Landtagswahl-Serie: Bayernpartei- die bajuwarischen Separatisten

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    • 26.08.13
    • Wahl 2013
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Kleine Parteien bei der Landtagswahl

Wahl-Serie: Bayernpartei - die Separatisten

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Weilheim - Die Sache entscheidet sich nicht nur zwischen CSU und SPD. Zur Landtagswahl am 15. September tritt auch eine ganze Reihe kleiner Parteien an. Wir stellen sie vor. Heute: die Bayernpartei.

Von wegen Alt-Herren-Partei: Fritz Zirngibl macht auf seiner 40 Jahre alten Harley Werbung für die Bayernpartei. Er kandidiert im Kreis Kelheim für den Landtag. foto: zirngibl

© zirngibl

Von wegen Alt-Herren-Partei: Fritz Zirngibl macht auf seiner 40 Jahre alten Harley Werbung für die Bayernpartei. Er kandidiert im Kreis Kelheim für den Landtag. foto: zirngibl

Nicht, dass Florian Weber ein Problem mit Ausländern hätte. Er schätzt andere Kulturen – und seien sie noch so sehr von der eigenen entfernt. „Leben und leben lassen“, sagt er, rückt die kamelfarbene Lederhose zurecht und bringt die Sache auf den Punkt: „Ich habe nichts gegen Deutsche, aber ich fühle mich eben als Bayer.“

Weber, 49, stämmig, graues Stoppelhaar über grauem Stoppelbart, sagt das mit großem Ernst. Als Chef der Bayernpartei (BP) kämpft er für die Identität des Freistaats – und für dessen Freiheit. Bayern ginge es ohne Deutschland besser. Glaubt er. Ja, selbst Deutschland wäre ohne Deutschland besser dran. Aber da will sich Weber vorerst nicht einmischen.

Ziel der Bayernpartei: Eigenständigkeit des Freistaats

Auch wenn die BP keine Ein-Themen-Partei sein will – die Eigenständigkeit Bayerns ist seit ihrer Gründung 1946 oberstes Ziel. 1950 brachten ihnen das noch 17,9 Prozent. Heute gelten sie vielen als Spinner. Aber längst nicht allen. Eine Prognose der Internet-Plattform „BavPoll“, die Daten großer Umfrage-Institute auswertet, sieht die BP in Bayern bei 3,4 Prozent. Laut einer Forsa-Umfrage könnten sich 20 Prozent der CSU-Anhänger vorstellen, die Bayernpartei zu wählen. Weil die Alternative für Deutschland (AfD) nicht antritt, hoffen Weber und Co. auf weitere Stimmen. Mit anderen Worten: Da ist was drin. Die BP ist heiß.

An einem heißen Sommersamstag wollen sie ihre Botschaft auf dem Weilheimer Marienplatz unter die Leute bringen. Auch gegen widrigste Bedingungen. Um halb elf hat es 30 Grad. Die Weilheimer hängen kraftlos in silbernen Bistro-Stühlen. Während Weber mit einem Mann Ende 30 übers Christentum debattiert, pressen sich zwei vollbärtige Parteifreunde in Tracht dicht an den weiß-blauen Wahlkampfbus. Ein wenig Schatten.

"Bayern sind Macher"

Regina Schropp, blond, hellblaues Dirndl und ziemlich schlagfertig, ist da weniger empfindlich. Wie Weber kandidiert die 39-Jährige aus Huglfing (Kreis Weilheim-Schongau) für den Landtag. Sie war mal Kellnerin. Und CSU-Mitglied. Mit dem Rauchverbot sanken die Einnahmen in der Wirtschaft. Dass die BP gegen das Verbot war, fand sie gut. Und wechselte das Lager.

Ein Bayer, der ist halt von Natur aus ein Macher, findet Schropp. „Der ruht sich nicht auf etwas aus oder wartet, dass jemand für ihn zahlt.“

„In anderen Bundesländern ist das anders.“

Die sind also fauler?

„Schon. Und dieser Negativtrend schwappt von Norddeutschland runter. Wenn ich mir nur Berlin anschaue...“

Kennen Sie Berlin?

„Hauptsächlich aus dem Fernsehen.“

So ist das. Und es ist die Nehmer-Mentalität der anderen, an der sich die BP stört. Darum würde Weber, käme er in den Landtag, sofort den Länderfinanzausgleich angehen. Bayern als Geldesel der Republik – das müsse aufhören. Auch den zunehmenden Bildungs-Zentralismus findet er schlecht. Lieber „bayerische Qualitätsabschlüsse“. Und der Verbotsstaat, der den Leuten das Rauchen abgewöhnen will, weg damit. „Es geht nicht darum, im Landtag zu randalieren“, sagt Weber. Aber man müsse bereit sein, Konflikte einzugehen.

Bayern als Lebensgefühl

Mut, der ankommt? Der BP-Chef behauptet das. Und Michael Weigl, Parteienforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, hält es für möglich. „Das bayerische Bewusstsein ist ein nationales“, sagt er. Wer die Region stärken, Kompetenzen in den Freistaat zurückholen wolle, könne punkten. Dazu komme ein „diffuses Heimatbewusstsein“, das besonders bei den Jungen stärker werde.

Bayern, das ist für manche ein Gefühl. Die zwei Männer Mitte 20, die in der Samstagshitze am Wahlkampfbus für ihre BP werben, gehören dazu. Da ist Korbi (27), der mit Chucks, Ziegenbart und dem Piercing in der Unterlippe glatt ein Grüner sein könnte. Der „Wahlomat“ hat ihm aber zur BP geraten. Und da ist Benny (24), dem die anderen Parteien nichts zu bieten haben. Beide wollen helfen, etwas Neues aufzubauen.

Wahl-O-Mat: Hier testen, welche Partei zu mir passt

Warum bei der BP? Benny, der als Baumpfleger arbeitet, richtet sich auf, macht die Schultern breit, sagt: „Wer hier lebt, ist stolz, im Freistaat Bayern zu leben.“ Auf seinem schwarzen Shirt prangt der Satz „Freiheit für Bayern“.

Weber hofft auf junge Wähler wie Benny. Die reaktionäre Alt-Herren-Partei, die sei Geschichte. Man sei jetzt modern. Mit Homepage. Neulich erst wurde die erneuert, Weber sagt: „gerelaunched“. Sie sei die zweitbeliebteste Seite in Bayern, nach der der Piraten. Parteienforscher Weigl sagt, selbst die CSU nehme die BP als Konkurrenz wahr. Ein paar Prozent weniger könnten sie schließlich die absolute Mehrheit kosten.

Fehlen noch die Wähler. In Weilheim sind es kaum fünf, die sich informieren. Einer nimmt sich ein Feuerzeug. Seine Stimme für die BP? „Na“. Ein Familienvater (29) zeigt sich offen. In der Krise sucht er nach Wahlalternativen.

In der Krise schreckt auch die Eigenstaatlichkeit nicht. „Wenn man so die Kontrolle hat, wo das Geld hingeht, ist die Idee vielleicht gar nicht so lächerlich.“

Marcus Mäckler

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Kommentare

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Dschauli12.09.2013, 13:53
(3)(0)

Bayernpartei: Ein schützenswerter Name. Er ist sein Geld wert, ein landespolitisches und solchermaßen gut verwertbares Asset. Ob damit bundespolitisch etwas zu wollen ist, darf angezweifelt werden.

Warum nimmt aber die Bayernpartei dennoch an der Bundestagswahl teil? Macht das Sinn? Die Teilnahme hieran macht vielleicht insoweit Sinn, als man im Gespräch bleiben möchte. Nach diesen beiden Wahlereignissen bricht vor allem für die kleinen Parteien, die es in aller Regel nicht geschafft haben werden, erneut eine saure Gurkenzeit an.

Wie aber wäre es, wenn sich eine "Lega Sud" (Liga Süd) auf Bundesebene gründen würde, die nicht nur den partikularistisch gesinnten Anhängern der Bayernpartei eine neue bundespolitische Heimat offerieren würde, sondern dem ganzen Süden Deutschlands eine Option böte. Es blecht ja hierzulande bekanntlich der Süden für den Norden, Westen und Osten. Die Bayern sowieso! Die politisch aufgeklärteren Zeitgenossen Bayerns werden sich ganz gewiß "ausgesackllt" fühlen. - Und das mit Recht.

Die "Lega Sud" wäre demnach eine deutsche Union derjenigen, die sich mit Recht ähnlich "ausgesacklt" (abgezockt) fühlen dürfen wie die Bewohner der italienischen Nordprovinzen, welchen es seit langem nicht anders geht, die daher ihre "Lega Nord" wählen.

Die "Lega Sud" (Liga Süd) stellte somit eine Wahloption für die Bürger aus Baden, Bayern, Hessen, Rheinpfalz und Württemberg dar, die sich fiskalisch unverhältnnismäßig überbeansprucht fühlen. Sie gäbe nicht nur als Protestpartei viel her. Vielmehr hätte sie den genossenschaftlichen Charakter einer Interessen-Union. Sie böte die Vision, daß man eines Tages zur Bildung einer wirtschaftlich sehr gut lebensfähigen "Oberdeutschen Eidgenossenschaft" (ODEG) mit 30 Millionen Einwohnern und passender Verfassung käme. Innerhalb einer solchen Republik könnten sich bayerischerseits Kantone wie Altbayern (Baiern), Franken und Bayerisch-Schwaben zu einer bayerischen Junta formieren, in welcher sich für eine Bayernpartei jede Menge Betätigungsfelder eröffneten.

Also: San-mer fesch! gê-mer-s an! (an: sprich "õ")

Ceqfmal Qeauglkey (Der Dschauli)

Free Bavaria12.09.2013, 13:08Antwort
(7)(0)

Na jetzt weiß ich, dass ich Sie nicht wählen würde liebe Hui-Buh.

Die Bayernpartei wähle ich aber ganz sicher!

Ein eigener Staat (wie sie schreiben) ist Bayern auch heute nach wie vor (lesen sie doch dazu mal unsere Verfassung) oder sollte man sagen 'noch'.
Die Bayernpartei will, dass in Bayern wieder Politik für die Menschen in Bayern gemacht wird.
Deshalb will die Bayernpartei wieder eine souveräne Republik Bayern.
Republik (=Freistaat) sind wir natürlich auch heute schon.
Vollständig souverän sind wir nicht, noch wird Politik für Bayern weitestgehend außerhalb Bayerns gemacht, sei es in Berlin oder in Brüssel.
Die Bayernpartei will ein freies Bayern in einem freien Europa der Regionen.
Noch gibt sich unser Land immer mehr und mehr auf, immer mehr verlieren wir was unser Land ausmacht, Kulturen, Sprachen, ...
1 Punkt für die Selbständigkeit von mir ... für die Bayernpartei.

Die Bayernpartei will nicht, dass überall wieder geraucht werden darf!
Was die Bayernpartei will, dass ist das jetzige strikte Verbot abschaffen und im Gegenzug ein Wahlrecht einführen, wie es sich für eine freiheitlich demokratisch Gesellschaft eigentlich gehört.
Ob das Rauchen gestattet ist im Lokal, das soll der Wirt entscheiden können (er ist der Betreiber, das ist seine freie unternehmerische Entscheidung).
Ob man dann reingehen will oder nicht, dass soll der Gast enscheiden.
Ich will in meinem Leben immer die Möglichkeit der eigenen Entscheidung haben.
2ter Punkt für die Freiheit von mir ... für die Bayernpartei.

Da ich auch die anderen Inhalte der BP kenne ... gibts noch viel mehr Punkte von mir.

Meine Empfehlung für den Wahlsonntag:

Wählts die Bayernpartei Leut.

Hui-Buh08.09.2013, 07:43
(1)(0)

DIe Bayernpartei möchte dass Bayern wieder ein eigener Staat ist. Die möchte auch, dass wieder überall geraucht werden darf.
Träumts weiter! Ihr seid definitiv unwählbar!

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