Immer mehr Touristen entdecken die Antarktis als Reiseziel

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    • 18.03.13
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Umweltschützer besorgt

Immer mehr Touristen entdecken die Antarktis

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Ross Island - Keine Verbote, keine Vorschriften, keine Regeln - wer in die Antarktis reist, dem ist fast alles erlaubt. Die Zahl der Touristen steigt nach einer kurzen Pause wieder, was Umweltschützer mit Sorge erfüllt.

Antarktis

© AP

Die Antarktis lockt immer mehr Touristen an

Bei 35 000 Besuchern pro Jahr kann von einer Touristenattraktion eigentlich kaum die Rede sein. Das sieht allerdings ganz anders aus, wenn es sich um das von der Zivilisation unberührteste Gebiet überhaupt handelt: Die Antarktis. Umweltschützer sind besorgt über steigende Zahlen von Urlaubern, die hierherkommen. Vor allem, weil es bislang so gut wie keine Vorschriften im Umgang mit der Natur gibt.

Es ist nicht nur die Anzahl der Touristen, die Sorge bereitet, es sind auch ihre Erwartungen. „Antarktis-Urlaub in den 80er und 90er Jahren - das waren vor allem Leute mittleren Alters, die auf kleinen Kreuzfahrtschiffen unterwegs waren“, berichtet Alan Hemmings, ein auf Polargebiete spezialisierter Umweltberater. „Sie gingen an einigen wenigen Stellen an Land, um Tiere zu sehen oder historische Stätten zu besichtigen.“ Heute seien vielfältige Aktivitäten gefragt wie Wasserski, Tauchen, Fallschirmspringen, Touren ins Landesinnere - ein Erlebnisurlaub also.

In den 80er Jahren kamen weniger als 2000 Besucher in das um den Südpol gelegene Gebiet, zwischen 2007 und 2008 waren es 46 000. Als Folge der Wirtschaftskrise ging die Zahl zurück, steigt jetzt aber wieder. In der Saison 2012/2013, die von November bis März dauert, besuchten schätzungsweise 35 000 Menschen die Region.

Eine Reise in die Antarktis gefährdet nicht nur das dortige Öko-System, sie ist auch ein Risiko für die Touristen selbst. Bei einem Rundflug prallte 1979 eine Maschine der neuseeländischen Fluggesellschaft Air New Zealand gegen den Vulkan Mount Erebus auf der Ross-Insel, alle 257 Menschen an Bord starben. 1997 kamen bei einem Fallschirmsprung in der Nähe der Amundsen-Scott-Südpolstation, einer US-Forschungsstation, drei Männer ums Leben. Vermutlich litten sie unter Sauerstoffmangel und konnten ihre Fallschirme deshalb nicht rechtzeitig öffnen. 2011 verunglückte ein norwegisches Schiff mit drei Menschen an Bord bei einem Sturm im Rossmeer. Und Hilfe in dem riesigen Gebiet ist immer weit entfernt.

Touristen betreten die Antarktis in der Regel über die Antarktische Halbinsel, die von Argentinien und Chile aus gut erreichbar ist. Ein weiteres beliebtes Ziel ist das Rossmeer auf der anderen Seite des Kontinents, von Neuseeland oder Australien aus nach einer zehntägigen Schifffahrt zu erreichen. Auf der Ross-Insel befindet sich die größte Antarktis-Siedlung, die von den USA betriebene McMurdo-Station, in der etwa 1200 Menschen leben, ebenso wie die neuseeländische Antarktis-Station Scott Base mit nicht mehr als 90 Bewohnern. Beide liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Besucher sind hier herzlich willkommen.

Umweltschützer befürchten zum einen, dass Touristen - auch unbewusst - Pflanzen, Pilze oder ähnliches einschleppen könnten. Größer ist allerdings die Sorge, dass Kreuzfahrtschiffe mit Urlaubern in den engen Wasserwegen verunglücken könnten. Die Folge wäre eine dramatische Umweltverschmutzung wegen ausströmenden Öls. Auch seien die insgesamt 39 meist sehr kleinen und spärlich verteilten Antarktis-Siedlungen überfordert, wenn sie gestrandeten Touristen Hilfe leisten müssten.

Um das Risiko einer Ölverschmutzung zu verringern, verbot die UN-Schifffahrtsorganisation (IMO) 2011 die Nutzung von Schweröl für Schiffe, die unterhalb des 60. südlichen Breitengrads unterwegs sind. Für die Kreuzfahrtbranche ist das nur ein vorübergehendes Problem: Sie verwendet für Antarktis-Touren mittlerweile Schiffe mit leichterem Öl.

Bemerkenswert ist das UN-Verbot vor allem deshalb, weil es quasi die derzeit einzige verbindliche Anordnung in Bezug auf Antarktis-Tourismus ist. Zwar vereinbarten die Antarktis-Staaten eine Reihe von Regeln, die aber nicht verpflichtend sind. Die Ausnahme sind zwei Vorschriften - in der einen geht es um eine Versicherungspflicht für Reiseveranstalter, in der anderen um die Höhe der Passagierzahl von Kreuzfahrtschiffen, die anlegen dürfen - aber beide wurden bislang nicht umgesetzt. „Wenn es fünf oder zehn Jahre dauert, etwas in Kraft zu setzen, worauf man sich geeinigt hat, ist es sehr schwer, die Entwicklung des Tourismus in der Antarktis überhaupt zu managen“, kritisiert Hemmings. Nach seiner Ansicht ist der Mangel an Vorschriften eines der Hauptprobleme.

Die IMO plant die Einführung eines Polarcodex, der Sicherheitsstandards bei Schiffen regeln soll, die die Arktis und die Antarktis befahren. Er sollte ursprünglich bereits 2013 in Kraft treten, es wird nach IMO-Angaben aber vermutlich bis 2014 dauern, bis er angenommen wird. Bevor er dann umgesetzt werden kann, werden weitere 18 Monate vergehen.

Als Folge, so erklärt Steve Wellmeier, Sprecher eines Reiseveranstalterverbandes, werden einige Schiffe die Gebiete künftig nicht mehr befahren dürfen. Er sieht im Antarktis-Tourismus kein Problem, die Zahl der Reisenden werde schon deshalb nicht dramatisch ansteigen, weil die Zahl der für diese Art von Urlaub zur Verfügung stehenden Schiffe beschränkt sei, argumentiert er.

Zustimmung bekommt er von eher unerwarteter Seite: Der aus Australien stammende Abenteurer Tim Jarvis bezeichnet den Tourismus nicht als Hindernis, sondern als mögliche Lösung des Umwelt- und Klimaproblems. Je mehr Menschen die Folgen des Klimawandels insbesondere auf der Antarktischen Halbinsel zu Gesicht bekämen, desto mehr verstünden sie die Notwendigkeit, den Kontinent schützen zu müssen. „Meine Botschaft ist, dass wir alle viel mehr tun können, als wir glauben, in der Lage zu sein, und das sollten wir nutzen, aber verantwortungsvoll“, sagte Jarvis.

AP

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