Einzelhändler im Internet-Fieber

Düsseldorf - Die Verbraucher kaufen immer häufiger im Internet ein. Außerdem sind sie dank Internet so gut informiert wie noch nie. Darauf reagieren große wie kleine Händler mit dem Ausbau ihrer Onlineaktivitäten.

Der Einzelhandel stellt sich mit umfangreichen Investitionen auf einen wachsenden Kundenansturm im Internet ein. Die Online-Umsätze der Branche werden 2013 in Deutschland nach einer Verbandsschätzung erneut zweistellig um zwölf Prozent auf gut 33 Milliarden Euro klettern. Fast jeder vierte Einzelhändler setze in diesem Jahr einen Investitionsschwerpunkt im Internet, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) am Donnerstag zu seiner jüngsten Konjunkturumfrage unter 1300 Unternehmen mit. Das Spektrum reiche dabei von neuen Internetseiten bis zum Ausbau der Internetshops.

Das Internet ist dem Stimmungsbild zufolge zum dominierenden Thema im deutschen Einzelhandel geworden. Es stelle damit selbst große Sorgen wie steigende Energiekosten und die Euro-Schuldenkrise in den Schatten. „Wir sehen, dass wahnsinnig viel in Bewegung ist“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Düsseldorf. Jeder fünfte Einzelhändler in Deutschland betreibe neben seinem Ladengeschäft bereits auch einen Onlineshop. „Die Zukunft liegt in der Verzahnung von stationärem und Online-Handel.“ Nicht für jeden Händler lohne ein Onlineshop. Aber auch Online-Infos könnten Kunden zum Laden führen.

Der Onlineanteil am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels werde sich langfristig von sieben auf 20 Prozent mehr als verdoppeln. Für 2013 erwartet der HDE trotz des langen Winters eine insgesamt stabile Geschäftsentwicklung. Der Branchenumsatz soll um ein Prozent auf 432 Milliarden Euro steigen. Preisbereinigt bedeute das einen leichten Rückgang. Mehr als zwei Drittel der Händler erwarteten 2013 stabile oder steigende Umsätze. „Insgesamt bestimmt Optimismus das Bild, von Euphorie kann aber keine Rede sein“, sagte Genth. Die Stimmung sei wieder gestiegen, aber immer noch schlechter als 2010 und 2011.

In der Ende April beginnenden Tarifrunde für den Einzelhandel wollen die Arbeitgeber nicht nur über Gehälter verhandeln. „Wir brauchen moderne Tarifverträge“, begründete Genth die Kündigung der Manteltarifverträge durch die Arbeitgeber. Es gehe ihnen unter anderem um eine Möglichkeit, Arbeitszeitkonten einführen zu können. Genth kritisierte die bereits in mehreren Bundesländern aufgestellten Gewerkschaftsforderungen für Einkommensverbesserungen als hoch. „Die Forderungen sind teilweise exorbitant.“ Die Zahl der Mitarbeiter im Einzelhandel werde 2013 stabil bleiben bei rund drei Millionen.

dpa

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