Wenn es kalt wird in Europa, machen es die Vögel wie die Urlauber: Sie fliegen nach Süden. Einer der schönen Orte, an denen beide landen, ist Watamu an der Küste Kenias. „Sogar aus Südschweden kommen sie“, sagt Ferdinand, der Touristenführer. Er meint die Vögel. Ferdinand beobachtet konzentriert die Wand aus Mangrovenwurzeln, während das Boot immer tiefer in die Lagune des Mida Creek hineintuckert.
Aber auch der 16 000 Hektar große Mangrovenwald ist gefährdet. „Arme Leute holzen die Mangroven ab, um sie zu verfeuern und Häuser zu bauen“, sagt Ferdinand. Er deutet auf eine Lücke im grünen Gürtel. Gut 100 Meter breit liegt der Sand nackt da. „Hier hat ein Fischer einen schmalen Weg geschlagen, doch dann sind alle Mangroven ringsum abgestorben.“
Kenia ist weiter ein armes Land, trotz der 1,26 Millionen Touristen, die im vergangenen Jahr für Safari und Badeurlaub an den weißen Stränden kamen. Deshalb funktioniert Umweltschutz nur, wenn er für die Einheimischen wirtschaftlich einleuchtet. Wie bei Watamu Turtle Watch.
Suppenschildkröten werden in Kenia noch immer als Delikatesse geschätzt, für große Exemplare bezahlen Käufer bis zu 12 000 Schilling. Deshalb gehen die Mitarbeiter von Turtle Watch in die Dörfer und erklären den Menschen, welche anderen Einkommensquellen sie anzapfen könnten. Krabben in Farmen züchten zum Beispiel.
Dort schweben die Taucher über Teppiche von Hartkorallen und lilafarbenen Weichkorallen. 1998 seien 80 Prozent der Hartkorallen gestorben, erklärt Curtis. Damals hatte das Klimaphänomen El Niño das Meer auf mehr als 30 Grad erhitzte. Seitdem hätten sich die meisten wieder erholt - „wie nach einem Feuer im Busch“.
An der Riffkante sitzt ein Schaukelfisch, darüber steht ein Schwarm Doktorfische in der schwachen Strömung. Eine gepunktete Muräne lugt aus ihrem Loch heraus. Curtis deutet mit seinem muskulösen Arm ins Blaugrün. Einen Wimpernschlag später löst sich ein massiger Schatten aus der Brühe, ein Zackenbarsch, gut zwei Meter lang.
Der Indische Ozean ist trüb an diesem Tag, es hat im Landesinnern Kenias viel geregnet in den Wochen zuvor. Und so sehen die Taucher die mächtige Schildkröte erst, als sie sich vor ihnen aus einer Mulde erhebt und mit kräftigen Flossenschlägen davonschwimmt.
Sie beteten in einer großen Moschee, deren Torbogen noch steht. Im Palast sieht man noch die Steinbänke, auf denen der Sultan mit seinen Beratern debattiert haben soll. In ihren Dhaus segelten die Händler von Gede weit über das Meer. Die Archäologen fanden Glasperlen aus Venedig, Münzen und Porzellan aus China, die nun in den Vitrinen eines kleinen Museums liegen.
Zur Blütezeit Gedes dürfte der ursprüngliche Küstenwald noch große Flächen bedeckt haben. Einst erstreckte er sich von Somalia bis Mosambik. Sein letzter Rest in Kenia ist der Arabuko Sokoke Nationalpark. Das Jagen ist hier verboten, und selbst zum Sammeln von Feuerholz brauchen die Bewohner der Dörfer um den Park herum eine Lizenz.
Von Florian Sanktjohanser, dpa
DIE REISE-INFOS ZU WATAMU
Anreise: Mehrere Fluggesellschaften bieten Flüge aus deutschen Städten nach Mombasa an. Von dort fahren Busse nach Watamu.
Reisezeit: Als beste Reisezeit für Kenia gelten die Monate von November bis März. Zum Tauchen eignet sich der November am besten. Dann bläst der Wind direkt vom Meer auf die Küste und klart das Wasser auf. Der Monsun von April bis Oktober bringt raues Wetter, die Wellen sind dann zu hoch zum Tauchen.
Unterkunft: In Watamu gibt es alles vom afrikanischen Hostel für wenige Euro pro Nacht bis zum Fünf-Sterne-Hotel. Die meisten gehobenen Hotels stehen direkt am Strand, günstige Pensionen findet man im Dorf.


© dpa tmn/ Florian SanktjohanserDer Mida Creek ist das Herz des reichen Ökosystems von Watamu.
© dpa tmn/ Florian SanktjohanserWatamu hat einige der schönsten Strände Kenias.
© dpa tmn/ Florian SanktjohanserKrankenhaus der Schildkröten: Turtle Watch kümmert sich um kranke Meeresbewohner.
© dpa tmn/ Steve CurtisUnterwasserwelt
© dpa tmn/ Florian SanktjohanserFerdinand schrubbt mit einem fasrigen Holzstück über seine Zähne. Aber so richtig überzeugt sind die Touristen nicht von der Buschzahnbürste.









