So buhlen Direktbanken um Sparer

München - Einige Direktbanken bieten ETF-Sparpläne kostenlos an. Allein daran sollten sich Anleger bei ihrer Geldanlage aber nicht orientieren.

Die DAB Bank tut es. Die Onvista Bank auch. Oder auch CortalConsors. Immer mehr Direktbanken bieten Sparpläne auf Exchange Traded Funds (ETFs) kostenlos an. Das heißt, für Anleger fallen dort, zumindest bei den Indexfonds bestimmter ETF-Anbieter, keine Transaktionskosten an. Die Sparrate fließt bei diesen Produkten vollständig in den entsprechenden Indexfonds – lediglich die Verwaltungsgebühr wird noch abgezogen.

Privatanleger im Fokus

Offenbar ist unter den Direktbanken, aber auch unter den Anbietern von passiven Produkten ein sehr aggressiver Wettbewerb um Kunden entstanden, vor allem um Privatanleger. „Bei institutionellen Investoren“, erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, „haben sich ETFs als wichtiges Anlagevehikel bereits etabliert. Jetzt wollen die Anbieter passiver Produkte aber auch zunehmend Privatanleger als Kunden gewinnen.“

Kostenlose Sparpläne locken

Für private Investoren ist das zumindest kein Nachteil. Schließlich eignen sich ETFs auch ohne das kostenlose Sparplanangebot als Alternative zu aktiv gemanagten Fonds zur Beimischung in einem Portfolio. So sind deren laufende Kosten deutlich niedriger, sie sind, sofern sie einen Index einfach eins zu eins abbilden, auch transparent und Anleger können sie jederzeit über die Börse verkaufen. Jetzt also auch noch ETF-Sparpläne zum Nulltarif. Ein Angebot, das durch die Zusammenarbeit zwischen Direktbanken und ETF-Anbietern zustande kommt.

Zum Beispiel bei der DAB Bank. Dort gibt es die Produkte der Deutsche-Bank-Tochter db X-trackers seit September 2010 zum Nulltarif, etwas später kamen die ETFs der Commerzbank-Tochter Comstage hinzu. „Dabei zahlen uns die Emittenten für entgangene Transaktionsentgelte einen Ausgleich“, sagt Jürgen Eikenbusch, Pressesprecher der DAB Bank. Dass dabei vor allem Sparpläne beworben werden, dürfte kein Zufall sein. Schließlich bringen diese aus Sicht eines Produktanbieters regelmäßige und gut planbare Zuflüsse an Anlegergeldern mit sich.

In zehn Jahren 500 Euro sparen

Aus Anlegersicht aber macht die Einrichtung eines Sparplans vor allem dann Sinn, wenn dieser dem langfristigen Vermögensaufbau dient. Und da lohnt es sich für Sparer schon, die Konditionen zu vergleichen. Schließlich schlagen sich alle Kosten im Endergebnis nieder. Ein Beispiel: Jemand legt über einen Zeitraum von zehn Jahren 100 Euro monatlich an und erzielt damit einen jährlichen Ertrag von sechs Prozent. Fallen dabei Transaktionsgebühren in Höhe von drei Euro bei jeder Einzahlung an, dann ergibt sich bei Wiederanlage der Erträge und ohne Berücksichtigung der Verwaltungsgebühren am Ende eine Summe von knapp 15 841 Euro. Ohne Transaktionsgebühren verbessert sich das Ergebnis unter sonst gleichen Bedingungen aber auf 16 331 Euro – ein Mehrertrag von knapp 500 Euro.

Kostenargument nicht überbewerten

Sich nun allein von den günstigsten Konditionen leiten zu lassen, davon rät Verbraucherschützer Nauhauser ab. „Zuallererst sollte es ja immer um die eigene Anlagestrategie und die Wahl eines dazu passenden Produkts gehen“, sagt er. Grundsätzlich gilt zum Beispiel, dass Anleger, die einen ETF als Basisanlage wählen, auf einen möglichst breit gestreuten Aktienindex mit Standardwerten setzen. Das Problem dabei: Die Auswahl an ETFs ist bei einigen Direktbanken stark eingeschränkt. So stehen bei der Onvista Bank, bei der alle ETF-Sparpläne kostenfrei sind, nur sieben Produkte zur Auswahl. Zum Vergleich: Bei der Comdirect sind es über 150 sparplanfähige ETFs, bei Maxblue immerhin 110 und bei der DAB Bank stehen sogar mehr als 200 passive Indexfonds zur Auswahl. Ob der von einem Anleger gewünschte ETF zum Beispiel bei dem recht begrenzten Angebot der Onvista Bank dabei ist, ist folglich auch fraglich. Im ersten Schritt sollte ein ETF-Anleger deshalb stets nach einem Index suchen, mit dem er seine Anlagestrategie optimal umsetzen kann. Im zweiten Schritt sollte er herausfinden, welche ETFs in Frage kommen und zum Schluss, wo er diese dann am günstigsten bekommt. „Im Zweifelsfall sollte ein Anleger dann eher Transaktionsgebühren zahlen, anstatt in ein für ihn nicht optimales Produkt zu investieren“, sagt Nauhauser.

Rabattaktionen meist zeitlich befristet

Schlimm wäre das wohl in der Tat nicht. Schließlich sind zum einen die bestehenden Rabattaktionen in der Regel zeitlich befristet. Läuft eine solche Aktion aus, dann müssen Anleger damit rechnen, dass sie Transaktionsgebühren zahlen müssen. Zum anderen hält es Verbraucherschützer Nauhauser für wahrscheinlich, dass in nächster Zeit noch andere ETF-Anbieter und Direktbanken ihre Sparplangebühren weiter reduzieren oder gar ganz streichen. „Für Direktbanken“, sagt er, „ist es wichtig, passive Produkte zu möglichst günstigen Konditionen anbieten zu können, da sie sonst möglicherweise Kunden verlieren.“ Zum Vorteil der Anleger. Wer langfristig mit ETFs Geld ansparen will, sollte deshalb konsequent seine Anlagestrategie verfolgen – und Rabattaktionen mitnehmen, wenn sie sich anbieten.

von gerd hübner

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