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Abschied vom „Lappen“ auf Lebenszeit: Neue Führerscheine müssen künftig nach spätestens 15 Jahren ausgetauscht werden. Der EU-Gesetzgeber verspricht sich einen besseren Fälschungsschutz. Kritiker fürchten unnötige Bürokratie.

Abschied vom „Lappen“ auf Lebenszeit

EU-Führerschein: Das müssen Sie wissen

Brüssel - Abschied vom „Lappen“ auf Lebenszeit: Neue Führerscheine müssen künftig nach spätestens 15 Jahren ausgetauscht werden. Der EU-Gesetzgeber verspricht sich einen besseren Fälschungsschutz. Kritiker fürchten unnötige Bürokratie.

Der Einheitsführerschein kommt: Von diesem Samstag an werden die Führerscheine europaweit nur noch als Plastikkarten ausgegeben. Im Gegensatz zu den bisher in Deutschland üblichen lebenslang gültigen Fahrerlaubnissen müssen die künftigen Dokumente spätestens nach fünfzehn Jahren ausgetauscht werden. Eine neue Prüfung muss dafür aber nicht abgelegt werden, ein Gesundheitstest wird ebenfalls nicht fällig. Für Bus- oder Lkw-Fahrer gelten allerdings schärfere Regeln.

Der regelmäßige Umtausch soll laut EU-Kommission für einen zeitgemäßen Fälschungsschutz sorgen - etwa durch Hologramme. Außerdem ist der Besitzer bei Polizeikontrollen leichter zu identifizieren, wenn das Foto höchstens 15 Jahre alt ist.

„Gefälschte Führerscheine sind eine Lizenz zum Töten“, sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Freitag in Brüssel. „Deshalb brauchen wir Führerscheine, die leicht zu lesen, leicht zu verstehen und sehr schwer zu falsifizieren sind.“ Derzeit gibt es nach Angaben der EU-Kommission mehr als 110 verschiedene Fahrerlaubnis-Formate in Europa.

Eine sofortige Umtauschpflicht besteht nicht, bereits ausgestellte Führerscheine bleiben noch zwanzig Jahre gültig. Die Kosten des Tausches beziffert der ADAC auf 24 Euro. Wer für Fernreisen einen internationalen Führerschein braucht, muss allerdings schon vor 2033 umstellen: Dafür ist laut ADAC der neue EU-Führerschein Voraussetzung. Auch wenn vorerst kein Zwang zum Umtausch besteht, schimpfen Kritiker schon länger über den Verwaltungsaufwand. So spricht etwa die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände vom „Hyperbürokratismus“.

Neben den Führerscheine ändern sich am 19. Januar auch die Vorschriften für mehrere Fahrzeugklassen. So werden zum Beispiel drei - oder vierrädrige Krafträder (Trikes und Quads) anderen Klassen zugeordnet.

Der ADAC lobte am Freitag neben der besseren Sicherheit vor Fälschungen auch die EU-weite Datenbank, in der Führerscheinbesitzer registriert werden. Das verhindere „Führerschein-Tourismus“, also dass jemand, der seine Fahrerlaubnis in einem EU-Land verloren habe, den Schein einfach in einem anderen Land nochmal machen könnte, sagte eine Sprecherin.

Ein verpflichtender Gesundheitscheck ist für die meisten Fahrer nicht vorgesehen. Es sei „keine Altersgrenze“ im Gesetz enthalten, erklärte Kallas. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat empfahl in einer Reaktion allerdings gerade älteren Fahrern, ihre Tauglichkeit regelmäßig vom Arzt überprüfen zu lassen. Auch der ADAC, der sich immer gegen einen verpflichtenden Check eingesetzt hatte, setzt auf eine freiwillige Selbstkontrolle aller Autofahrer.

dpa

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