Deshalb vergleicht Facebook künftig Nutzerdaten

München – Das soziale Netzwerk Facebook will künftig die Daten der eigenen Nutzer mit denen ausgewählter Werbekunden abgleichen. Das Ziel: Gezieltere Werbung.

Unternehmen sollen so ausschließlich bei den Facebook-Nutzern werben können, die schon zu ihren Kunden gehören. Ein Facebook-Sprecher bestätigte unserer Zeitung entsprechende Pläne, über die zunächst das Blog „Inside Facebook“ berichtet hatte.

Demnach sollen Werbetreibende künftig die Telefonnummern und E-Mail-Adressen ihrer Kunden an Facebook übermitteln können, die dann mittels einer Software mit den bei Facebook gespeicherten Daten der Nutzer abgeglichen werden sollen. Bei Facebook betont man, dass man wie in der Vergangenheit keine Daten herausgeben werde. Außerdem würden die Daten der Werbekunden nur anonymisiert und verschlüsselt übertragen.

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Ein Sprecher des für Facebook zuständigen Hamburgischen Landesbeauftragten für den Datenschutz sagte unserer Zeitung, man werde diese neue Methode genau prüfen. Es sei durchaus möglich, dass sie gegen deutsches Recht verstoße.

Zwar beteuert Facebook, man habe selbst keinen Zugriff auf die persönlichen Daten, die die Werbekunden zur Verfügung stellen. Doch daran dürften Zweifel angebracht sein. Wie der Abgleich technisch genau funktioniert und auf wessen Server er stattfindet, konnte ein Unternehmens-Sprecher nicht beantworten. Die Möglichkeit soll zunächst nur ausgewählten Werbepartnern angeboten werden. Welche Unternehmen in Deutschland dazugehören werden, blieb gestern offen.

Facebook steht unter Druck, neue Werbeformen zu entwickeln, um so Umsatz und Gewinn zu steigern. Das Netzwerk war vor wenigen Monaten an die Börse gegangen, wo es Anleger zunächst mit mehr als 100 Milliarden Dollar bewertet hatten. Inzwischen ist der Aktienkurs aber um mehr als die Hälfte eingebrochen und erreichte gestern bei 18,23 Dollar ein neues Allzeittief.

Die Investoren verlieren zunehmend den Glauben daran, dass es Facebook in naher Zukunft gelingen kann, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, mit dem sich die Datenberge zu Geld machen lassen, die das Unternehmen ansammelt. Zwar sind inzwischen rund 955 Millionen aktive Nutzer weltweit bei Facebook registriert, doch immer mehr von ihnen greifen nicht mehr von einem Computer, sondern von ihrem Smartphone oder Tablet-Computer auf die Seite zu. Diese Zugriffe sind für Facebook derzeit quasi wertlos, weil auf diesen Geräten wegen des kleinen Bildschirms kaum Werbung eingeblendet werden kann. Analysten haben ihre Erwartung für die Umsatzentwicklung des laufenden Jahres deshalb deutlich von 6,1 auf 5,0 Milliarden reduziert.

Deshalb muss Facebook Möglichkeiten entwickeln, wenige Werbeplätze teurer zu verkaufen und sein umfassendes Wissen über seine Mitglieder nutzen. So können Werbekunden schon jetzt gezielter als anderswo ihre Reklame platzieren. Eine Online-Partnerbörse kann so zum Beispiel ausschließlich bei Singles werben. Der nun geplante Abgleich von Kunden- und Nutzerdaten wäre eine Weiterentwicklung dieser Methode.

Philipp Vetter

Rubriklistenbild: © dapd

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