Wann Sie ohne Abschlag in Rente gehen können

München - Bin ich bereits von der Rente mit 67 betroffen? Wie viel Steuern muss ich als Rentner bezahlen? Und was bedeutet die neue Zuschussrente? Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Telefonaktion des Münchner Merkur rund um das Thema Rente.

Lesen Sie hier nur eine kleine Auswahl der Fragen, die unsere Experten bei der Telefonaktion rund um das Thema Rente beantworteten. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten in der Zusammenfassung:

Wir sind verheiratet und seit gut zehn Jahren im Ruhestand. Meine Rente liegt bei 1200 Euro im Monat, meine Frau bekommt 600 Euro. Müssen wir eine Steuererklärung abgeben?

Seit 1. Januar 2005 gilt das Alterseinkünftegesetz. Damit steigt der Besteuerungsanteil schrittweise an. Das heißt: Wer vor 2005 in Rente gegangen ist oder vorher bereits Rente bezog, für den gilt ein Besteuerungsanteil von 50 Prozent. Wer 2011 in den Ruhestand wechselte, bei dem liegt der Anteil bereits bei 62 Prozent. Was heißt das für Ihren konkreten Fall? Da Sie bereits vor 2005 in Rente waren, gilt ein Besteuerungsanteil von 50 Prozent. Zusammen mit Ihrer Frau bekommen Sie 1800 Euro Rente im Monat. Jährlich sind es 21 600 Euro. 50 Prozent – also 10 800 Euro – sind steuerpflichtig. Davon werden allerdings die Beiträge für die Krankenkasse abgezogen. Der Grundfreibetrag liegt derzeit bei 8004 Euro für Alleinstehende, bei Ihnen gilt also der doppelte Wert. Falls Sie außer Ihrer gesetzlichen Rente keine weiteren Einnahmen beziehen, müssten Sie steuerfrei bleiben. Eine verbindliche Auskunft zur Steuerpflicht kann jedoch nur das Finanzamt geben.

Bin ich als Bezieher einer Erwerbsminderungsrente auch steuerpflichtig?

Grundsätzlich sind Sie auch steuerpflichtig. Es gelten die gleichen Regelungen wie bei Altersrenten. Entscheidend ist daher, seit wann Sie Rente beziehen. Haben Sie bereits vor 2005 eine Erwerbsminderungsrente bekommen, gilt ein Besteuerungsanteil von 50 Prozent.

Wie viel darf ich als Rentner hinzuverdienen?

Grundsätzlich gilt: Bis 400 Euro im Monat gibt es keine Beschränkungen. Auch wer über der Regelaltersgrenze liegt – sie hängt maßgeblich vom Geburtsjahrgang ab –, darf unbegrenzt arbeiten. Wer unterhalb der Regelaltersgrenze liegt, darf maximal 400 Euro im Monat verdienen und zweimal im Kalenderjahr 800 Euro im Monat.

Ich bin 70 Jahre alt. Ich bekomme eine eigene Rente von 600 Euro sowie eine Witwenrente von 800 Euro im Monat. Darf ich einen Minijob mit 400 Euro im Monat annehmen?

Da Sie über der Regelaltersgrenze liegen, dürften Sie eigentlich unbegrenzt hinzuverdienen. Aber Vorsicht: Für Bezieher von Hinterbliebenenrenten gelten Sonderregeln. Hier ist bei der Einkommensanrechnung sowohl die eigene Rente als auch der Hinzuverdienst als Einkommen zu berücksichtigen. Grundsätzlich gilt ein monatlicher Freibetrag von 725 Euro, um die volle Witwenrente zu bekommen. Da die Summe aus Ihrer Rente und dem Minijob – 600 Euro plus 400 Euro – über dem Freibetrag liegt, würde Ihre Witwenrente deutlich gekürzt werden. Sie sollten sich daher gut überlegen, ob sich der Minijob lohnt.

Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert. 2012 werde ich in Rente gehen. Bleibe ich dann freiwillig gesetzlich versichert?

Wenn Sie stets gesetzlich versichert waren, können Sie ab Rentenbeginn in die Pflichtversicherung der Rentner wechseln. Dann müssen Sie nur auf die gesetzliche Rente und – falls vorhanden – auf eine Betriebsrente oder einen Hinzuverdienst Beiträge bezahlen.

Ich bin seit 10 Jahren freiwillig gesetzlich krankenversichert. Zuvor war ich jedoch privat versichert. Kann ich als Rentner gesetzlich versichert bleiben oder muss ich zu einer privaten Krankenkasse wechseln?

Sie können in der gesetzlichen Versicherung bleiben, allerdings als freiwilliges Mitglied. Das bedeutet: Sie müssen Kassenbeiträge nach Ihrer gesamten Leistungsfähigkeit bezahlen. Dabei werden im Gegensatz zur Pflichtversicherung der Rentner unter anderen auch Mieteinnahmen berücksichtigt.

Ich bin 63 Jahre alt und habe 46 Arbeitsjahre hinter mir. Kann ich ohne Abschlag in Rente?

Nein. Abschlagsfrei können Sie erst mit 65 Jahren in Rente gehen. Für Schwerbehinderte gelten allerdings andere Altersgrenzen.

Ich bin Jahrgang 1965. Kann ich mit 63 Jahren in Rente gehen?

Ja, allerdings mit Abschlägen.

Bedingung: Sie müssen 35 Versicherungsjahre nachweisen. Allgemein gilt folgender Abschlag: Für jeden Monat, den Sie vor Erreichen der Rentenaltersgrenze in den Ruhestand gehen, gibt es einen Abschlag von 0,3 Prozent. Pro Jahr bedeutet dies 3,6 Prozent. Das heißt: Da für Sie bereits die Rente mit 67 Jahren gilt, müssten Sie für vier Jahre Abschläge hinnehmen – also 4 mal 3,6 Prozent ergibt 14,4 Prozent. Wichtig: Die Abschläge gelten bis zum Tod.

Ich bin 65 Jahre und habe zwei Kinder großgezogen. Habe ich Anspruch auf eine gesetzliche Rente?

Für den Anspruch auf eine gesetzliche Rente müssen Sie 60 Beitragsmonate (fünf Jahre) nachweisen. Für die Erziehung der Kinder werden Ihnen zwei Jahre angerechnet. Es fehlen also noch drei Beitragsjahre. Die fehlenden Zeiten könnten Sie allerdings nachzahlen. Der monatliche Mindestbeitrag liegt bei rund 80 Euro. Das heißt: Sie müssten 36 mal 80 Euro – insgesamt also 2880 Euro – an die Rentenkasse überweisen. Dafür hätten Sie lebenslang einen Rentenanspruch von etwa 60 Euro im Monat. Ob sich eine Nachzahlung lohnt, darüber informieren die Beratungsstellen der Rentenversicherung.

Ich habe zwei Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren. Wie wirken sich die Erziehungszeiten auf die Rente aus?

Für Kinder, die nach 1992 auf die Welt kamen, werden pro Kind drei Jahre Erziehungszeit angerechnet. Jedes Erziehungsjahr erhöht den späteren Rentenanspruch derzeit um etwa 27 Euro. Das heißt: Bei zwei Kindern steigt Ihre spätere Rente um etwa 160 Euro im Monat.

Inwieweit wird ein Hochschulstudium bei der Rente noch angerechnet?

Ursprünglich wurden einmal bis zu 13 Jahre für Ausbildungszeiten berücksichtigt. Die Politik hat die Anrechnungszeiten allerdings immer weiter reduziert. Wer ab 2009 in Rente geht, bekommt maximal acht Jahre schulische Ausbildungszeiten als Anrechnungszeit anerkannt. Darin inbegriffen ist auch ein Uni-Studium. Die Anrechnungszeiten haben grundsätzlich keine direkten Auswirkungen auf die Rentenhöhe. Sie dienen unter anderem als zeitliche Anwartschaft, um beispielsweise die wichtige Marke von 35 Versicherungsjahren zu erreichen.

Ich habe einen 400-Euro-Job. Lohnt es sich, die Rentenbeiträge freiwillig aufzustocken?

Bei einem 400-Euro-Job zahlt der Arbeitgeber pauschal 15 Prozent an die Rentenversicherung. Dies gilt allerdings nicht als echter Beitrag. Um Anwartschaften – etwa auf eine Erwerbsminderungsrente – aufrechtzuerhalten, müssen Sie selbst Beiträge dazuzahlen. Derzeit liegt die Beitragshöhe bei 19,60 Euro im Monat. Wollen Sie freiwillig Rentenbeiträge aufstocken, müssen Sie dies dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen. Ihre eigenen Beiträge wirken sich auch auf Ihre spätere Rente aus. Allerdings ist der Effekt gering: Ihre Altersbezüge steigen lediglich um rund vier Euro im Monat, sofern Sie den 400-Euro-Job ein Jahr ausüben.

Ich bekomme nur eine geringe Rente. Ich habe gelesen, dass die Regierung eine Zuschussrente plant. Würde ich auch davon profitieren?

Nein. Die Regierung will die Zuschussrente nur für Neurentner einführen. Allerdings gibt es noch keine konkrete Regelung. Wie das Gesetz aussieht, ist noch offen.

Stimmt es, dass die letzten Jahre vor der Rente mehr zählen?

Für die letzten Jahre vor der Rente gelten die gleichen Bedingungen wie für die ersten Berufsjahre. Jedes Beitragsjahr wird nach dem erzielten Verdienst gewertet. Allerdings ist in der Regel der Verdienst kurz vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben am höchsten.

Ich habe Zweifel, ob meine Rente richtig berechnet wurde. Wer kann mir helfen?

Zunächst sollten Sie Ihr Versichertenkonto genau überprüfen, ob alle Ausbildungs- und Beitragszeiten berücksichtigt sind. Haben Sie weiterhin berechtigte Zweifel, sollten Sie sich an eine Beratungsstelle der Rentenversicherung wenden. Bei rentenrechtlichen Streitfragen hilft auch der Sozialverband VdK.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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