Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht: Ein Paar mit Glamour-Faktor

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    • 13.11.11
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So profitiert die Partei von Lafontaine und Wagenknecht

Saarbrücken - Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht sind ein Paar mit Glamour-Faktor. Davon profitiert vor allem die eigene Partei. Doch der Linken tut die Beziehung gleich auf mehreren Ebenen gut.

© ap

Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht sind ein Paar mit Glamour-Faktor

Die ehemalige Turnhalle in Saarbrücken-Brebach ist kein romantischer Ort. Eine Stunde lang spricht der Saarbrücker Fraktionschef Oskar Lafontaine (68) hier zu den 100 Delegierten des Parteitags. Er redet über die Rolle der Banken und fordert mehr Rechte für Arbeitnehmer. Doch dann nimmt seine Ansprache eine unerwartet romantische Wendung.

Zuvor war die neugewählte Fraktionsvize der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht (42), als „Überraschungsgast“ in der Turnhalle angekündigt worden. Die Genossen hatten der neuen Hoffnungsträgerin freundlich applaudiert. Wagenknecht setzte sich auf die Gästebank und hörte Lafontaines Rede zu. Alles wie immer – bis Lafontaine plötzlich erklärte, warum Wagenknecht wirklich aus Berlin an die Saar gereist ist: „Das hat einen ganz einfachen Grund. Ich lebe seit einiger Zeit getrennt und bin seit einiger Zeit mit Sahra eng befreundet.“

Mehr war dem 68-Jährigen zu diesem Thema nicht zu entlocken. Auf Nachfrage reagierte Lafontaine genervt: „Ich habe zwei Sätze gesagt, und diese zwei Sätze bestehen.“ Auch „Überraschungsgast“ Wagenknecht verließ den Parteitag kurz nach Lafontaines Rede – ohne zu den Delegierten gesprochen zu haben.

Sie sollen die Linke künftig führen

zurück

vor

Gerüchte hatte es schon lange gegeben. Vor zwei Jahren hatte der „Spiegel“ über eine angebliche Liason der beiden berichtet. Doch kurz darauf verkündete Lafontaine seinen Rückzug von der Spitze der Bundestagsfraktion in Berlin. Als Grund für die Heimkehr an die Saar wurde damals eine bevorstehende Operation wegen Prostata-Krebs angegeben. Seitdem ist Lafontaine nur noch Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag.

Derzeit ist er mit seiner dritten Ehefrau Christa Müller verheiratet; das Paar hat einen Sohn (14). Dass die Ehe offenbar schon seit längerem gescheitert ist, war bislang nicht bekannt. Auch Wagenknecht ist verheiratet. Ihr Noch-Ehemann, der westdeutsche Filmproduzent Ralph T. Niemeyer, lebt in Irland.

Was die neue Verbindung so brisant macht, ist die politische Dimension. Die Linkspartei hat jetzt nicht nur ein Paar mit Glamour-Faktor. Sie hat jetzt auch eine persönliche Ost-West-Verbindung – und ein neues Kraftzentrum.

Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine hat die frühere Vorsitzende der Kommunistischen Plattform Zeit stark gefördert. Dass Wagenknecht nicht Fraktionschefin wurde, ist nur auf den Widerspruch von Gregor Gysi zurückzuführen.

Doch angesichts des neuen Powerpaars zeigte der sich gestern versöhnlich. Gysi warb im „Spiegel“ dafür, an dem bisherigen Modell einer Doppelspitze aus Mann und Frau festzuhalten – und erklärte zu einer möglichen Kandidatin Wagenknecht, sie habe „sich entwickelt, und dadurch hat sich auch meine Einstellung zu ihr verändert“. Sie kämen jetzt „gut miteinander klar“. Gleichzeitig warb Gysi für eine stärkere Einbeziehung von Lafontaine in Berlin: „Er ist wieder gesund, er ist quicklebendig. Sicher ist er im Saarland auch etwas unterfordert.“ Im Sommer 2012 wählt die Linkspartei ihren neuen Vorstand. Bisher hat nur die derzeitige Vorsitzende Gesine Lötzsch ihren Hut in den Ring geworfen. Doch jetzt sind die Karten neu gemischt.

„Sie gibt der Partei ein Gesicht. Sie gehört in die erste Reihe“, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Heinz Bierbaum kürzlich über Sahra Wagenknecht. Auch Bodo Ramelow, Linke-Fraktionschef in Thüringen, brachte sie als Teil einer Doppelspitze ins Gespräch. Und auch von Lafontaine heißt es, dass er trotz fortgeschrittenen Alters durchaus noch einmal zur Bundestagswahl antreten könnte.

Jetzt wird darüber spekuliert, wann sich das Paar zusammen in Berlin niederlässt. Worum es sonst noch auf dem Parteitag an der Saar ging, spielte in der Berichterstattung keine Rolle mehr.

mm/dpa

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