Milliarden-Hilfe für klamme Kliniken

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL2FrdHVlbGxlcy93aXJ0c2NoYWZ0L21pbGxpYXJkZW4taGlsZmUta2xhbW1lLWtsaW5pa2VuLTI4MTU4NDAuaHRtbA==2815840Milliarden-Hilfe für klamme Kliniken0true
    • 23.03.13
    • Wirtschaft
    • Drucken
Krankenkassen warnen

Milliarden-Hilfe für klamme Kliniken

    • recommendbutton_count100
    • 0

München - Jede zweite Klinik in Bayern schreibt rote Zahlen. Mit einem Milliarden-Paket will Schwarz-Gelb den klammen Krankenhäusern unter die Arme greifen. Die Krankenkassen warnen vor neuen Belastungen.

© dpa/Symbolbild

Klinikpersonal bei einer Operation

Exakt 1192,20 Euro haben die Krankenkassen 2012 für jedes Mitglied im Schnitt für Behandlungen im Krankenhaus gezahlt. Insgesamt überwiesen die Kassen 62,5 Milliarden Euro an die Kliniken – das entspricht einem Drittel der gesamten Gesundheitsausgaben. Dennoch fordern die Krankenhäuser seit Monaten mehr Geld. Sie verweisen auf kräftige Tariferhöhungen und Fehler im Vergütungssystem.

Mit einem Sofortprogramm will Schwarz-Gelb die Krankenhäuser noch vor der Bundestagswahl im Herbst unterstützen. „Ziel ist es, kurzfristig Krankenhäuser zu entlasten“, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Unionsfraktions-Vize Johannes Singhammer (CSU) sprach von einem „Quantensprung für die Kliniken“.

Das Hilfspaket hat ein Volumen von etwa einer Milliarde Euro für dieses und nächstes Jahr. Rund 750 Millionen Euro sollen einen Konstruktionsfehler bei der Vergütung beheben – in der Fachsprache doppelte Degression genannt. Das Problem: Um die Kostensteigerungen auszugleichen, haben sich viele Krankenhäuser auf lukrative Operationen spezialisiert. Erhöhen einzelne Kliniken die Menge, sinkt jedoch für alle der Preis pro Behandlung. Verantwortlich dafür ist die Deckelung der Gesamtausgaben. Damit werden allen Kliniken Kürzungen auferlegt, die die Behandlungszahlen nicht ausgeweitet haben. „Vor allem die Kliniken in ländlichen Regionen sollen nicht mehr in Mithaftung genommen werden für Kliniken, die in die Menge gegangen sind“, betonte Singhammer.

Mehr Operationen ist gleich mehr Gewinn – gegen diese Gleichung will Gesundheitsminister Bahr vorgehen. „Ich sehe weiter eine dringende Notwendigkeit, an der Mengenentwicklung zu arbeiten.“ Eine Studie im Kassen-Auftrag zeigt: Bei den orthopädischen Behandlungen gab es binnen vier Jahren einen Anstieg von gut 14, bei kardiologischen Fällen von 17 Prozent. Doch viele Eingriffe sind laut den Kassen unnötig.

Um Infektionen aufgrund mangelnder Hygiene einzudämmen, sollen die Kliniken bis 2016 mit 160 Millionen Euro unterstützt werden. Das Geld ist für zusätzliches Hygienepersonal vorgesehen. „Da haben wir Nachholbedarf“, räumte Bahr ein. Bis zu 15.000 Patienten sterben jedes Jahr durch Infektionen, die sie sich in Kliniken zugezogen haben.

Schließlich sind jeweils bis zu 40 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr für Tarifsteigerungen eingeplant. Allein um drei bis vier Prozent im Jahr waren zuletzt die Personalkosten in den Kliniken gestiegen – und damit deutlich schneller als die Einnahmen.

Die gesetzlichen Krankenkassen lehnten das Hilfspaket ab. „Es ist ein völlig falscher Weg, hunderte von Millionen Euro pauschal über alle Krankenhäuser auszuschütten“, kritisierte der Vize-Chef des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg. Statt das Geld mit der Gießkanne zu verteilen, sollten einzelne Kliniken, die für die Versorgung nötig sind, gezielt gefördert werden.

Auch der AOK-Bundesverband übte scharfe Kritik: „Am zugrunde liegenden Problem der Krankenhäuser – zu viele Operationen, die nicht notwendig und in der Qualität häufig mangelhaft sind sowie zu wenig Landesmittel für die Modernisierung – wird sich damit nichts ändern.“

Bayerns Kliniken beurteilten die Pläne dagegen positiv. „Die Regierung hat die Probleme erkannt“, sagte Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der bayerischen Krankenhausgesellschaft. Derzeit gibt es in Bayern 370 Kliniken mit rund 160 000 Beschäftigten, davon 47 000 Pflegekräfte. Die Entlastung geht Hasenbein allerdings nicht weit genug. Als Beispiel nannte er den Zuschuss von 40 Millionen Euro für die Tarifsteigerungen in diesem Jahr. „Das reicht bei weitem nicht aus, um die Lücke zu schließen.“ Schließlich gibt es bundesweit gut 2000 Krankenhäuser. Hasenbein forderte die für 2014 geplante zweite Entlastungstranche vorzuziehen. „Die Not bei den Kliniken ist jetzt groß.“

Von Steffen Habit

zurück zur Übersicht: Wirtschaft

Kommentare

Kommentar verfassen

Wetter für München und Bayern

Meist geklickte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Kommentiert
  • Themen
Burger King

Burger King schockt mit schwarzen Kreationen

Tokio - Nein, dieser Burger ist nicht schwarz, weil er zu lange gebraten wurde. Der ausgefallene Snack soll, wenn es nach Burger King geht, der neueste Schrei für japanische Fastfood-Fans werden.Mehr...

Staubsauger

Staubsauber ab 2017 nur noch mit 900 Watt

München - Staubsauger dürfen ab 1. September nur noch mit unter 1600 Watt Leistung verkauft werden. Schuld daran ist eine EU-Regelung - ähnlich wie bei den Glühbirnen. Saugen Geräte mit weniger Watt weniger gut?Mehr...

USA: Zusätzliche Sanktionen gegen Russland

Brüssel/Washington - Nach der Europäischen Union haben auch die USA wegen der Ukraine-Krise neue Sanktionen gegen Russland verhängt. Mehr...

Aktuelle Fotostrecken

So wüten die Waldbrände in Kalifornien - Die Bilder

weitere Fotostrecken:

Strom & Energie

Energiesparliste der EU: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Energiesparliste der EU: Die wichtigsten Fragen

Brüssel - Fernseher, Geschirrspüler und Lampen - sie alle stehen auf der Energiesparliste der EU. Die Geräte dürfen nur bestimmte Mengen Strom verbrauchen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Thematik.Mehr...

Fallstricke beim Anbieter-Wechsel

Fallstricke beim Anbieter-Wechsel

München - Die Öko-Umlage steigt und damit wieder einmal die Stromrechnung. Das wird viele Verbraucher zum Tarifwechsel animieren. Sie sollten aber auf Fallstricke achten.Mehr...

Runter mit den Heizkosten im Winter: Mit diesen Tipps sparen Sie Geld und Energie

Mit diesen Tipps sparen Sie Geld und Energie

Stuttgart - Pünktlich zum Beginn der Winterzeit drehen viele Haushalte wieder die Heizung auf - und merken das gleich am Geldbeutel. Mit diesen Tipps lassen sich Energie und Geld sparen:Mehr...

Der große Finanz-Rechner

"Die Rente ist sicher" - dieser Spruch hat schon lange seine Richtigkeit verloren. Bei finanziellen Angelegenheiten ist Eigeninitiative gefordert. Bei Versicherungen und Geldanlage gibt es jedoch erheblich Unterschiede. Mit unseren Finanzrechnern für Versicherung und Geldanlage erfahren Sie, wie und wo Sie Geld sparen können und trotzdem gut abgesichert sind.

Politik

Ericsson streicht 250 Stellen in Nürnberg

Ericsson streicht 250 Stellen in Nürnberg

Nürnberg - Das Aus für die Entwicklung von Handy-Modems kostet 250 Nürnberger Ericsson-Mitarbeiter den Job.Mehr...

NSU-Prozess: Polizei-Profiler sahen keine Zusammenhänge

NSU-Prozess: Polizei-Profiler sahen keine Zusammenhänge

München - Kripo-Ermittler standen offenbar kurz davor, verschiedene Verbrechen des NSU denselben Tätern zuzuschreiben. Ausgerechnet Profiler-Experten stellten sich dieser Erkenntnis in den Weg.Mehr...

Job & Karriere

Studie: Schlechter Führungsstil oft kein Kündigungsgrund

Studie: Schlechter Führungsstil oft kein Kündigungsgrund

Berlin - Toben, schreien, brüllen - Alles kein Problem bei einem Chef. Meinen zumindest 60 Prozent der Unternehmen, die der Harvard Business Manager befragt hat. Solange das Geld stimmt.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.