Was im Netz erlaubt ist – und wann es teuer wird

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    • 09.06.12
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Was im Netz erlaubt ist – und wann es teuer wird

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München - Im Internet sind die neusten Filme, Lieder und Bücher nur einen Klick entfernt. Doch wer sich einfach bedient und sie herunterlädt, riskiert hohe Geldstrafen. Viele Nutzer sind unsicher: Was ist im Internet erlaubt, was verboten?

© dpa

Private Kopien sind erlaubt – allerdings muss man das Original dafür legal erworben und nicht verbotenerweise bei einer Tauschbörse wie „The Pirate Bay“ kostenlos heruntergeladen haben.

Die Verlockung ist groß: Das Fußballspiel meiner Lieblingsmannschaft wird auf einer dubiosen russischen Internetseite kostenlos übertragen, obwohl es sonst nur im Bezahlfernsehen zu sehen wäre. Das neue Album von Madonna steht bei einer Tauschbörse gratis zum Herunterladen bereit, und auch der neuste Kinohit lässt sich mit einem Klick auf dem heimischen Rechner ansehen. Doch das kann teuer werden. Platten- und Filmfirmen lassen Verstöße gegen das Urheberrecht verfolgen. Spezialisierte Anwaltskanzleien verschicken dann Abmahnungen mit teils extrem hohen Gebühren und Geldstrafen. Doch viele Internetnutzer sind unsicher: Was ist im Netz erlaubt, was verboten? Wir beantworten die wichtigsten und kniffligsten Fragen zum Urheberrecht im Internet.

Darf man Filme, Serien oder Fußballspiele im Internet auf sogenannten Streaming-Seiten anschauen, ohne sie dabei komplett herunterzuladen?

Hier bewegt man sich in einer rechtlichen Grauzone. Filme, Serien und Fußballspiele sind grundsätzlich urheberrechtlich geschützt. Wer eine Internetseite betreibt, auf der sie zu sehen sind oder Inhalte dort hochlädt, handelt definitiv illegal. Anders sieht es aber bei den Nutzern aus. „Die überwiegende Meinung unter Juristen ist, dass das bloße Betrachten keine Urheberrechtsverletzung ist“, sagt der Münchner Medienrechtler Bernhard Knies. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass beim Streaming Teile des Films auf der Festplatte des Nutzers zwischengespeichert werden. Allerdings gibt es dazu noch keine Urteile deutscher Gerichte, deshalb bleibt diese Nutzung in einer Grauzone. Bislang sind Knies aber keine Fälle bekannt, in denen Urheber versucht haben, gegen die Nutzer vorzugehen. Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern rät trotzdem zur Vorsicht. Solange es keine richterliche Entscheidung oder eine klare gesetzliche Regelung gebe, könne man nicht davon ausgehen, dass das Ansehen von Filmen oder Serien auf Streaming-Seiten legal sei.

Wann darf man Musik- oder Film-Dateien herunterladen?

Nur wenn der Urheber ausdrücklich zustimmt. Wenn also ein Sänger auf seiner eigenen Webseite ein Lied zum Herunterladen anbietet, muss man als Fan kein schlechtes Gewissen haben. Doch schon das Herunterladen bei einer dubiosen Quelle, bei der man sich nicht sicher ist, ob der Urheber zugestimmt hat, ist illegal.

Darf man bei einem Konzert ein Video mit dem Handy drehen und es dann zum Beispiel bei Youtube ins Internet stellen?

Nein. Grundsätzlich hat der Künstler die Exklusivrechte an seinem Konzert, erklärt Medienrechtler Knies. Er könnte ja zum Beispiel planen, eine DVD mit Aufnahmen seiner Konzerte zu verkaufen. Häufig steht schon auf den Konzertkarten, dass das Mitfilmen nicht erlaubt ist. Doch auch ohne diesen Hinweis bleibt ein solches Video illegal. Trotzdem gibt es in der Praxis viele solche Videos im Internet. Knies beruhigt aber: Bislang gebe es keine Fälle, in denen diejenigen verfolgt wurden, die das Video hochgeladen haben.

Darf man Fotos auf die eigene Internet- oder Facebook-Seite stellen, auf denen andere Menschen zu sehen sind?

Ja, aber nur, wenn die Abgebildeten zugestimmt haben. Wer erkennbar posiert und in die Kamera lächelt, gibt damit implizit sein Einverständnis, das Foto aufzunehmen. Juristen sprechen dann von einem „Anscheinsbeweis“, erklärt Verbraucherschützerin Tatjana Halm. Für die Veröffentlichung dieses Bildes bräuchte der Fotograf dann aber eigentlich noch eine weitere Genehmigung. Grundsätzlich rät Medienrechtler Knies, insbesondere unvorteilhafte Bilder lieber nicht zu veröffentlichen. Keine Genehmigung braucht man hingegen bei Bildern von großen Menschenmassen. Sobald mehr als acht Personen auf einem Foto zu sehen sind, sei die Veröffentlichung unproblematisch.

Darf man auf der eigenen Facebook-Seite Fotos veröffentlichen, die man nicht selbst gemacht hat?

„Darf man nicht“, sagt Verbraucherschützerin Halm. Der Nutzer sei rechtlich der Betreiber der Facebook-Seite und damit auch für die dort veröffentlichten Inhalte verantwortlich. Wer auf seiner Seite ein Foto teilen möchte, dessen Urheber er nicht ist, braucht die Genehmigung des Fotografen. „Der Nutzer kann sogar dafür verantwortlich gemacht werden, was andere auf seiner Seite veröffentlichen“, warnt Halm. Medienrechtler Knies beruhigt aber: „Bei Facebook herrscht im Moment noch ein rechtsfreier Raum.“ Bisher würden die Nutzer bei Verstößen gegen das Urheberrecht auf ihren Seiten noch nicht abgemahnt. „Aber eigentlich muss man das Recht zur Veröffentlichung der Bilder erwerben.“

Darf man auf der eigenen Facebook-Seite den Link zu einem Video verbreiten, obwohl man vermutet, dass es gegen das Urheberrecht verstößt?

Grundsätzlich ist das Verbreiten eines Links kein Urheberrechtsverstoß, sagt Anwalt Knies. Das habe der Bundesgerichtshof entschieden. Allerdings gibt es auch hier eine Grauzone. Denn viele Videos, die auf der Facebook-Seite verlinkt werden, können andere Nutzer ansehen, ohne die Seite zu verlassen. Es öffnet sich auf der Facebook-Seite ein kleines Fenster, in dem das Video abgespielt wird. Das könnte rechtlich ein Problem sein, weil das illegale Video dann formal auf der Seite zu sehen sei, für die der Facebook-Nutzer verantwortlich ist, sagt Knies. Es gibt aber bisher weder entsprechende Urteile, noch sind ihm Fälle bekannt, in denen ein solcher Verstoß verfolgt worden wäre.

Darf man ein selbstgedrehtes Video mit fremder Musik hinterlegen und ins Netz stellen?

Nur, wenn man die Erlaubnis des Musikers hat, sonst verstößt auch das gegen das Urheberrecht.

Mit einigen Programmen lassen sich Youtube-Videos in Mp3-Dateien verwandeln und herunterladen. Ist das erlaubt?

Hier sind sich die Juristen nicht einig. Während Medienrechtler Knies das für illegal hält, weil dabei ein Kopierschutz mithilfe des Programms umgangen werde, hält Verbraucherschützerin Halm das für eine Grauzone. Schließlich sei der Vorgang vergleichbar mit dem Aufnehmen eines Musikstücks im Radio, was erlaubt sei. Urteile dazu gebe es aber noch nicht.

Darf man legal heruntergeladene Dateien kopieren, auf CD brennen und an Freunde verteilen?

Ja. Privatkopien sind erlaubt, das gilt sowohl für gekaufte CDs als auch für bezahlte und heruntergeladene Musikdateien. Bis zu sieben Privatkopien sind legal, sagt Anwalt Knies. Diese Kopien dürfe man auch an Freunde verschenken, ergänzt Halm. Aber es gibt Grenzen: Niemand darf eine Kopie weiterverkaufen – auch nicht bei Auktionsplattformen wie eBay. Auch als DJ dürfe man keine gebrannten CDs zum Auflegen verwenden – das ist allerdings schwer zu kontrollieren.

Was sollte man tun, wenn man gegen das Urheberrecht verstoßen hat und eine Abmahnung bekommt?

„Auf jeden Fall reagieren“, rät Anwalt Knies. Denn wer das Schreiben ignoriert, riskiere, dass es deutlich teurer werde. Zwar gehe längst nicht jeder Urheber auch vor Gericht, um seine Ansprüche durchzusetzen. Doch wenn er es tut, steigen die Kosten dramatisch. Dann drohe eine einstweilige Verfügung und damit ein deutlich höherer Streitwert. Die Kosten könnten dann schon für nur eine Instanz bei bis zu 10 000 Euro liegen. Stattdessen sollte man sich lieber von einem Anwalt beraten lassen, rät auch Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale. Knies empfiehlt, in jedem Fall ein Pauschalhonorar mit einem Anwalt zu vereinbaren, dafür müsse man mit 200 bis 300 Euro rechnen. Wie hoch die Strafe für den Urheberrechtsverstoß ausfällt, sei sehr unterschiedlich. Zwischen 400 und 1200 Euro werde in der Regel für ein heruntergeladenes Musikalbum verlangt. Halm rät zudem, nie die beigefügte Unterlassungserklärung abzugeben, sondern immer vorher mit einem Anwalt zu sprechen.

Muss man sein drahtloses Netzwerk schützen, so dass kein Fremder darüber illegal Dateien herunterladen kann?

Ja. Hier ist die Rechtsprechung eindeutig. Wenn über den eigenen W-Lan-Anschluss Dateien heruntergeladen werden, muss man beweisen, dass man es nicht selbst war. Das ist in den meisten Fällen fast unmöglich. Deshalb sei jeder Anschlussinhaber verpflichtet, sein drahtloses Netzwerk „nach den Regeln der Kunst“ zu schützen, sagt Anwalt Knies. Zwar müsse man nicht regelmäßig sein Passwort wechseln, obwohl das ratsam sei. Das Passwort dürfe aber nicht leicht zu erraten sein, Zahlenkombinationen wie „12345“ reichten nicht als Schutz aus.

Wie erkennt man eine Seite, auf der man legal Musik und Filme herunterladen darf?

Das ist schwierig. Es gibt einige große Anbieter, bei denen man auf der sicheren Seite ist. Dazu zählen der Internethändler Amazon und der Apple-Dienst iTunes. Anwalt Knies rät zudem zum gesunden Menschenverstand. „Das neue Album von Madonna für nur einen Euro ist wahrscheinlich illegal“, sagt er. Üblich seien Preise von etwa einem Euro pro Lied.

Gilt im Internet „Eltern haften für ihre Kinder“?

Jein. Zwar sind Eltern laut Verbraucherschützerin Halm nicht grundsätzlich für das Tun ihrer Kinder im Internet haftbar zu machen. Da aber der Internetanschluss meist auf die Eltern angemeldet ist, müssen sie häufig trotzdem dafür geradestehen, wenn ihre Kinder darüber illegale Dateien herunterladen. Das gilt allerdings nicht nur für Kinder, sondern auch für andere Erwachsene, die den Anschluss missbrauchen. Derjenige, auf den der Anschluss angemeldet ist, muss beweisen, dass nicht er selbst, sondern jemand anders die Dateien heruntergeladen hat. Das ist fast unmöglich.

Philipp Vetter

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Kommentare

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Wadlbeisser09.06.2012, 08:45
(8)(0)

Ich verstehe durchaus die Vorstellungen der Rechteinhaber.
Was aber verboten gehört (nachdem wir schon so viel verbieten) sind diese XXXXXX von Abmahnanwälten. Die sind zu blöd sich mit normaler Anwalttätigkeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Denen gehört klar und deutlich das Handwerk gelegt und die Zulassung auf Lebenszeit entzogen.

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