SAMSTAG Ankunft in der Mitte Afrikas
Es ist schon dunkel, als wir auf dem Flugplatz von Arusha landen, der so heißt wie Afrikas höchster Berg: Kilimandscharo. Eine Stunde dauert der Transfer in die Stadt. Holzfeuer und Hupen, Stimmen, Musik und samtige Luft: Wir können Afrika durchs offene Autofenster riechen, spüren und hören. Sehen können wir nichts, die Nacht ist tiefschwarz wie Ebenholz.
Wo traf man Hemingway an solchen Orten? Richtig, abends immer an der Bar, wo man sich die besten Geschichten erzählt. Wir ordern unser erstes tansanisches Bier, das so heißt wie Afrikas höchster Berg: Kilimandscharo Der schneebedeckte Gipfel leuchtet vom Etikett.
SONNTAG Der wahre Reichtum in der Wildnis
Erste Tansania-Lektion: Afrika kann sehr kalt sein. Blick aus dem Fenster morgens um sieben: Der Gärtner in der Hotelanlage trägt eine Wollmütze. Kurze Safarihose? Vergiss es! Den Sonnenschutz können wir uns vorerst auch sparen, es regnet. Das kann ja heiter werden.
Zweite Tansania-Lektion: Geld ist nicht der wahre Reichtum des Landes. Die Inflation galoppiert so schnell wie ein Warzenschwein in der Serengeti. Umtausch in der Wechselstube: So schnell wird man in Afrika zum Millionär.
Langsam verdrängt die Wildnis die Zivilisation auf der Ausfallstraße von Arusha zum Lake Manyara, dem ersten Nationalpark, den wir besuchen werden. Am Straßenrand verschwinden Häuser, Läden und Tankstellen, wir sichten die ersten Giraffen und Zebras im weiten Grasland. Dicke Baobabs, die markantesten unter Afrikas Bäumen, recken ihre Arme in den Himmel.
Ein paar Serpentinen noch, von oben ein erster Blicke auf den Lake Manyara, ein letztes Stück lehm-rote Schüttelpiste und wir erreichen unser Quartier für die Nacht. Die Kirurumu Manyara Lodge ist ein Traum aus „Jenseits von Afrika“. In solchen schilfgrünen Wohnzelten haben wohl einst die Safaripioniere logiert. Unser Vorteil heute: Dass wir unsere Zelte nicht aufbauen müssen. Sie stehen fest montiert auf einer Holzterrasse mit gemauertem Duschbad rückwärtig, schön verteilt unter Bäumen im weiten Gelände. Durch mückensichere Netze kann man vom Bett aus in den Nachthimmel schauen, hört die Affen übers Dach trappeln, spürt, wie sich Tiere an der Zeltwand reiben. Afrika hautnah mit eingebautem Sicherheitsfaktor.
Auf dem Rückweg zum Camp begegnet uns der erste Elefant im weiß blühenden Stechapfelfeld. Sein Interesse an uns ist weitaus geringer als umgekehrt. Gelangweilt fingert er mit seinem Rüssel im Gebüsch und würdigt die komischen Menschen mit den klickenden Apparaten keines Blickes. Blöde Touristen, die einen beim Abendessen stören ...
MONTAG Eine Kobra ist in Gefahr
Eine Safari ist nichts für Langschläfer. Unser Professor kennt den Stundenplan der Tiere. „Frühstück um sechs, um halb sieben sind wir auf der Piste“, gibt er die strenge Order aus. Um nicht zu verschlafen, stellt Stefan, der Hotelier aus München, den Wecker. Sohn Patrick (8) erzählt beim Frühstück begeistert, wie sich die Vögel bei Sonnenaufgang mit dem Piepser unterhalten haben.
Die Piste hinauf zum Ngorongoro Krater hat weniger Schlaglöcher als manche Kreisstraße in unserer bayerischen Heimat. Fahrer Loti schimpft auf die Steuern, die sie für den asphaltierten Luxus zahlen müssen. „20 Prozent vom Lohn, pah!“ Wie ähnlich Europa und Afrika sich doch manchmal sein können ...
Es ist Mittag, als wir den Krater umrundet haben und in Richtung Serengeti fahren. Für die Zebras ist jetzt Kuschelzeit. Neben der Piste stehen sie im Grasland, die Köpfe gegenseitig auf den Rücken gestützt. Ob sich Paul Anka von denen zu seinem Song „Put your head on my shoulder“ inspirieren ließ, überlegt Evelyn, die Arzthelferin aus Rottach-Egern. Henning erklärt ihr, was es mit den kuschelnden Zebras auf sich hat: „Groomen nennt man dieses Verhalten, das ist sowas wie Sozialkontakte pflegen.“ Die Mittagszeit sei dafür ideal: „Das Tier will sich in der Hitze so wenig wie möglich bewegen. Und es kann jetzt auch ganz entspannt sein, weil die Löwen nur morgens und abends jagen.“
Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel, das sind die klassischen Big Five, die jeder Tourist einmal auf Safari gesehen haben will. Je nach Schutzgebiet besteht eine mehr oder minder große Erfolgsgarantie, in der tierreichen Savanne der Serengeti ist sie besonders groß. Aber was wir an diesem Nachmittag auf dem Weg zur Serengeti Sopa Lodge zu sehen bekommen, ist sowas wie der Sechser im Safari-Lotto:
„Oh my God!“, ruft Loti, „wisst Ihr, was Ihr gerade für ein Glück gehabt habt! Sowas sieht man nicht einmal im Leben, sondern höchstens ein halbes Mal.“ Nicht einmal er, der schon Hunderte von Safaris gefahren hat, hätte so etwas jemals zuvor beobachtet.
Henning geht nach dem Abendessen in der Lodge mit uns Sterne schauen – das Kreuz des Südens, den Skorpion und den auf den Kopf gestellten Großen Wagen. „Mann, was heute alles passiert ist“, sagt Ursula, die Ärztin aus München. Kann der morgige Tag den heutigen überhaupt noch toppen? Antwort vorweggenommen: Er kann!
Christine Hinkofer
NEUE LESERREISE IM MAI
REISEZIEL Unsere Leserreise führt auch im Mai 2013 in die großen Nationalparks von Tansania, in die Serengeti und den Ngorongoro Krater. Zusätzlich besucht wird der Arusha Nationalpark am Fuße des Kilimandscharo und der Tarangire Nationalpark, der berühmt ist für seine Elefantenherden.
ANREISE Flug mit KLM über Amsterdam.
WOHNEN Unterbringung in komfortablen Safari-Lodges der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie.
BEGLEITUNG Auch unsere nächste Leserreise wird von Professor Henning Wiesner begleitet. Der Wildlife-Experte war fast 30 Jahre lang Direktor des Münchner Tierparks.
TERMIN 23. Mai bis 1. Juni 2013 mit optionaler Badeverlängerung bis 4. Juni auf der Insel Sansibar.
PREIS/BUCHUNG 2995 Euro/Pers. für die Safari mit Flug und Vollpension, EZ-Zuschlag 250 Euro, Badeverlängerung 495 Euro. Buchung über Kiwi Tours, Tel. 089/7466250, Bitte Stichwort Münchner Merkur/tz-Leserreise angeben.


© fknLeser auf einer Safari mit Münchens ehemaligem Zoodirektor Henning Wiesner in Tansania
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© fknDie Reise war ein Geschenk: Die Münchnerin Helga W. mit Enkel Tobias (16).
© fknHaben „D’ Roas nach Tansania“ als bayerisches Gedicht geschrieben: Architekt Paul T. aus Tegernsee und seine Frau Irmi.
Wir verstehen uns: Erzieherin Hildegard Wandinger aus Buchbach mit einem kleinen Massai-Mädchen.
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© fkn„Die Reise war unser Lebenstraum“: Renate und Stefan E. aus Gmund.
© fknAbends gab’s was auf die Ohren: Patrick M. (8) hört Geschichten mit Mama Claudia.
























