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Jürgen Großmann hält die Energiewende für ein ehrgeiziges Projekt.

RWE-Chef: Energiewende kostet etwa 300 Mrd.

Berlin - RWE-Chef Jürgen Großmann sieht auf Industrie und Verbraucher enorme Belastungen wegen des Netzausbaus und der Förderung erneuerbarer Energien zukommen.

 “Die Kosten der Energiewende bewegen sich in einer Größenordnung von 250 bis 300 Milliarden Euro“, sagte Großmann am Dienstag bei der “Handelsblatt“-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin. “Diese Energiewende ist machbar, daran besteht für mich kein Zweifel.“ Aber das Ziel sei sehr, sehr ehrgeizig und müsse besser mit den europäischen Partnern abgestimmt werden. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) forderte eine Reform der Ökoenergie-Förderung.

Der RWE-Chef erläuterte seine Kostenschätzung nicht weiter - Kritiker werfen ihm vor, er wolle mit Schwarzmalerei das Projekt diskreditieren. Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling kritisierte die Aussagen scharf: “Herr Großmann bleibt bis zu seiner Ablösung Cheflobbyist für Atom- und Kohlestrom. Wer Investitionen in die Zukunft allein als Kosten veranschlagt, hat weder die Notwendigkeit noch die Chancen der Energiewende verstanden“. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber warf dem RWE-Chef eine bewusste Irreführung vor. “Solarstrom- und Windenergieanlagen liefern sehr viel mehr Stunden im Jahr Strom, als Herr Großmann das vermutet“, betonte Kelber.

Großmann sagte, bisher klappe die Wende nur dank der Hilfe europäischer Partner. Wenn es viel Wind gebe im Norden, könne der Strom derzeit mangels Trassen nur sehr begrenzt direkt in den Süden gebracht werden - und werde daher über den Umweg Niederlande im Westen oder Polen und Tschechien im Osten transportiert. “Unsere Nachbarländer sind alles andere als beglückt über diese Folgen der Energiewende“, sagte Großmann mit Blick auf die Folgen für das Ausland.

Man könne in naher Zukunft schon weit über 100 000 Megawatt installierte Leistung bei erneuerbaren Energien haben, die entsprechend über den Strompreis vergütet werden müssten. Deutschland brauche aber nur 80 000 Megawatt installierte Leistung, wenn die Anlagen kontinuierlich Strom liefern würden. “Aus Landwirten werden Stromwirte“, sagte er mit Blick auf die dank des Fördersystems attraktiven Bedingungen. Notwendig sei aber weiterhin auch eine Stromgewinnung in großen Kraftwerken - Großmann forderte bessere Bedingungen für eine Biomasse-Mitverbrennung in Kohlekraftwerken.

Die Förderung der Solarenergie in Deutschland bezeichnete Großmann als so sinnvoll “wie Ananas züchten in Alaska“. Solarstrom gebe es in Deutschland an 900 Stunden im Jahr, Windstrom an Land hingegen an 2000 Stunden pro Jahr und Windanlagen auf See würden an 3500 Stunden im Jahr Strom liefern. Allein 2011 seien 8,1 Milliarden Euro in die Förderung von Solarenergie geflossen - das seien 41 Cent pro Kilowattstunde - der Strombörsenpreis habe im Schnitt aber nur bei 5 Cent je Kilowattstunde gelegen. Strom aus Photovoltaikanlagen sei vier Mal so teuer wie Windkraft an Land. Vieles bei der Energiewende sei schlicht nicht ökonomisch - RWE trage sie aber natürlich mit.

Wirtschaftsminister Rösler forderte eine offene Debatte, wie die Förderung erneuerbarer Energien mittelfristig zurückgefahren werden kann. Die Ökoenergien seien inzwischen erwachsen geworden, und das bedeute, “dass sie sich selbstständig bewähren müssen am freien Markt“, sagte Rösler. Das “süße Gift“ der Subvention nage an der Wettbewerbsfähigkeit der Branche.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht vor, dass der Anbieter von Solar- oder Windstrom feste Vergütungen bekommt, die über den Marktpreisen liegen und auf 20 Jahre garantiert werden. Die Differenz zwischen dem am Markt erzielten Preis und dem Vergütungssatz zahlen die Verbraucher per Umlage über den Strompreis mit. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden muss in diesem Jahr etwa 125 Euro an Ökostromumlage bezahlen. Für 2012 werden Förderzahlungen von rund 14 Milliarden Euro erwartet.

dpa

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