Tagebuch unserer Leserreise mit Henning Wiesner nach Tansania - Teil II.

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    • 29.11.12
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Die große Show der Tiere

Lesen Sie hier das Tagebuch unserer Leserreise mit Henning Wiesner nach Tansania - Teil II. Im Mai 2013 wollen wir übrigens den großartigen Trip zu den Tieren wiederholen.

© fkn

Leser auf einer Safari mit Münchens ehemaligem Zoodirektor Henning Wiesner in Tansania.

DIENSTAG Stau in der Savanne

Harry und Sohn Till, die Kameras mit den riesigen Objektiven im Anschlag, wollen es heute wissen. „Moses, ein Leopard muss her!“ Der erfahrene Safariguide nimmt es gelassen. „Für Tiere“, grinst Moses, „gibt es keine Garantie. Ihr bekommt hier garantiert Safari, aber keine Safari mit Garantie.“

© mm/tz„Es gab Momente, die waren einfach unbeschreiblich schön“: Hilde und Michael R. aus Penzberg.

Zunächst einmal geht es garantiert nicht vorwärts. Unsere Landrover stehen im Stau. Rush Hour in der Wildnis sozusagen. Als ob die Gnus auf Facebook zur Megaparty geladen hätten, strömen sie aus allen Himmelsrichtungen zusammen, eine graue, blökende, sich ständig bewegende Masse, Tiere bis zum Horizont. Die Migration hat begonnen, ein unbeschreibliches Spektakel, das sich alle Jahre wieder in der Serengeti abspielt. Dass wir dabei sind, ist ein echter Glücksfall. Henning (mittlerweile sind wir natürlich alle per Du in der Gruppe) erklärt uns, was die Tiere treibt: „Sie folgen dem Regen und wandern je nachdem, wo es gerade mehr Wasser und Futter gibt, zweimal pro Jahr zwischen der Massai Mara im Norden und der Serengeti hin und her.“ Bis auf 100 Kilometer Entfernung könnten die Tiere die nasse Erde riechen. Wie viele das wohl sind?“ fragen wir uns. Hunderte? Tausende? Fahrer Moses taxiert die Herde mit geschultem Blick: „An die 30.000, schätze ich.“ Und erklärt, warum immer wieder Zebras dazwischen stehen: „Sie helfen sich gegenseitig. Gnus riechen gut für die Löwen, sind also ein Schutz für die Zebras. Und Zebras haben die besseren Augen, können also die Gnus eher vor Gefahr warnen.“ Teamwork in der Natur.

Unser Mann für wilde Momente: Professor Henning Wiesner mit Renate W. (li.) aus München und Evelyn P. aus Rottach-Egern. Sie sagen: „Seine Tiergeschichten sind die besten!“

Am Rande der Herde steht hilflos ein abgemagertes Baby-Gnu. „Hat es seine Mutter verloren“, fragen wir uns? Henning kennt die andere, die grausame Erklärung: „Die Mutter hat es zurückgelassen, weil es krank ist und nicht mehr mithalten kann.“ Die Hyänen lauern bereits und die Geier kreisen auch schon. Brutale Welt. Leben und überleben, das ist das Prinzip der Wildnis. „Die Serengeti ist kein Streichelzoo“, meint der Tierexperte nüchtern.

Fotoexperte Harry hat mittlerweile auf 40-fache Vergrößerung aufgerüstet. „Ich will deine Netzhaut sehen“, grummelt er hinter seiner Kamera und nimmt die Eidechse auf einem Stein ins Visier. Es ist Mittag, die Hitze macht müde. Unsere Konzentration bei der Beobachtung lässt nach. Nur Moses fixiert mit Adleraugen den Horizont. Wo ist der Leopard?

Und plötzlich geht alles ganz schnell. Ein Krächzen aus dem Funk, Kollege Dennis meldet sich: „Simba, Moses, ein Löwe!“ „Okay, lets go“ ruft der Fahrer und rammt den Gang rein. Eine rote Staubwolke im Schlepptau düsen wir über die Piste.

Wie hingemalt liegt sie auf dem Felsplateau, räkelt sich, posiert wie eine Diva, unnahbar und unerreichbar von uns da unten. Die Kopjes, von Jahrtausenden abgeschliffene Hügel aus Lavagestein, sind der Privatbereich der Raubtiere. Wir Safaritouristen sind nur Zaungäste, gefahrlos weit weg.

© fkn

Harry mit der 40fachen Vergrößerung ist der Held des Tages. Er hat sie rangezoomt, unsere Löwin, zum Greifen nah. Und auch den Leoparden, den wir wenig später in einer Schirmakazie entdecken, oder besser erahnen. Mit bloßem Auge ist gerade mal der Huf des erlegten Gnus zu sehen, das sich der Räuber als Vorrat in die Äste gehängt hat. Die Feldstecher werden rumgereicht. „Oh ja, ich glaub, ich seh ihn!“ Nur Technik-Freak Harry bekommt den Leoparden im Portrait, gestochen scharf, und präsentiert uns das Foto später beim Picknick unter einer Schirmakazie, schon heruntergeladen auf das Laptop. So muss ein Tierbild ausschauen! Henning amüsiert sich. Er ist, das hat er uns schon im Vorfeld erklärt, der Zuschauer, nicht der Knipser. Einer, der die Bilder in seinem Kopf nach Hause trägt.

© fkn

Löwen für Nah-Seher gibt es heute auch noch. So nah, dass man sie aus dem Wagenfenster anfassen könnte. Zwei Mütter, sechs Junge: Auch sie sitzen zunächst in einem Baum, „weil nach der Regenzeit das Gras so hoch ist und sie von dort oben den besseren Ausblick haben“, erklärt Henning. Fünf, sechs Landrover lassen sie sich noch gleichmütig gefallen, danach wird es ihnen zuviel mit dem Publikumsverkehr. Sie trollen sich. Die Mütter voraus, die Kleinen hinterher ,marschieren sie gemächlich zwischen der Wagenkolonne durch und verschwinden schließlich im hohen Gras. Keiner, der diese Szene nicht fotografiert hätte. Aber auch keiner, der sich hinterher nicht aufgeregt hätte. Unmöglich, diese Jagd auf Tiere! Safari als Massenevent, das stößt ab. Henning gibt zu bedenken: „Den Tieren ist das wurscht, sie fühlen sich unter den Menschen sicher, sonst würden sie uns nicht so nah kommen.“ Und schließlich: Durch den Tourismus wird ihr Lebensraum erhalten. Die Serengeti ist ein tansanischer Wirtschaftszweig, einer der wichtigsten.

Abends wird gefeiert. Tobias hat Geburtstag, 16 wird er. Die Safari ist das Geschenk von Oma Helga, „damit der Bua was sigt von dera Welt“, sagt die gebürtige Münchnerin. Fototechnisch haben die zwei ihre Aufgaben klar aufgeteilt. Tobias ist der Herr der Kamera und Helga die Wächterin des Ladegeräts.

Ein Tier hat Tobias für morgen auf der Wunschliste: Das Rhino. Weil wir uns und ihm Enttäuschungen ersparen wollen (wegen der Wilderei gehören Nashörner inzwischen zu den seltensten Tieren Afrikas) schenken wir ihm eines aus Plüsch als Schlüsselanhänger. Wäre aber gar nicht nötig gewesen.

MITTWOCH Geier, Geschäfte & Glasperlen

Abschied von der Serengeti. Bernhard Grzimeks Tierparadies liefert uns noch einen sensationellen Live-Report am Rande der Piste, der zeigt, dass es nicht immer die größten Tiere sind, die am Ende auf der Gewinnerseite stehen. Drei Hyänen haben eine Elen-Antilope gerissen, stehen nun aber wie begossene Pudel da und müssen zusehen, wie ihnen eine Horde Geier die Beute streitig macht.

© fkn

Ein bisschen wie unter Geiern kommen wir uns dann auch beim Kurzbesuch in einem Massai-Dorf vor. 50 Dollar pro Wagen Eintritt, kurze Führung, einmal Hüpftanz, einmal in die Hütten schauen und dann die Aufforderung: Come, see my market! Okay, auch ein afrikanisches Hirtenvolk kann heute nicht mehr nur von Milch und Kuhblut aus der Kalebasse leben. Und beim Dinner in der noblen Ngorongoro Krater Lodge sind wir Frauen dann auch ganz glücklich über den erstandenen Perlenschmuck. Schmonzette am Rande: War da nicht mal was? Hatten die weißen Missionare nicht früher Glasperlen als Gastgeschenke mit nach Afrika gebracht? So ändern sich die Zeiten ...

Unser Quartier für die folgenden zwei Nächte liegt auf 2300 Metern Höhe am Rand des Kraters, der Blick von hier oben hinunter in die Senke ist atemberaubend schön, und die Nächte sind bitterkalt. Kurze Schrecksekunde, als wir nach dem Abendessen unter die Bettdecke kriechen. Was ist das, warm und weich! Aber das vermeintliche wilde Tier hat einen Schraubverschluss und ist – eine Wärmflasche!

DONNERSTAG Almwiesen in Afrika

Zusammen sind sie der bedeutendste Nationalpark Afrikas, eine Fläche, größer als Bayern, die seit einem halben Jahrhundert den Tieren gehört. Aber dennoch sind die Serengeti, das weite Land, wie der Name in der Sprache der Massai heißt, und der angrenzende Ngorongoro Krater zwei Welten.

© fknBesuch bei den Hirten der Serengeti: Ursula G. im Massaidorf.

Blühende Almwiesen, üppiges Grün, Nebelschwaden über dem Lake Magadi – Irland in Afrika: So erleben wir den Vulkankessel an diesem Morgen auf unserer Pirschfahrt. Nichts ist zu spüren von der nervösen Unruhe der Tiere, die sich ein paar Kilometer weiter zur großen Migration versammeln. Hier sind alle ganz entspannt, als ob der Kessel ein riesiges Wellness-Resort für Tiere wäre. Ein Rudel Löwen döst in einer Sandkuhle und lässt sich die Morgensonne auf den Pelz scheinen. Keine 30 Meter weiter grast eine Büffelherde. Vier Elefanten schlendern gemächlich zu einer Baumgruppe, um sich dort die Flanken zu reiben. „Mann, was die für Hauer haben“, ruft Christoph, der Mediziner, der sich mit dieser Safari einen Kindheitstraum erfüllt hat. „Mindestens 60 Jahre alt“, schätzt Henning“, und erklärt, dass die Junggesellengruppen typisch sind für die Elefanten-Population im Ngorongoro-Krater. „Die Familien leben in der Serengeti.“

Ein Nashorn hatte sich Tobias vor zwei Tagen zum Geburtstag gewünscht. Er bekommt heute unglaubliche sechs präsentiert, nacheinander und paarweise. Und den Geparden, den wir uns wegen des hohen Grases eigentlich schon abgeschminkt hatten, stöbert unser Fahrer Gabriel am Ende auch noch auf. Nur Minuten vorher muss er die Gazelle gerissen haben, die jetzt abgenagt neben ihm liegt. Zufrieden satt wälzt sich die schöne Großkatze, putzt sich das blutverschmierte Maul, gibt uns reichlich Gelegenheit, sie aus nächster Nähe zu bewundern, bevor sie sich ganz langsam erhebt und majestätisch davonschreitet, bis sie nur noch als Silhouette am Horizont zu sehen ist. Was für ein gigantischer Abschied!

NACHTRAG Ein Gedicht von Afrika

© fkn

Was bringt man mit von einer Safari außer ein paar tausend Bilder in Kopf und Kamera und einem Sack staubiger Wäsche? Auf alle Fälle Erinnerungen, großartige Erinnerung, die jeder auf seine Weise speichert und verarbeitet. Paul, der Architekt vom Tegernsee, hat ein Gedicht über „D’Roas auf Tansania“ geschrieben. Patrick, unser Jüngster, liegt Mama Claudia seit Afrika in den Ohren, dass er wieder da hin will wo die wilden Tiere leben, am liebsten für immer („aber nur, wenn’s dort deutsches Fernsehen gibt“). Hildegard, die Erzieherin aus Niederbayern, spielt jetzt mit ihren Kindern im Hort Safari. Sie hat ihnen die Tiere als Holzfiguren mitgebracht. Renate hat das Bild des jungen Elefanten, der sie mit seinem Rüssel fast berührt hätte, am Schreibtisch neben ihren Terminkalender stehen. „Da schaut er mich immer an und sagt: Polepole, nur mit der Ruhe, Renate.“ Ja und Henning, unser Wildtier-Experte, der ist gleich nach seiner Rückkehr schon wieder auf Safari, wenn auch nur in Italien. Zwei Elefanten im Zoo von Pistoia brauchen dringend eine Zehenbehandlung.

Christine Hinkofer

Die große Show der Tiere Tagebuch unserer Leserreise mit Henning Wiesner nach Tansania - Hier gehts zum Teil I.

NEUE LESERREISE IM MAI

REISEZIEL Unsere Leserreise führt auch im Mai 2013 in die großen Nationalparks von Tansania, in die Serengeti und den Ngorongoro Krater. Zusätzlich besucht wird der Arusha Nationalpark am Fuße des Kilimandscharo und der Tarangire Nationalpark, der berühmt ist für seine Elefantenherden.

ANREISE Flug mit KLM über Amsterdam.

WOHNEN Unterbringung in komfortablen Safari-Lodges der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie.

BEGLEITUNG Auch unsere nächste Leserreise wird von Professor Henning Wiesner begleitet. Der Wildlife-Experte war fast 30 Jahre lang Direktor des Münchner Tierparks.

TERMIN 23. Mai bis 1. Juni 2013 mit optionaler Badeverlängerung bis 4. Juni auf der Insel Sansibar.

PREIS/BUCHUNG 2995 Euro/Pers. für die Safari mit Flug und Vollpension, EZ-Zuschlag 250 Euro, Badeverlängerung 495 Euro. Buchung über Kiwi Tours, Tel. 089/7466250, Bitte Stichwort Münchner Merkur/tz-Leserreise angeben.

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