Frankreich: In der Bretagne findet jeder seinen Hinkelstein

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    • 02.11.09
    • Frankreich
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Urlaub im Asterix-Land

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Der Golf du Morbihan in der südlichen Bretagne lockt mit mildem Klima, gutem Essen, hübschen kleinen Fachwerkstädtchen und rätselhaften Felsklumpen, die an die Hinkelsteine von Obelix erinnern.

Bretagne

© dpa

Bretagne: Die Westküste von Finistãre, hier am Cap Sizun.

Und gerade zum 50. Geburtstag von Asterix drängt sich deshalb die Frage auf: Ist er vielleicht hier zuhause, der berühmteste Gallier der Welt? Stephan Brünjes begab sich auf Spurensuche:

Das muss er sein – Obelix’ Vorgarten: gut einen Kilometer lang, 100 Meter breit und bis zum Horizont mit Hinkelsteinen übersät. Genau 1099 der grauen Felsklumpen recken sich hier zwischen grün-violettem Heidekraut und gelbem Ginster bis zu vier Meter in die Höhe. Drei solcher Obelix-Plantagen gibt es im südbretonischen Carnac und sie machen das 4000-Seelen-Dorf zum sprichwörtlich steinreichsten der Welt.

Golf du Morbihan  - bretonisch für „kleines Meer“

Für das ansonsten eher verschlafene Nest ist die Touristen-Attraktion ein schönes Geschenk. Aber wer zeichnet dafür wirklich verantwortlich? Das ist ziemlich unklar und zwar schon seit gut 4000 Jahren. So lange stehen die Hinkelsteine nachweislich schon hier. Und locken inzwischen bis zu 800 000 Steinegucker in den Ort und die Region.

Bretagne Hinklestein Reise© dpaHinkelstein an Hinkelstein  - Carnac könnte Obelix Vorgarten sein.

Eigentlich ist ja der ganze Golf du Morbihan (bretonisch für „kleines Meer“) umstellt mit Hinkelsteinen, Steinkreisen und Steingräbern. Und die Legenden rund um diese rätselhaften Felsklumpen machen einen Trip hierher zu einem Mix aus Geschichtskrimi und Fantasy-Abenteuer. Denn es kann schon passieren, dass man arglos auf einen grünen Hügel neben der Landstraße bei Arzon steht und den atemberaubenden Rundumblick über Felder, Atlantikküste und den fast wie ein Binnensee daliegenden Golfe du Morbihan genießt, um anschließend zu erfahren: Erstens hat man gerade ein 20 Meter hohes, prähistorisches Steingrab bestiegen – den „Tumulus de Tumiac“ und zweitens – Julius Caesar hat’s genauso gemacht, damals um 56 vor Christus. Allerdings nicht zum Sightseeing, sondern zwecks Schlacht-Seeing. Denn da unten im Golf du Morbihan war Brutus gerade damit beschäftigt, die Segelboote der keltischen Veneter zu versenken.

Menihr - bretonisch für Hinkelsteine

Heute präsentiert sich der schärenartige Golf mit seinen teils unbewohnten, teils in Privatbesitz befindlichen insgesamt 60 Inseln als luftiges Wassersportrevier. Schnellboote preschen übers Wasser, Segeljachten kreuzen und Surf-Novizen wackeln mit bunten Segeln über die Wellen. Wer selbst ausprobieren will, wie es sich anfühlt, diese kabbelige See zu durchpflügen, der muss nach Port Navalo. Von hier aus nämlich steuert Albert die womöglich kleinste Fähre der Welt durch den Golf.

Bretagne© dpaHübsche Altstadt mit windschiefen Häusern: Quimper in der Bretagne.

Höchstens 33 Personen dürfen an Bord der „Les Lez“. Während die dieselbetriebene Nussschale gerade an der Mini-Insel Er Lanic vorbeischaukelt tauchen sie am Ufer plötzlich wieder auf – die Hinkelsteine. „Menhire“ heißen sie auf bretonisch, erklärt Albert – „lange Steine“.

Und auch er hat eine Geschichte, wie die vielen Steien in diese Gegend gekommen sein sollen: Als Papst Cornelius im Jahre 253 auf der Flucht aus Rom war, hat er sich hier umgedreht und seine Verfolger, immerhin 3000 römische Soldaten, zu Steinsäulen erstarren lassen. Klingt nicht schlecht, diese Legende. Wenn da nur nicht dieses schelmische Grinsen in Alberts sonnengegerbtem Gesicht wäre, während er sie erzählt ...

Ankunft in Locmariaquer, einem Ort, der auch einen berühmten Stein hat, nämlich das 130 Meter lange Grabmal „Table des Marchands“. Vor allem aber hat Locmariaquer das milde Golf-Klima mit mehr als 2000 Sonnenstunden pro Jahr und Temperaturen von meist über 28 Grad. Am schmalen Hafenpfad schlendert man an schnuckelige Gärtchen vor weißen Bilderbuchhäuschen mit azurblauen Fensterläden entlang. Oder man schippert das Flüsschen Auray hoch in die gleichnamige Stadt mit einem Hafen, kaum größer als ein Carport.

Auf dem Kopfsteinpflaster- Laufsteg drumherum lässt es sich beim Bummeln prima überlegen, ob man sich auf einen Zaubertrunk in die „Honky Tonk Bar“ setzen soll oder lieber bei „La Marie Galante“ eine herzhafte Galette probieren soll, die traditionelle bretonische Crêpe. Und dann schnell noch in die Rue du Château, eine Gasse hinterm Hafen, so steil, dass man einfach in jeder der wohl 20 Galerien reinschauen und bei Aquarellen oder gewöhnungsbedürftigen Seepferdchen- Skulpturen aus Dusch-Brauseköpfen verschnaufen muss.

Fleur de Sel aus den Salzgärten um Guérande

Wenn’s eine längere Wanderung sein soll: Der Küstenwanderweg GR 34 führt auf gut beschilderten Pfaden vorbei an geschätzen 101 Buchten mit schroffen Klippen, pechschwarzen Miesmuschelbänken und Stränden mit feinstem Sanduhrensand nach Guérande, den Ort, der einst durch die Salzgewinnung reich geworden ist. Noch immer ist dieses „Fleur de Sel“ aus den Salzgärten um Guérande sehr begehrt, weil es viele Spurenelemente enthält.

Bretagne© dpaBretagne

Auf dem Rückweg in einem Dorf am Wegesrand: eine bretonische Hochzeit. Das Brautpaar schreitet strahlend durch ein Steingrab, einen sogenannten Dolmen. Das bringt angeblich Glück. Und in puncto Kindersegen hofft die Braut auf die magische Wirkung eines Hinkelsteins. Deshalb reibt sie ihren Bauch an dem Felsbrocken. Ob’s hilft? Halten wir es doch einfach mit dem französischen Dichters Gustave Flaubert. Er hatte nach seinem Aufenthalt am Golf du Morbihan vor 160 Jahren die Nase voll von all den Spekulationen um die Felsbrocken: „Wenn man mich nach so vielen Ansichten fragt, welche meine sei, so werde ich eine unabweisbare aussprechen – und diese ist: Die Steine von Carnac sind große Steine.“ Recht hat er!

Stephan Brünjes

REISE-INFOS ZUM GOLFE DU MORBIHAN

REISEZIEL Die Bretagne im Nordwesten Frankreichs ragt als Halbinsel ins Meer. Ihre südliche Küste liegt im Atlantik, die nördlichen im Ärmelkanal. Der Golfe du Morbihan liegt bei Vannes an der Südküste.

ANREISE Air France fliegt zweimal täglich von München über Lyon nach Brest. Darüberhinaus bestehen Verbindungen über das Drehkreuz Paris-Charles de Gaulle. Hin- und Rückflug nach Brest ab 227 Euro inkl. Steuern und Gebühren. Buchung unter www.airfrance.deoder unter Tel. 01805/830830 (0,14 euro/min).
Mit dem Auto am schnellsten über Paris nach Rennes.

KLIMA/REISEZEIT  Die Bretagne hat – vor allem im Süden – ein sehr mildes Klima und 2020 Sonnenstunden pro Jahr. Niederschläge an der Küste sind selten, plötzliche Wetterumschwünge aber an der Tagesordnung. Badeurlauber sollten im Hochsommer kommen, wer vor allem die historischen Stätten sehen will, ist im Frühjahr und im Herbst besser dran.

REISETYP Für Badeurlauber, Segler und sonstige Outdoor-Fans. An der Küste schlängelt sich der Wanderweg Gr 34 entlang. Genießer kommen in den kleinen Orten auf ihre Kosten, in denen es hübsche Lokale zu entdecken gibt.

WOHNTIPPS Hotel du Loch, Auray, Zimmer mittleren Standards, gute Küche und eine schöne Sonnenterrasse, Doppelzimmer ab 60 Euro, www.hotel-du-loch. com. Näher an den Steinfeldern und zugleich am Strand wohnt man im Hotel Diana in Carnac, Doppelzimmer ab 120 Euro.

GASTROTIPP Im Le Vieux Logis in Guerande, einem Gewölbe-restaurant, braten Eliane und Michael Stéphan leckere Fleischspieße im Holzfeuer. (levieuxlogisguerande. over-blog.fr). Galette und bretonischen Kir gibt’s im La Marie Galante in Auray. Ausgezeichnete Meeresfrüchte hat das Restaurant Lann Roz in Carnac auf der Karte (www.lannroz.com).

SEHENSWERT Die Megalithfelder von Carnac sind täglich zu besichtigen, sehenswert auch das Besucherzentrum in Le Ménec sowie das Museum für Frühgeschichte (www.carnac.monuments-nationaux. fr).
In Guerande kann man nicht nur den Salzbauern auf den Feldern bei der Arbeit zusehen, sondern sich auch über die Salzgewinnung und -Verarbeitung informieren im sehr guten Besucherzentrum „Terre et sel“, das in einer alten Salzscheune untergebracht ist – eine Attraktion auch für Kinder (www.terredesel.fr).
Fahrten durch den Golf du Morbihan, z.B. mit der Fähre „les lez“, können auch privat gebucht werden. Ein halber Tag kostet 470 Euro für maximal sechs Personen (www.bateautaxi. com).

WEITERE INFOS Maison de la France, Tel. 0900/157 00 25, http://de.franceguide. comoder www.tourismebretagne.com.

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