...kann die weißen Riesen garantiert sehen, sagt das Tourismusamt. Reiseredakteur Volker Pfau machte die Probe aufs Exempel und suchte den Eisbären.
Die Frage, die jeden von uns spätestens nach der Landung in Churchill umtreibt, ist natürlich, wann wir zum ersten Mal einen Ursus maritimus sehen, den weißen Riesen. „Eisbärenhauptstadt der Welt“ nennt sich der 800-Seelen-Ort an der Hudson Bay im Norden der kanadischen Provinz Manitoba vollmundig. Das muss natürlich erst mal bewiesen werden.
Darum gibt es für die Insassen des Eisbärengefängnisses, unseres nächsten Stopps, auch nur Wasser und nicht einmal Brot. Anfangs seien die Tiere hier noch gefüttert worden, erzählt Sheldon, aber „dann wollten die ins Gefängnis einbrechen, weil sie dort so bequem ans Fressen kamen“. Clever! Der dümmste Eisbär, so unser Fahrer, sei immer noch klüger als der schlaueste Hund. Nun werden die Delinquenten hungrig gehalten und sobald die Hudson Bay zugefroren ist, aufs Eis verfrachtet, um dort ihrem natürlichen Jagdinstinkt nachzugehen.
„Wir haben hier einige Problembären“, sagt Sheldon, „aber sobald das Eis kommt, verschwinden sie alle.“ Wenn das aber nichts hilft und das Tier weiterhin Ärger macht, dann, so sagt es die Nationalparkverwaltung Parks Canada knallhart, muss der Bär zerstört werden – ja, sie nennen es „destroyed“. 2011 ereilte drei Bären dieses Schicksal. „Sie waren verzweifelt vor Hunger“, sagt Sheldon.
Der vielversprechende Auftakt erfährt nur wenige Minuten später eine Steigerung: Am Strand der Hudson Bay sehen wir gleich drei Bären, die in den angeschwemmten Algen nach Futter suchen. Zwei Tiere sind noch relativ jung und dementsprechend verspielt, sie balgen sich zu unserer Verzückung immer wieder im Schnee, nehmen aber gleich Reißaus, als sich ein vierter, deutlich älterer Eisbär nähert. Der ist recht neugierig und nimmt unser Tundra Buggy genau unter die Lupe, schleckt Schmelzwasser von den 1,80 Meter hohen Reifen und richtet sich zu voller Größe auf, so dass manchem hinter den Fenstern doch etwas mulmig wird, obwohl Kevin uns erklärt hatte, dass die schmalen Öffnungen drei Meter über dem Boden unerreichbar für die Tiere sind.
Vom Eis in der Bucht hängt letztlich auch die Zukunft Churchills ab. Nachdem die Rocket Research Range, eine Militärbasis zur Raketenerprobung, 1985 dicht machte, sind Eisbär- und Waltourismus die wichtigsten Einnahmequellen. Bis jetzt. Gefriert die Hudson Bay nicht mehr regelmäßig zu und bleiben die Eisbären aus, profitieren davon allenfalls die Betreiber des Hafens und der riesigen Getreidespeicher, die Europa dann einfacher mit dem per Eisenbahn herangekarrten Weizen beliefern können. Das werbewirksame Eisbären-Hauptstadt-Prädikat dürfte Churchill dann aber längst los sein.
DIE REISE-INFOS ZU CHURCHILL
REISEZIEL Die kanadische Provinz Manitoba hat eine Fläche von rund 650.000 Quadratkilometern (fast doppelt so groß wie Deutschland) und rund 1,1 Milionen Einwohner, von denen rund 700.000 in der Hauptstadt Winnipeg leben. Churchill (Foto oben) liegt rund 1000 Kilometer nördlich an der Hudson Bay und bezeichnet sich als Eisbären- und Belugahauptstadt der Welt.
ANREISE Von München aus fliegt United Airlines sechs Mal pro Woche nach Chicago, dort besteht Anschluss nach Winnipeg. Die meisten Gruppen treffen sich in der Hauptstadt Manitobas und fliegen per Charter gemeinsam nach Churchill. Man kann auch mit dem Zug zweimal wöchentlich in rund 48 Stunden von Winnipeg an die Hudson Bay fahren.
ANGEBOTE Die Eisbärentouren mit den Tundra Buggys werden vom kanadischen Veranstalter Frontiers North organisiert. Buchbar sind die Reisen in Deutschland zum Beispiel bei Explorer Fernreisen, die im Herbst 2013 eine fünftägige Rundreise ab/bis Winnipeg zur Eisbärenbeobachtung in Churchill anbieten (Termine: 20. Oktober, 9. und 15. November). Im Preis ab 2659 Euro pro Person sind 4 Übernachtungen, Verpflegung, 2 Tagestouren im Tundra Buggy zur Eisbärenbeoabachtung, Flüge Winnipeg-Churchill und zurück und Transfers enthalten. Info und Buchung bei Explorer Fernreisen, Büro München, Tel. 089/12 22 49 90 oder unter www.explorer.de.
SEHENSWERT Im Herbst sind es die Eisbären, im Sommer tummeln sich Tausende von Belugawalen in der Hudson Bay und das ganze Jahr über kommen Bird Watcher nach Churchill. Im Ort sollte man auf jeden Fall dem Eskimomuseum und dem Besucherzentrum von Parks Canada im Bahnhof einen Besuch abstatten.
EINKAUFEN Außer einigen Souvenirs (gute Auswahl bei Arctic Trading Company, Kelsey Boulevard) ist das Shopping-Angebot in Churchill überschaubar. In Winnipeg lohnt sich ein Bummel auf diversen Skywalks durch das weitverzweigte Portage Place Shopping Centre mit konventionellem Angebot und ein Besuch der National Historic Site The Forks an der Mündung des Assiniboine in den Red River mit Markthallen-Charakter und kleinen Läden, Cafés und Restaurants.
KLIMA/REISEZEIT Die Eisbären sammeln sich ab Mitte/Ende Oktober rund um Churchill, um dann im November auf die zugefrorene Hudson Bay zu gelangen. Meist ist es um diese Zeit tagsüber noch moderat kühl (wenige Grad unter Null), nachts wird es deutlich kälter. Man sollte aber auch für Schneestürme und eisige Temperaturen (unter minus 20 Grad plus Windchill-Faktor) gerüstet sein.
REISETYP Man muss ein großes Faible für Eisbären haben, da die Unterkünfte in Churchill eher einfach sind, das Essen bodenständig sowie das weitere touristische Angebot recht überschaubar.
AUSKUNFT Touristische Vertretung in Deutschland: Travel Manitoba, Frankfurter Str. 51, 63263 Neu-Isenburg, Tel. 061 02/88 47 91 20, E-Mail: maria@msi-germany.de.


© IWP-Press"Der dümmste Eisbär ist immer noch klüger als der schlaueste Hund".
© IWP-PressChurchill in der kanadischen Provinz Manitoba
© IWP-PressKunst der Inuit
© IWP-PressAussicht: Vom sichern Tundra Buggy aus kann man Eisbären bestens beobachten.
© IWP-PressPortage Place Shopping Centre in Winnipeg













