Aktionäre fordern: „Krempeln Sie die Ärmel hoch“

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2FrdHVlbGxlcy93aXJ0c2NoYWZ0L2FrdGlvbmFlcmUtZm9yZGVybi1rcmVtcGVsbi1hZXJtZWwtaG9jaC0yNzE0MjI4Lmh0bWw=2714228Aktionäre nehmen Siemens-Chefs in die Kritik0true
    • 23.01.13
    • Wirtschaft
    • Drucken
„Krempeln Sie die Ärmel hoch“

Aktionäre nehmen Siemens-Chefs in die Kritik

    • recommendbutton_count100
    • 0
Von Philipp Vetter

München - Siemens hat einen durchwachsenen Start ins Geschäftsjahr hingelegt. Bei der Hauptversammlung übten Aktionäre teils scharfe Kritik an der Führungsspitze. Vorstand und Aufsichtsrat beschworen ihre Geschlossenheit.

© dpa

8100 Aktionäre kamen gestern zur Hauptversammlung von Siemens in die Münchner Olympiahalle und kritisierten die Führungsspitze.

Gerhard Cromme kann dieser Tage nur noch wenig schrecken. Noch vor wenigen Tagen musste er als Aufsichtsratschef unter Pfiffen die Hauptversammlung von Thyssen-Krupp im Bochumer Ruhrkongress leiten. Da sollte die Siemens-Aktionärsversammlung gestern in der Münchner Olympiahalle ein Spaziergang werden – obwohl auch beim Münchner Industriekonzern längst nicht alles glatt läuft. Es habe „einige Herausforderungen“ gegeben im vergangenen Jahr, sagt Cromme, der auch bei Siemens den Posten des Chefaufsehers hat.

„Aufsichtsrat und Vorstand sind nicht zufrieden, dass die eigenen Ansprüche nicht erfüllt wurden.“ Keine Pfiffe, dafür Stille. Es sei aber ein „Zeichen der Stärke“, dass Siemens trotzdem den Umsatz gesteigert und das zweitbeste operative Ergebnis der Geschichte eingefahren habe, sagt Cromme. Pause. Er blickt ins Publikum. „Sie dürfen klatschen.“ Tatsächlich gibt es zaghaften Applaus. Bei Siemens, das ist spätestens jetzt klar, wird es heute keinen Aufstand der 8100 anwesenden Aktionäre geben.

Dabei hatte Vorstandschef Peter Löscher kurz vor der Versammlung wieder ziemlich durchwachsene Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres, das bei Siemens bereits im Oktober beginnt, vorgelegt. Zwar stieg der Umsatz leicht um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro, Auftragseingang und Gewinn schrumpften aber. Unter dem Strich blieb Siemens ein Gewinn von 1,21 Milliarden Euro – zwölf Prozent weniger als im ersten Quartal des Vorjahres. Löscher sprach von einem „soliden“ ersten Quartal. 2013 sei ein „Jahr des Übergangs“. Im November hatte Löscher ein sechs Milliarden Euro schweres Sparprogramm angekündigt, das bis 2014 die Gewinnmargen von 9,5 auf zwölf Prozent steigen lassen soll. Auch in Deutschland werden deshalb wohl tausende Arbeitsplätze wegfallen. „Dass wir gegenüber dem Wettbewerb an Boden verloren haben und den Anspruch haben aufzuholen, ist unzweifelhaft“, sagte Löscher. Dieses Jahr sei aber konjunkturell weiterhin schwierig. „Wir erwarten von der Weltwirtschaft keinen Rückenwind“, sagte Löscher.

Doch die Siemens-Probleme sind auch hausgemacht. Wieder mussten hohe Abschreibungen verbucht werden, allein die verspätete Lieferung von 16 ICEs an die Deutsche Bahn schlug mit 116 Millionen Euro zu Buche. „Wir können nicht ausschließen, dass es im Jahresverlauf zu weiteren Belastungen kommt“, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser. Die Solarsparte kostete den Konzern weitere 150 Millionen Euro. Trotzdem bleibt Siemens bei seinem Ziel, insgesamt einen Gewinn von 4,5 bis fünf Milliarden Euro in diesem Geschäftsjahr erwirtschaften zu wollen.

Die Aktionäre sparten dann auch nicht mit Kritik. Die Entwicklung des Aktienkurses sei „einfach nur noch enttäuschend“, sagte Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger forderte: „Wer mit dem Börsenkurs zufrieden ist, der stehe auf.“ Als alle sitzen bleiben, stellte er fest: „Ich sehe keinen einzigen Vorstand stehen.“ Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rief Löscher zu: „Wir erwarten, dass Sie die Ärmel hochkrempeln und den feinen Zwirn ablegen.“ Es handle sich um einen Widerspruch, dass die Ziele des Managements laut Vergütungsbericht sogar übererfüllt worden seien und die Boni ausgezahlt würden, obwohl der Vorstand selbst sage, dass das Unternehmen hinter den Erwartungen zurückbleibe. Wie viele Aktionäre kritisierte Bergdolt Aufsichtsratschef Cromme. Der sei bei ThyssenKrupp so eingespannt, dass sich die Frage stelle: „Kommt Siemens da ein bissl zu kurz?“ Das fand bei den übrigen Aktionären viel Zustimmung. Cromme stand gestern zur Wiederwahl.

Überwiegend begrüßt wurde der Plan, die Lichtsparte Osram abzuspalten, über den die Aktionäre entscheiden mussten. Pro zehn Siemens-Aktien sollen die Anteilseigner eine Osram-Aktie in ihr Depot gebucht bekommen. Zusätzlich zur regulären Dividende, die wieder bei drei Euro liegen soll. Siemens will nur noch mit 19,5 Prozent an Osram beteiligt bleiben.

Die Konzernspitze reagierte auch auf Berichte, dass es interne Differenzen gebe. Da war unter anderem vom „Schattenmann“ Joe Kaeser zu lesen, der angeblich Ambitionen habe, selbst Vorstandschef zu werden. „Siemens ist erfolgreich unterwegs und ich bin ruhig und gelassen. Das Führungsteam ist geschlossen und das wird auch über die nächsten Jahre so bleiben“, betonte Löscher.

Auch Cromme widersprach bei der Hauptversammlung ausdrücklich den Gerüchten: „Wir lassen uns nicht vom Kurs abbringen, auch wenn manche Medien diesen hinterfragen und teilweise versuchen, Uneinigkeiten in Vorstand und Aufsichtsrat zu konstruieren, wo keine sind.“ Und der angebliche Schattenmann? Es gebe nur in der Frage Differenzen, ob Borussia Dortmund oder der FC Barcelona in der Champions League gewinnen solle, sagte Kaeser. „Wenn es um Siemens geht, halten wir zusammen, da werden wir auch keinen dazwischen lassen.“ Und dann schiebt er nach: „Im Übrigen ergänzen sich Licht und Schatten auf ganz natürliche Weise.“ Wer Licht und wer Schatten ist im Vorstand, ließ er allerdings offen.

zurück zur Übersicht: Wirtschaft

Kommentare

Kommentar verfassen

Wetter für München und Bayern

Meist geklickte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Kommentiert
  • Themen

Wurstkartell: Bei Aldi war's am schlimmsten

Köln - Die Mitglieder des „Wurstkartells“ haben sich nach Aussagen von Kartellamtspräsident Andreas Mundt besonders bei den Preisen für Aldi abgesprochen.Mehr...

Achtung, Metall! Keks-Fabrik ruft Produkte zurück

Verden - Die Keks-Fabrik Hans Freitag hat Gebäckmischungen zurückgerufen. In den Produkten, die bei Aldi, Edeka und Netto verkauft werden, könnten sich "Metallhaare" befinden, wie das Unternehmen mitteilte.Mehr...

Bundesbank: Höhere Löhne gegen die Inflation

Hamburg - Angesichts der niedrigen Inflation wirbt die Bundesbank für höhere Tarifabschlüsse. Auch andere Institute setzen sich für höhere Löhne ein.Mehr...

Aktuelle Fotostrecken

Bei Ausweichmanöver: Auto donnert in Hauswand - Bilder

weitere Fotostrecken:

Strom & Energie

Energiesparliste der EU: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Energiesparliste der EU: Die wichtigsten Fragen

Brüssel - Fernseher, Geschirrspüler und Lampen - sie alle stehen auf der Energiesparliste der EU. Die Geräte dürfen nur bestimmte Mengen Strom verbrauchen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Thematik.Mehr...

Fallstricke beim Anbieter-Wechsel

Fallstricke beim Anbieter-Wechsel

München - Die Öko-Umlage steigt und damit wieder einmal die Stromrechnung. Das wird viele Verbraucher zum Tarifwechsel animieren. Sie sollten aber auf Fallstricke achten.Mehr...

Runter mit den Heizkosten im Winter: Mit diesen Tipps sparen Sie Geld und Energie

Mit diesen Tipps sparen Sie Geld und Energie

Stuttgart - Pünktlich zum Beginn der Winterzeit drehen viele Haushalte wieder die Heizung auf - und merken das gleich am Geldbeutel. Mit diesen Tipps lassen sich Energie und Geld sparen:Mehr...

Der große Finanz-Rechner

"Die Rente ist sicher" - dieser Spruch hat schon lange seine Richtigkeit verloren. Bei finanziellen Angelegenheiten ist Eigeninitiative gefordert. Bei Versicherungen und Geldanlage gibt es jedoch erheblich Unterschiede. Mit unseren Finanzrechnern für Versicherung und Geldanlage erfahren Sie, wie und wo Sie Geld sparen können und trotzdem gut abgesichert sind.

Politik

EU berät über schärfere Sanktionen gegen Russland

Empörung: Ja - neue Sanktionen: Nein

Brüssel - Die EU-Außenminister werfen Russland eine Mitschuld am Flugzeugabsturz über der Ostukraine vor. Sie wollen mehr Druck auf Moskau ausüben. Neue Sanktionen brauchen aber noch etwas Zeit.Mehr...

NSU-Prozess: Richter gibt Entscheidung über Zschäpe-Anwälte bekannt

Richter gibt Entscheidung über Zschäpe-Anwälte bekannt

München - Beate Zschäpe bekommt nach einem Bericht der „FAZ“ trotz ihres Protests keine neuen Verteidiger. Offiziell will das Gericht seine Entscheidung erst an diesem Dienstagmittag bekanntgeben.Mehr...

Job & Karriere

Persönlichkeitstest hilft bei Berufswahl: So bekommen Sie Ihren Traumjob

Mit Persönlichkeitstest zum Traumjob

Wenn Sie Karriere machen wollen, sollten Sie wissen, was Sie können und wo Sie hinwollen. Ein berufsbezogener Persönlichkeitstest kann Ihnen bei der Berufswahl helfen. Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.