Starnberg - Wer tritt zur Bundestagswahl wo in Oberbayern an? In einer Serie stellen wir die Kandidaten mit den größten Chancen, in den Bundestag einzuziehen, vor.

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Bundesagrarministerin Ilse Aigner ( CSU ).
Man muss kein Wahrsager sein, um voraussagen zu können, wer das Direktmandat im Wahlkreis Starnberg erringen wird. Dass Ilse Aigner auch im vierten Anlauf mit haushohem Abstand den Wahlkreis, der die Kreise Starnberg, Bad-Tölz-Wolfratshausen und Miesbach umfasst, erobern wird, ist so klar wie die gute Luft im Oberland. 2005 erreichte sie bei den Erststimmen 59,7 Prozent, vier Jahre zuvor waren es noch über 63 Prozent gewesen. Es bröckelt etwas, doch auf hohem Niveau.
„Ich spreche nicht über Prozentzahlen“, wiegelt die 44-Jährige ab, die seit Oktober 2008 Bundesagrarministerin ist. „Entscheidend ist jede Stimme, und deshalb werden wir weiterkämpfen.“ Und so ist die CSU -Politikerin trotz Ministeraufgaben so oft wie möglich auf Terminen daheim unterwegs. Sie weiß, dass es darauf ankommen wird, ob und wie viele Stimmen die Liberalen, die in Bayern mit der CSU regieren, den Christsozialen abnehmen werden. Davon hängt die Bedeutung ab, die der CSU in einer Regierungskoalition zukommen würde.
2005 erreichte die CSU bei der Bundestagswahl bayernweit 49,2 Prozent, die SPD 25,5 Prozent, die FDP 9,5 Prozent und die Grünen 7,9 Prozent. Die letzte bayernweite Wahlumfrage vom Juli sieht die CSU bei 46 Prozent, für die SPD 19 Prozent, die FDP 14 Prozent vor den Grünen mit 11 Prozent.
„Ein deutlich zweistelliges Ergebnis“ verspricht sich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Obwohl sie weiß, dass Aigner die Erststimmen abräumen wird, hofft sie auf einen deutlichen Zuwachs. 2005 erreichte sie 7,9 Prozent bei den Erststimmen. „Als FDP haben wir das klare Ziel: Schwarz-Gelb in Berlin “, so die bayerische FDP-Chefin. Dabei setzt sie auf eine sachliche Auseinandersetzung mit dem bayerischen Koalitionspartner.
Die Zukunftssorgen der Bauern liegen Aigner schon wegen ihres Ministeramts am Herzen. 2013 beginnt eine neue Finanzierungsphase der EU-Agrarpolitik. Die Diskussionen über den Finanzrahmen laufen schon. „Es geht grundsätzlich um die Frage, wie künftig die Gelder aufgeteilt werden“, zeigt sich Aigner besorgt. Es scheine sich abzuzeichnen, „dass es sehr wohl eine Flächenprämie geben wird als auch Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete.“ Die Tendenz gehe sehr stark dahin, die Zahlungen an Qualitätsstandards zu binden.
Was den Tourismus anbelangt, sieht es Aigner für die nächste Legislaturperiode als eine wichtige Aufgabe an, ein „differenziertes Mehrwertsteuerkonzept“ zu entwickeln. Die Wirte und Hoteliers drängen darauf, die Mehrwertsteuer in ihrem Bereich auf sieben Prozent zu senken.
Klaus Barthel, der mit Listenplatz fünf nicht um seinen Wiedereinzug in den Bundestag bangen muss, macht sich für den Wahlkampf Mut – auch wenn die Prognosen der SPD kaum 20 Prozent zutrauen. „Mein Ehrgeiz ist, diese Naturgesetzlichkeit aufzubrechen. Das muss nicht auf alle Ewigkeit so sein“, sagt er tapfer. Langen Atem brauche die SPD . Und er setzt auf die beiden letzten Wochen im Wahlkampf, den Endspurt.
Der bayerischen FDP-Chefin ist nur so viel zu entlocken, dass sie sich auch künftig mit Rechtspolitik befassen wird – „in welcher Aufgabe auch immer“. Sie habe sich strikt auferlegt, nicht zu spekulieren. Aber: „Dass ich Ministererfahrung habe, weiß jeder.“ Doch erst müsse der Bürger den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen.
Weitere Direktkandidaten:
Karl Bär (24), Student der Landwirtschaft und Islamwissenschaften aus Holzkirchen (Kreis Miesbach), für die Grünen; Sieglinde Knöchner (55), Betriebswirtin aus Gauting (Kreis Starnberg) für Die Linke; Ron Appelt (21) aus Gauting (Kreis Starnberg) für die NPD.
Von Claudia Möllers
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