Vietnam: Eine Reise auf dem Mekong

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    • 21.05.11
    • Asien
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Das Leben ist ein Fluss

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Wo er genau entspringt, da sind sich die Geologen bis heute nicht sicher. Zu schwer erreichbar ist das Quellgebiet im Hochland von Tibet. Auch wie lang er ist, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. 4350 Kilometer? Oder 4975?

Vietnam

© dpa

Der Fluss versorgt die Menschen mit Fischen, er düngt die Reisfelder und dient als Transportweg.

Am Ende fließt er neunarmig in einem Delta – mit 40.000 Quadratkilometern so groß wie die Niederlande – ins südchinesische Meer. Unser Autor Matthias Kristlbauer beschreibt das Leben auf dem langen, nicht immer ruhigen Fluss.

© Matthias KristlbauerKapitän Pham Van Thong: Ganz entspannt am Steuerrad: Seit 30 Jahren fährt der 53-Jährige Pham Van Thong auf dem Mekong – früher war er Kapitän auf Reisfrachtern und Restaurantbooten, jetzt zeigt er Touristen auf Kreuzfahrten mit der Bassac II durch das Delta die Schönheit des 40.000 Quadratkilometer großen Gebietes, in dem er, wie er stolz sagt, jeden Nebenfluss kenne.

Es ist schwül, Kapitän Thong hat es sich bequem gemacht. Barfuß, aber mit weißem Hemd und blauer Hose, sitzt er auf seinem Kapitänsstuhl und steuert die Bassac II durch die braunen Fluten des Mekong stromabwärts in Richtung Meer. „Co van de“, sagt Thong, was heißen soll, dass es nicht sehr schwierig sei, das Schiff durch den zäh fließenden Strom zu bewegen. Trotz des vielen Verkehrs. Aber Pham Van Thong ist auch ein Mann mit Erfahrung. „Ich kenne jeden Nebenfluss im Mekong-Delta“, sagt der 53-Jährige. Früher waren es Reisfrachter und Restaurantboote, jetzt ist es die Bassac II, ein kleines Kreuzfahrtschiff mit zwölf Kabinen.

Die Fahrt der Bassac II hat in Can Tho begonnen, der mit rund 1,3 Millionen Einwohnern größten Stadt im Mekong-Delta und wohl auch der wichtigsten. Can Tho ist seit der französischen Kolonialzeit das Wirtschaftszentrum der Region. Während des Vietnam-Kriegs waren hier tausende US-Soldaten stationiert, um sich draußen am Fluss und in den Urwäldern mit den Vietcong aufzureiben.

Sanft gleitet die Bassac II dahin, an den Ufern des Mekong ziehen Wasserhyazinthen und Mangroven vorbei und Häuser, die auf Holzpfählen stehen. Etwa 4.500 Kilometer hat der Strom auf seiner Reise aus dem tibetischen Hochland bis hierher schon zurückgelegt. In Kambodscha hatte er sich zuvor in zwei Arme geteilt – den Oberen und den Unteren Mekong. In Vietnam verzweigen sich die Flussläufe weiter. „Song Cuu Long“ – Fluss der neun Drachen – nennen die Einheimischen den Mekong deshalb.

Es ist eine sehr fruchtbare Gegend, denn in der Regenzeit setzt der Fluss weite Landstriche unter Wasser und versorgt sie so mit Nährstoffen. Die drei Reisernten im Jahr decken die Hälfte des Jahresbedarfs Vietnams. Von den 17 Millionen Menschen, die im Mekong-Delta zu Hause sind, leben 15 Millionen von der Landwirtschaft und der Fischerei.

Vietnam© dpaEssen für die Gäste: Eine Vietnamesin verkauft Obstkörbe.

So reich die Region hinsichtlich ihrer natürlichen Voraussetzungen auch sein mag, die Menschen sind es oft nicht. Nguyen Thi Thu hockt auf dem Boden ihres Wellblechverschlags und flicht eine Matte aus Seegras. Drei Matten könne sie am Tag herstellen, erzählt Thu. Das sind für die Mutter und ihre 14-jährige Tochter etwa 100.000 Dong am Tag, etwa dreieinhalb Euro.

Oft ist die Arbeit hart. Auf einer Kokosnussplantage stemmen ein Mädchen und ein Junge mit einem scharfen Eisen die Früchte auf. Rund 1500 Nüsse knacken sie am Tag, sagen sie. Weil die Hitze tagsüber drückt, fangen sie schon nach Mitternacht an. Dann geht es zwölf Stunden durch. Die Fasern der Früchte, aus denen auch Fußabstreifer gefertigt werden, trocknen auf einem Feld.

Arbeiter, die gerade Pause machen, tuscheln. Sie fragen sich, was die Ausländer auf der Plantage machen. Besucher sind nämlich eher die Ausnahme in den abgelegenen Ecken des Deltas. Aber offenbar eine willkommene. Kinder rufen freudig „Helau!“, wenn sie uns Langnasen entdecken, die wir verschwitzt auf einem Fahrrad daherstrampeln.

Einige Familien, wie die von Nguyen Ba Cuong, nehmen mittlerweile auch Gäste auf. Der Weg zu seinem „Enthusiastic Homestay“, dem begeisternden Familienaufenthalt, wie er diesen auf seiner Visitenkarte anpreist, führt vorbei an Bananenstauden und ist beinahe so gut versteckt wie der Ho-Chi-Minh-Pfad. Der Garten ist ein Idyll. Hier wachsen Mangos, Papayas und Drachenfrüchte. Der Hahn im Käfig kräht. Nach dem Mittagessen mit Frühlingsrollen und Fisch schenkt der Hausherr in kleinen Porzellanbechern Reisschnaps aus und stößt mit den Gästen an. „Joo!“ So klingt das Prost der Vietnamesen, auch wenn man „Do“ schreibt. Das Zeug jedenfalls geht sofort ins Blut. Manche Bauern, so heißt es, trinken einen Liter pro Tag.

Über dem Mekong liegt mittlerweile die Dämmerung. Kapitän Thong hat die Bassac II in einen Nebenkanal gesteuert. Dort will er ankern und die Nacht verbringen. Abendessen gibt es für die Gäste auf dem Oberdeck im Freien. Auf einem vorbeiziehenden Frachter schaukelt ein Mann in einer Hängematte. Am Ufer wäscht sich eine Frau die Haare im Flusswasser.

Vietnam© dpaVietnam

Das Leben im Mekong-Delta ist ein langer ruhiger Fluss. Ganz anders als das in der zwei Autostunden entfernten Neun-Millionen-Metropole Saigon, wo vier Millionen Mopeds und Roller durch die Straßen knattern und das Überqueren der Straße Fremden den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Im Mekong-Delta tun das die „Affenbrücken“. Denn wer hier von einem Ufer des Flusses zum anderem gelangen will, muss über die klapprigen Bambus-Konstruktionen balancieren und beten, dass er nicht daneben tritt.

Auch Handel wird auf der Lebensader Mekong getrieben. Auf schwimmenden Märkten bieten Bauern ihre Waren feil. Der größte ist der von Cai Rang, ein paar Kilometer von Can Tho entfernt. Boote mit Früchten und Gemüse schaukeln dicht an dicht vor sich hin. An einem Bambusmast haben die Schiffseigner ein Muster ihres Verkaufsangebots aufgehängt, mal eine Ananas, mal Bananen oder Süßkartoffeln. Vom Bug der Lastkähne blicken große böse Augen. Der Überlieferung nach gab es früher im Mekong Süßwasser-Krokodile. Die Augen auf den Schiffen sollten sie vertreiben.

Es war eine ruhige Nacht auf der Barke. Um 5.30 Uhr lässt Kapitän Thong die Anker lichten und startet die beiden Diesel. Im Morgendunst über dem Mekong tuckert die Bassac II in Richtung der Stadt Cai Be, dem Ziel der Reise. Auf dem Fluss ist noch wenig Verkehr. Dafür plärren an den Ufern blechern die Lautsprecher. Nachrichten der vietnamesischen Behörden via Volkssender. Viele Menschen im Mekong-Delta haben kein Radio oder Fernsehen – geschweige denn Internet.

Irgendwann wird sich das ändern. Die jungen Menschen im Delta glauben schon jetzt an eine bessere Zukunft. In der Grundschule von Balang unterbricht die Lehrerin wegen der Gäste den Unterricht. Was die Erstklässler denn später werden wollen? „Friseurin“, ruft ein Mädchen. „Soldat“, meint ein Bub. Ein anderer will Doktor werden. Und einer kann sich eine Karriere als Schauspieler vorstellen. Die anderen Kinder lachen. Schauspieler? Das klingt hier im Mekong-Delta, als würde einer vom Mond reden. Auch wenn Saigon nur zwei Autostunden entfernt ist.

REISE-INFOS ZU VIETNAM

REISEZIEL Das Mekong-Delta liegt im Süden von Vietnam und misst insgesamt knapp 40.000 Quadratkilometer. Zu erreichen ist das Delta auf dem Landweg von Ho Chi Minh City aus, dem früheren Saigon.

ANREISE Vietnam Airlines fliegt dreimal pro Woche von Frankfurt aus nach Ho Chi Minh City. Preise ab 749 Euro. Zusatzflüge im Inland, etwa von Ho Chi Minh City nach Phu Quoc, sind vergünstigt. Buchungen unter www.vietnamairlines.com oder im Reisebüro. Für die Einreise in Vietnam werden ein Visum sowie ein Pass benötigt, der bei Ankunft noch mindestens sechs Monate gültig sein muss.

REISETYP Die Fahrt ins Mekong-Delta ist etwas für Menschen, die in eine fremde Kultur eintauchen wollen – und die ein bisschen abenteuerlustig sind.

REISEZEIT/KLIMA Im Süden Vietnams herrscht tropisches Klima mit ganzjährig hochsommerlichen Temperaturen zwischen 26 und 40 Grad. Die beste Reisezeit sind die Monate November bis April außerhalb der Regenzeit. Auch nachts liegen die Temperaturen deutlich über 20 Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch.

GESUNDHEIT Das gesundheitliche Risiko ist bei Reisen auf touristischen Pfaden gering. Dennoch empfiehlt sich vor der Reise eine Beratung durch einen Tropenmediziner. Weil in dem Gebiet auch Malaria und Dengue-Fieber vorkommen, sollte auf entsprechenden Mückenschutz geachtet werden.

WOHNEN Bei einer Reise durchs Mekong-Delta steht die ganze Palette an Unterkünften vom einfachen „Homestay“ bei einer Familie im Mehrbettzimmer (ca. 15 Euro mit Frühstück) bis hin zum Fünf-Sterne-Hotel zur Auswahl.

NEBENKOSTEN Vietnam ist verglichen mit Europa günstig. Ein Essen in einem einfachen Restaurant ist für 3 bis 4 Euro zu haben, in einem gehobenen Lokal ab 6 Euro. Softdrinks kosten ab 70 Cent, Bier ab 80 Cent. Die Fahrt mit einem Moped-Taxi kostet etwa 70 Cent.

BADEN GEHEN Phu Quoc, Vietnams größte Insel, ist noch ein echter Geheimtipp für Badeurlaub. Sie liegt westlich der Südspitze Vietnams, direkt an der Grenze zu Kambodscha. Die Strände sind recht ruhig. Der Süden der Insel ist touristisch fast völlig unerschlossen.

RUNDREISE Die Fahrt durchs Mekong-Delta ist Teil einer 15-tägigen Vietnam-Reise, die Marco Polo ab 1999 Euro anbietet. Im Preis inbegriffen sind Flüge, Rundreise, Übernachtungen in Drei- und Vier-Sterne-Hotels und eine Deutsch sprechende Reiseleitung. Individuell zubuchbar ist eine Kreuzfahrt auf dem Mekong, zum Beispiel auf der Bassac, ab 315 Euro pro Tag inklusive Vollpension und Transfers. Ein abschließender Badeurlaub auf Phu Quoc kostet mit Flügen ab Saigon oder Can Tho mit vier Übernachtungen inklusive Frühstück im Resort-Hotel La Veranda ab 505 Euro.

INFO/BUCHUNG bei Marco Polo Reisen in München, Telefon 00800/ 44014401. Internet: www.marco-polo-reisen.com.

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