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Den Start in die Selbstständigkeit sollten Existenzgründer nicht überstürzen. Vorher sollte die Finanzierung stehen. Daran scheitert beinahe jede zweite Firmengründung.

Eine Idee allein reicht nicht

So klappt's mit der Selbstständigkeit

München - Immer weniger Bayern wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Schuld sind oft vermeidbare Anfängerfehler. Zur Selbstständigkeit gehört neben einer guten Idee auch die richtige Strategie. Ein Fahrplan für Existenzgründer.

Ein Pärchen eröffnet ein Restaurant in München. Sie ist Bedienung, er steht in der Küche, obwohl er eigentlich gar kein Koch ist. Die Gäste bleiben aus – die Ausgaben wachsen dem Paar über den Kopf. Jeden Monat zahlen sie drauf, bis alle Rücklagen aufgebraucht sind und der Traum von der Selbstständigkeit zerplatzt.

Harald Hof erlebt so etwas immer wieder. Seit Jahren berät er bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern Existenzgünder. Oft kommen die Gründer in die Beratung, wenn es bereits zu spät ist. Im Schnitt gibt jeder zweite Existenzgründer in Bayern nach vier Jahren auf. Die Gründe für das Scheitern liegen oft in der fehlenden Planung. „Eine gute Idee reicht nicht aus. Der Business-Plan ist das A und O, sonst kommt irgendwann das böse Erwachen“, sagt Hof. Bevor es an die Gründung geht, muss ein Unternehmenskonzept aufgestellt, ein passender Standort gefunden und die Finanzierung geklärt werden.

Die Geschäftsidee

Das Geheimnis einer guten Geschäftsidee liegt in der Formel „das richtige Produkt, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort“. „Es gibt heute schon fast alles“, sagt Hof. Wichtig sei es deshalb, sich von den anderen abzuheben. Ein Beispiel: Bei „MyMüsli“ kann man sich im Internet sein ganz persönliches Müsli mixen und liefern lassen (www.mymuesli.com). Eine Geschäftsidee, die eingeschlagen hat. Die Gründer aus Passau sind damit seit 2007 erfolgreich. Oder Dean&David, eine Fast-Food-Kette, die auf gesundes Essen setzt. 2007 in München gegründet, gibt es mittlerweile 33 Filialen in ganz Deutschland für „figurbewusste Genießer“.

Der Business-Plan

Selbstständigkeit kann nur gelingen, wenn der Gründer genau weiß, was er will, was er kann, was er dazu benötigt – und wer ihm seine Idee abkauft. Darum geht es beim Business-Plan. „Ein Business-Plan braucht Zeit“, sagt Hof. Wer bereits aus der Branche kommt, in der er sich selbstständig machen möchte, sitze im Schnitt acht bis 12 Wochen an der Planung, Quereinsteiger auch mal ein ganzes Jahr.

Auf Grundlage des Business-Plans entscheidet die Bank später, ob sie einen Kredit zur Finanzierung genehmigt. Neben der Geschäftsidee, einem Profil der Gründer und des Unternehmens gehört auch ein Finanzplan in den Business-Plan. Dabei müssen auch Positionen wie Altersvorsorge, Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung berücksichtigt werden. „Die soziale Absicherung wird oft vergessen“, so Hof. Das könne sich später rächen.

Die Standortwahl

Die Lage entscheidet bei vielen Unternehmen maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg – vor allem im Einzelhandel und der Gastronomie. Eine eingehende Standortanalyse ist nötig: Infrastruktur? Potenzielle Kunden? Kaufkraft? Wettbewerber? Ist der richtige Platz gefunden – geht es an die Suche geeigneter Betriebsräume. Privatwohnungen eignen sich nur in Ausnahmefällen. In Mietwohnungen läuft ohne die Zustimmung des Vermieters ohnehin nichts. Je nach Lage, Gewerbeart und Anzahl der Mitarbeiter gelten verschiedene Vorschriften – zum Beispiel zur Anzahl der Toiletten.

Die Finanzierung

Die Finanzierung ist der Knackpunkt jeder Existenzgründung. Fast jede zweite Firmengründung scheitert daran. „30 bis 40 Prozent Eigenkapital wären nicht schlecht“, weiß Hof aus Erfahrung. „Eine Unternehmensgründung komplett fremdzufinanzieren ist schwierig.“ In Deutschland gibt es über 700 öffentliche Fördermöglichkeiten, die Gründer mit ihrer Hausbank besprechen sollten.

Es gibt aber auch andere Wege der Finanzierung – zum Beispiel, Geld über das Internet zu sammeln. Das Prinzip nennt sich Crowdfounding und wird immer populärer in Deutschland. Auf Internet-Plattformen wie „Seedmatch“ oder „Startnext“ werben potenzielle Gründer für ihre Idee. Geldgeber erwerben entsprechend ihrer Investitionssumme Anteile am Unternehmen. Kommt genug Geld zusammen, wird das Projekt realisiert.

Die Gründung

Sind alle Fragen geklärt, geht es an die Gründung selbst. In Deutschland gilt der Grundsatz der Gewerbefreiheit. Jeder kann sich selbstständig machen, indem er ein Gewerbe anmeldet – und das ist nicht mal teuer. „In München kostet ein Gewerbeschein 43 Euro“, sagt Hof. „Wunsch-Erfüllungs-Behörde“ nennt er das Gewerbeamt. Der Staat verlangt keine Fachkenntnisse, bestandene Prüfungen oder Zulassungstests – mit einigen Ausnahmen: Zum Beispiel bei Anlageberatern, Fahrschulen oder Gaststätten mit Alkoholausschank gelten Auflagen.

Wer einen Gewerbeschein beantragt hat, muss sich ans Finanzamt wenden. Dort erhalten Unternehmensgründer eine Steuernummer. AG, GmbH, KG oder Kleingewerbe: Es steht außerdem die Wahl der richtigen Rechtsform für das Unternehmen an – und die Entscheidung, ob es ins Handelsregister eingetragen werden soll oder nicht. Damit sind die Weichen gestellt für den Weg zum erfolgreichen Mittelständler, Konzern oder Weltmarktführer.

Informationen für Gründer

Die IHK für München und Oberbayern berät Existenzgründer kostenlos und bietet Existenzgründerseminare an (Kosten: 25 bis 100 Euro). Eine Broschüre mit Tipps und Musterschreiben zum Thema gibt es unter www.bihk.de.

Von Manuela Dollinger

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