Es ist ein ziemlich frostiger Vormittag. In der Niederlausitz liegt schon seit einigen Tagen Schnee. Und auch in Lübbenau sind in der Nacht ein paar Flocken gefallen. Durch die Poststraße, die zum Hafen führt, weht ein eisiger Wind. Die „Metropole des Spreewalds“, wie Theodor Fontane die Kleinstadt mal etwas überschwänglich genannt hat, ruht im Winterschlaf. Tote Hose bei eisigem Wetter - wozu soll man sich das antun? Weil sich der Spreewald niemals sonst so entspannt entdecken lässt und eine Kahnfahrt im Winter ihre ganz eigenen Reize hat.
In einen Spreewaldkahn passen gut zwei Dutzend Passagiere. Im Sommer sind die schnell zusammen, im Winter wird es selten eng. An diesem Tag sind nur zwei Gäste gekommen. „Macht nichts“, sagt Wilke. „Ich würde auch fahren, wenn nur einer mit will.“ Die Passagiere haben jeder eine Bank und zwei Wolldecken für sich.
Der Fährmann steigt in den ganz flach auf dem Wasser liegenden Kahn. Auf den Tischchen vor den gepolsterten Bänken liegen Deckchen. Darauf stehen Töpfe mit Stoffblumen und Körbchen mit Hochprozentigem: Kirschlikör und Weizenkorn. Wilke hat noch mehr im Angebot: „Tee oder Glühwein?“, fragt er und schenkt aus einer Thermoskanne ein.
Wilke könnte die Strecke auch mit verbundenen Augen fahren, so gut kennt er sein Revier. „Ich bin in Lübbenau geboren und fahr' schon seit meinem dritten Lebensjahr Kahn“, erzählt er.
Die Stockenten schwimmen gelassen vor dem Kahn her, der einsam und allein durch den Spreewald gleitet. Rechts ist gerade ein kleiner Bauernhof zu sehen. Der Hofhund steht am Ufer und guckt etwas ratlos. „Vier Kühe haben die im Stall“, erzählt Wilke. „Die müssen sie mit dem Kahn auf die Weide bringen.“ Das Spreewalddorf heißt Lehde und zählt rund 100 Einwohner - „fast alle zweisprachig“. Der Spreewald gehört zu der Region, in der Sorbisch verbreitet ist. „Ich hatte das in der Schule auch“, erinnert sich Wilke, „als freiwilliges Unterrichtsfach.“
Von Andreas Heimann, dpa


© dpa tmn/ Andreas HeimannIm Winter hat der Spreewald seinen eigenen Reiz.
© dpaDerzeit herrscht Winterruhe im Spreewald.
© dpa tmn/ Andreas HeimannLeichte Eisschicht auf dem Wasser - die Spreewald-Kähne fahren, solange die Kanäle nicht zugefroren sind.
© dpa tmnDas Biosphärenreservat mit seinen rund 1.000 Fließkilometern und der einzigartigen Landschaft ist ein beliebtes Tourismus- und Naherholungsgebiet.








