DIENSTAG Stau in der Savanne
Harry und Sohn Till, die Kameras mit den riesigen Objektiven im Anschlag, wollen es heute wissen. „Moses, ein Leopard muss her!“ Der erfahrene Safariguide nimmt es gelassen. „Für Tiere“, grinst Moses, „gibt es keine Garantie. Ihr bekommt hier garantiert Safari, aber keine Safari mit Garantie.“
Fotoexperte Harry hat mittlerweile auf 40-fache Vergrößerung aufgerüstet. „Ich will deine Netzhaut sehen“, grummelt er hinter seiner Kamera und nimmt die Eidechse auf einem Stein ins Visier. Es ist Mittag, die Hitze macht müde. Unsere Konzentration bei der Beobachtung lässt nach. Nur Moses fixiert mit Adleraugen den Horizont. Wo ist der Leopard?
Und plötzlich geht alles ganz schnell. Ein Krächzen aus dem Funk, Kollege Dennis meldet sich: „Simba, Moses, ein Löwe!“ „Okay, lets go“ ruft der Fahrer und rammt den Gang rein. Eine rote Staubwolke im Schlepptau düsen wir über die Piste.
Wie hingemalt liegt sie auf dem Felsplateau, räkelt sich, posiert wie eine Diva, unnahbar und unerreichbar von uns da unten. Die Kopjes, von Jahrtausenden abgeschliffene Hügel aus Lavagestein, sind der Privatbereich der Raubtiere. Wir Safaritouristen sind nur Zaungäste, gefahrlos weit weg.
Abends wird gefeiert. Tobias hat Geburtstag, 16 wird er. Die Safari ist das Geschenk von Oma Helga, „damit der Bua was sigt von dera Welt“, sagt die gebürtige Münchnerin. Fototechnisch haben die zwei ihre Aufgaben klar aufgeteilt. Tobias ist der Herr der Kamera und Helga die Wächterin des Ladegeräts.
Ein Tier hat Tobias für morgen auf der Wunschliste: Das Rhino. Weil wir uns und ihm Enttäuschungen ersparen wollen (wegen der Wilderei gehören Nashörner inzwischen zu den seltensten Tieren Afrikas) schenken wir ihm eines aus Plüsch als Schlüsselanhänger. Wäre aber gar nicht nötig gewesen.
MITTWOCH Geier, Geschäfte & Glasperlen
Abschied von der Serengeti. Bernhard Grzimeks Tierparadies liefert uns noch einen sensationellen Live-Report am Rande der Piste, der zeigt, dass es nicht immer die größten Tiere sind, die am Ende auf der Gewinnerseite stehen. Drei Hyänen haben eine Elen-Antilope gerissen, stehen nun aber wie begossene Pudel da und müssen zusehen, wie ihnen eine Horde Geier die Beute streitig macht.
Unser Quartier für die folgenden zwei Nächte liegt auf 2300 Metern Höhe am Rand des Kraters, der Blick von hier oben hinunter in die Senke ist atemberaubend schön, und die Nächte sind bitterkalt. Kurze Schrecksekunde, als wir nach dem Abendessen unter die Bettdecke kriechen. Was ist das, warm und weich! Aber das vermeintliche wilde Tier hat einen Schraubverschluss und ist – eine Wärmflasche!
DONNERSTAG Almwiesen in Afrika
Zusammen sind sie der bedeutendste Nationalpark Afrikas, eine Fläche, größer als Bayern, die seit einem halben Jahrhundert den Tieren gehört. Aber dennoch sind die Serengeti, das weite Land, wie der Name in der Sprache der Massai heißt, und der angrenzende Ngorongoro Krater zwei Welten.
Ein Nashorn hatte sich Tobias vor zwei Tagen zum Geburtstag gewünscht. Er bekommt heute unglaubliche sechs präsentiert, nacheinander und paarweise. Und den Geparden, den wir uns wegen des hohen Grases eigentlich schon abgeschminkt hatten, stöbert unser Fahrer Gabriel am Ende auch noch auf. Nur Minuten vorher muss er die Gazelle gerissen haben, die jetzt abgenagt neben ihm liegt. Zufrieden satt wälzt sich die schöne Großkatze, putzt sich das blutverschmierte Maul, gibt uns reichlich Gelegenheit, sie aus nächster Nähe zu bewundern, bevor sie sich ganz langsam erhebt und majestätisch davonschreitet, bis sie nur noch als Silhouette am Horizont zu sehen ist. Was für ein gigantischer Abschied!
NACHTRAG Ein Gedicht von Afrika
Christine Hinkofer
NEUE LESERREISE IM MAI
REISEZIEL Unsere Leserreise führt auch im Mai 2013 in die großen Nationalparks von Tansania, in die Serengeti und den Ngorongoro Krater. Zusätzlich besucht wird der Arusha Nationalpark am Fuße des Kilimandscharo und der Tarangire Nationalpark, der berühmt ist für seine Elefantenherden.
ANREISE Flug mit KLM über Amsterdam.
WOHNEN Unterbringung in komfortablen Safari-Lodges der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie.
BEGLEITUNG Auch unsere nächste Leserreise wird von Professor Henning Wiesner begleitet. Der Wildlife-Experte war fast 30 Jahre lang Direktor des Münchner Tierparks.
TERMIN 23. Mai bis 1. Juni 2013 mit optionaler Badeverlängerung bis 4. Juni auf der Insel Sansibar.
PREIS/BUCHUNG 2995 Euro/Pers. für die Safari mit Flug und Vollpension, EZ-Zuschlag 250 Euro, Badeverlängerung 495 Euro. Buchung über Kiwi Tours, Tel. 089/7466250, Bitte Stichwort Münchner Merkur/tz-Leserreise angeben.


© mm/tz„Es gab Momente, die waren einfach unbeschreiblich schön“: Hilde und Michael R. aus Penzberg.
Unser Mann für wilde Momente: Professor Henning Wiesner mit Renate W. (li.) aus München und Evelyn P. aus Rottach-Egern. Sie sagen: „Seine Tiergeschichten sind die besten!“
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© fknBesuch bei den Hirten der Serengeti: Ursula G. im Massaidorf.
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