Die Zahnmedizinstudenten Dora (25), Mahdi (28) und Faten (25) sind zum Shoppen nach Istanbul gekommen. Mit prall gefüllten Einkaufstüten laufen sie durch die Fußgängerzone des historischen Stadtteils Beyoglu. Dora, im taillierten, blauen Mantel und mit blondierten Haaren, findet die Millionenmetropole am Bosporus spannend: „Der arabische Raum interessiert uns weniger - jedenfalls wollen wir da keinen Urlaub machen. Höchstens Marokko wäre uns vielleicht noch einen Besuch wert.“
Jedes Jahr verbringen mehr Araber ihre Ferien in Istanbul. Touristen aus den arabischen und islamischen Ländern treffen hier auf bekannte Speisen, eine gemeinsame Geschichte, kulturelle Verbindungen und die ihnen bekannte Religion. In der Vergangenheit trübte die frühere Rolle der Osmanen als Großmacht im arabischen Raum das Verhältnis zwischen den Völkern. Nun hat sich die Lage offenbar entspannt. Der türkische Staat, der zugleich modern und islamisch geprägt ist, gilt vielen Arabern inzwischen sogar als Vorbild.
Eine Stadt am Wasser
Vor allem zwei Gründe haben in den vergangenen zwei Jahren zu einem rasanten Anstieg der Besucherzahlen geführt: die politischen Unruhen in einigen arabischen Ländern und der Export türkischer TV-Serien. 2011 wurden mehr als 100 türkische Fernsehserien in über 20 verschiedenen Ländern ausgestrahlt. In den arabischen Ländern sind diese türkischen Soaps regelrechte Straßenfeger.
Besonders beliebt ist die Serie „Muhtesem Yüzyil“ (deutsch: „Das prächtige Jahrhundert“), die in den arabischen Ländern unter dem Titel „Die Frauen des Sultans“ läuft. Die Handlung setzt 1520 ein, als der osmanische Sultan Suleiman I. den Thron besteigt. Es geht um Machtspiele und Auseinandersetzungen am Hof und - vor allem - im Harem.
Auch Norma Nicola und Fida Lausi sind in ihren Shopping-Pausen stets auf der Suche nach den Originalschauplätzen der Serie. „Wo ist denn jetzt diese Moschee aus "Die Frauen des Sultans"?“, fragt Lausi aufgeregt.
Im vergangenen Jahr reisten insgesamt 1,3 Millionen Besucher aus den arabischen Staaten in die Stadt am Bosporus, wie „Hürriyet Daily News“ berichtet. Das sind 54 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Besonders gerne kommen Touristen aus den Golfstaaten und dem Libanon.
Die schönsten Metropolen der Welt
Die Metropole Istanbul stellt sich sichtbar auf die Besucher aus den islamischen Ländern ein: Immer mehr Speisekarten haben eine arabische Übersetzung. Die Restaurants werben damit, dass ihre Speisen „halal“ sind, das heißt, alle Tiere, die auf den Teller kommen, wurden nach den Vorschriften des Islam geschlachtet. Schweinefleisch wird nicht angeboten.
Die zierliche Schahad (20) ist gerade erst in Istanbul angekommen. Sie zieht noch ihren Rollkoffer hinter sich her. Gemeinsam mit ihrem Freund ist sie für einige Tage Beirut entflohen und hat ein straffes Programm geplant: „Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten: Topkapi, Galata-Brücke und, wenn noch Zeit ist, natürlich shoppen.“
Am häufigsten reisen allerdings immer noch Deutsche zum Urlaub in die Türkei, dicht gefolgt von Russen und Briten. Und nicht alle Araber haben eine Tour zu den Schauplätzen ihres Fernsehprogramms gebucht. Familie Salach aus dem heißen Golfemirat Kuwait wünscht sich zur Vollendung des perfekten Urlaubs etwas ganz Anderes: „Wir hoffen noch auf Schnee.“
Von Lina Kokaly, dpa
REISE-INFOS ZU ISTANBUL
REISEZIEL Istanbul liegt auf beiden Seiten des Bosporus, der Meerenge zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer, und damit als einzige Metropole der Welt auf zwei Kontinenten, Europa und Asien. Die Stadt hat 12,8 Millionen Einwohner. Zusammen mit dem ungarischen Pécs und Essen im Ruhrgebiet war Istanbul 2010 europäische Kulturhauptstadt.
ANREISE Ab München z.B. mit Lufthansa (derzeit ca. 400 Euro) oder Sun Express (ca. 140 Euro).
REISEZEIT/KLIMA Die Stadt hat ein mildes, feuchtes Seeklima. Auch im Winter sinken die Temperaturen selten unter fünf Grad. Regenreichste Monate sind November bis Februar.


© dpaDie arabischen Touristen kommen nach Istanbul. Hier wandeln sie in den Kulissen türkischer Fernsehserien.






















