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Fitch sieht das zyprische Bankensystem als gescheitert an.

Bankensystem gescheitert

Fitch droht Zypern mit baldiger Herabstufung

London/Nikosia - Am Donnerstag öffnen voraussichtlich alle Banken in Zypern wieder. Dennoch sollen Unmengen von Geld abgeflossen sein. Die Ratingagentur Fitch droht Zypern mit Herabstufung.

Nach der Einigung auf ein Hilfspaket für Zypern hat die Ratingagentur Fitch dem Land mit einer baldigen erneuten Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit gedroht. Das bisherige Rating „B“ werde wegen des angeschlagenen Bankensektors unter verschärfte Beobachtung (Rating Watch Negativ) gestellt, teilte die Ratingagentur am Dienstag in London mit. Fitch bewertet Zypern aber weiter weniger negativ als Standard & Poor's („CCC“) und Moody's („Caa3“).

Vor allem das gescheiterte zyprische Bankensystem sei für die Entscheidung verantwortlich, schreibt Fitch. Ob es tatsächlich zu einer Herabstufung kommt, hänge von den Einzelheiten des mit der Troika (EZB, EU, IWF) vereinbarten Programms ab. Entscheidend sei auch die Bereitschaft der zyprischen Behörden zur Umsetzung von Reformen.

Hohe Summen ins Ausland transferiert?

Anleger in Zypern haben vor der Bankenschließung möglicherweise im großen Stil Geld abgezogen. Der zyprische Parlamentspräsident Giannakis Omirou will den Verdacht prüfen, wonach es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland sowie größere Bargeld-Abhebungen gegeben haben soll.

Omirou forderte eine Liste mit Überweisungen der vergangenen Wochen an. Zudem untersucht die Regierung in Nikosia, ob auch hohe Summen ins Ausland transferiert wurden, als die Banken bereits geschlossen hatten und das Online-Banking gesperrt war. Die Banken sollen am Donnerstag nach fast zwei Wochen wieder öffnen. Die Regierung fürchtet Chaos.

Limitierte Abhebungen an Geldautomaten

Unklar waren zunächst Details zu Kapitalbeschränkungen, mit denen Zypern nach Öffnung der Banken massive Geldabflüsse verhindern will. Möglicherweise gelten sie für einige Wochen. Es wird erwartet, dass Bankkunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Die Geldhäuser öffnen zwei Tage später als ursprünglich geplant. Finanzminister Michalis Sarris begründete die längere Sperrung bis Donnerstag mit der Sorge vor massiven Geldabflüssen. Auch habe die Regierung Zeit gebraucht, um Kapitalverkehrskontrollen zu installieren. Ursprünglich sollten die Banken am Dienstag wieder öffnen - nach zehntägiger Schließung.

Hohe Beamte unter Verdacht

Im Zuge der Banken-Rettung könnten reiche Anleger in Zypern etwa 40 Prozent ihrer Geldanlagen verlieren - als Beitrag zur Sanierung des Bankensektors. Sarris nannte dies im britischen Sender BBC eine realistische Größenordnung.

Der Geldabfluss vor der Bankenschließung soll nach Informationen aus der zyprischen Notenbank bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgefallen sein: Zyprische Banken forderten demnach viel mehr Geld an als ihre Kunden sich von Geldautomaten holten.

Der zyprische Parlamentspräsident will auch prüfen, ob hohe Beamte ihr Geld ins Ausland geschafft haben, die in Entscheidungszentren der Notenbank oder im Präsidialgebäude sitzen und von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken am 16. März wussten. Zyprische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien „Unmengen“ von Geld abgehoben worden.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

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Nach dem Rettungspaket sollen Einlagen oberhalb der EU-weiten Sicherungsgrenze von 100 000 Euro an der Banken-Sanierung beteiligt werden. Das zweitgrößte Geldhaus, die Laiki-Bank, wird abgewickelt. Ein Teil ihres Geschäfts wird von der Bank of Cyprus übernommen. Aus Protest gegen die Sanierung trat der Chef der Bank of Cyprus, Andreas Artemi, zurück, wie der staatliche Rundfunk meldete.

Die EU-Kommission sieht die Rettung Zyperns unter Einbeziehung von Großsparern und Gläubigern nicht als Modell für die Zukunft. „Der Fall Zypern ist einzigartig, und zwar aus vielerlei Gründen“, sagte die Sprecherin von Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Sie reagierte verhalten auf Äußerungen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Dieser hatte am Vortag erklärt, die Beteiligung von Kontoinhabern an der Bankenrettung Zyperns könne als Modell für künftige Hilfsprogramme gelten, war danach aber zurückgerudert. Der niederländischen Zeitung „De Volkskrant“ (Dienstag) sagte Dijsselbloem, der Rettungsplan für Zypern sei keine „Blaupause“ für andere Länder.

Die Kommissionssprecherin betonte, Bankeinlagen von mehr als 100 000 Euro seien nicht vor Totalverlust bei Bankpleiten geschützt. Ein schon länger vorliegender Gesetzentwurf Brüssels schließe nicht aus, dass Guthaben über diesem gesetzlich gesicherten Betrag zur Restrukturierung von Banken verwendet werden könnten. „Die Diskussion läuft derzeit noch, es gibt noch keine endgültige Einigung.“ In jedem Fall seien aber alle Guthaben bis zu 100 000 Euro bei einer Banken-Pleite staatlich garantiert.

dpa

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