).

In der FDP wurde darauf verwiesen, dass CSU-Chef Horst Seehofer zu den treibenden Kräften eines NPD-Verbots gehört. „Es ist doch offensichtlich, dass Alleingänge von Herrn Seehofer nicht immer der richtige Weg in der Politik sind“, sagte FDP-Fraktionsvize Gisela Piltz.

Wer in welchem Bundesland regiert

zurück

vor

Offen ist, ob auch der Bundestag einen eigenen Verbotsantrag stellt. Die Bedenken der Innen- und Rechtsexperten in der FDP-Fraktion seien unverändert sehr stark, betonte Piltz. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), sagte, es gebe auch in den Reihen der Abgeordneten von CDU und CSU starke Vorbehalte, aber auch Befürworter.

Die SPD kritisierte das schwarz-gelbe Zaudern. Die Chancen für ein NPD-Verbot seien so gut wie nie zuvor. „Wir brauchen einen entschlossenen Innenminister vor dem Bundesverfassungsgericht, keinen zaudernden Herrn Friedrich, der nicht weiß, was er will“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte nach Angaben aus der Union bereits in der vergangenen Woche intern signalisiert, dass die Regierung aus ihrer Sicht neben dem Bundesrat einen gesonderten Verbotsantrag in Karlsruhe stellen solle. 2003 war ein Verbotsverfahren von Regierung, Bundestag und Länderkammer vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert.

dpa

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Pädo-Debatte: CSU und Grüne mit harten Attacken

Berlin - Was haben Pädophile bei den Grünen gemacht? Vor der Bundestagswahl wird der Streit über diese heikle und peinliche Frage mit harten Bandagen geführt.Mehr...

NSU-Prozess

Türkischer Politiker: Kreuz muss sofort weg

München - Der türkische Politiker Mahmut Tanal hat gefordert, das Kruzifix im Gerichtssaal A 101, in dem der NSU-Prozess stattfindet, sofort zu entfernen. Es sei eine "Bedrohung" für alle Nichtchristen.Mehr...

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Hoch die Krüge! Angela Merkel zu Besuch im Truderinger Festzelt

weitere Fotostrecken:
Bilder: Joachim Gauck zu Besuch in Kolumbien
Fast 50 Tote bei Bombenanschlag in Türkei

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Erster SPD-Abgeordneter muss zurückzahlen

München - Die Aktion Rückzahlung erreicht die SPD. Als erster führender Oppositionspolitiker hat der SPD-Abgeordnete Harald Güller in derr Beschäftigungsaffäre tausende Euro aus seiner Mitarbeiter-Pauschale an den Landtag zurückerstattet.Mehr...

Zschäpe Anwälte

Lachen im Gericht: Zschäpe-Anwalt stürmt raus

München - Vor dem Oberlandesgericht München geht der NSU-Prozess heute in seinen dritten Verhandlungstag. Bislang versuchen die Anwälte sich mit Anträgen zu übertrumpfen und verlieren sich in bizarren Diskussionen.Mehr...

NSU-Verhandlung vertagt: "Das ist ein Skandal"

München - Beate Zschäpe steht seit Montag in München vor Gericht. Bereits kurz nach Beginn des Prozesses gab es die erste Unterbrechung. Der erste Verhandlungstag endete mit einem Paukenschlag.Mehr...

Wirtschaft

EU schafft Bankgeheimnis ab

EU schafft Bankgeheimnis ab

Brüssel - Das Bankgeheimnis in der EU soll nach dem Willen der EU-Staats- und Regierungschefs bis Jahresende komplett verschwinden.Mehr...

SAP stellt bis 2020 Hunderte Autisten ein

SAP stellt bis 2020 Hunderte Autisten ein

Walldorf - Der Softwarekonzern SAP will in den kommenden Jahren Hunderte Autisten zu Softwaretestern und Programmierern ausbilden.Mehr...

Yahoo: Befreiungsschlag durch Tumblr?

Yahoo: Befreiungsschlag durch Tumblr?

New York – Der Umbau beim Internet-Pionier Yahoo geht weiter: Wenige Stunden nachdem Yahoo die Übernahme der Blog-Plattform Tumblr angekündigt hat, gab das Unternehmen am Dienstag die Eröffnung eines neuen Büros in New York bekannt.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.