Eine Glaubensreise durch Israel

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    • 22.12.12
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Eine Glaubensreise durch Israel

Schlüsselszenen an der Himmelspforte

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Gleich mehrere Weltreligionen und Konfessionen nehmen die Grabeskirche in Jerusalem für sich als geistliches Zentrum in Anspruch. Unser Autor Klaus Rimpel hat den Ort besucht...

© dpa

Grabeskirche in Jerusalem

...wo Jesus gekreuzigt und nach seinem Tod aufgebahrt wurde. Er hat dort viel Ehrfurcht, aber auch ganz unheilige Szenen eines Machtkampfes erlebt.

Es ist der Augenblick, auf den die christlichen Pilger sehnsüchtig warten: Sie stehen am Grab Christi in Jerusalem. Die bewegenden Choräle der griechisch-orthodoxen Mönche in der Auferstehungskirche vertiefen dieses Gefühl, sich am Mittelpunkt des Glaubens zu befinden. Sphärische Töne schweben in den Kirchenhimmel – da donnert die katholische Orgel über die orthodoxen Gesänge hinweg. Und nun heben die Kopten zum Gegengesang an: Die besinnliche Stimmung ist dahin. Es herrscht das blanke Chaos.

© dpaPilger an der Grabeskirche in Jerusalem

Die Grabeskirche in Jerusalem ist das Zentrum des Glaubens aller Christen, aber auch der Hauptkampfplatz der christlichen Kirchen. Pater Pierbattista Pizzaballa, der Kustos des Heiligen Landes, weiß selbst, wie negativ dieser musikalische Kleinkrieg auf die Jerusalem-Pilger wirkt. „Wir treffen uns alle 14 Tage mit den anderen Religionsgruppen, die in der Grabeskirche vertreten sind“, erzählt der Leiter der Franziskaner in Jerusalem. „Aber die letzten zwei Jahre haben wir nur über die Frage der Toiletten an der Kirche diskutiert – ein Jahr lang haben wir allein ums Klopapier gestritten!“

Ein Höhepunkt der irren Auseinandersetzungen am Grab des Heilands war, als 1967 die äthiopischen Christen, die bislang keinen eigenen Platz in der Grabeskirche hatten, das Hüttchen der Kopten auf dem Kirchendach stürmten, während diese bei einer religiösen Zeremonie waren. Seitdem leben beide auf dem Dach und sind sich in inniger Feindschaft verbunden – ausgerechnet an dem Ort, der eigentlich das Zentrum der Nächstenliebe sein sollte.

Trotz dieser unheiligen Begleitumstände: Die Faszination, die das Heilige Land auf Pilger aus aller Welt ausübt, ist ungebrochen. „Hier hat die Kirche ihre Anfänge. Hier sind die Wurzeln unseres Glaubens“, sagt der Münchner Weihbischof Engelbert Siebler. Als Präsident des Bayerischen Pilgerbüros weiß Siebler, dass durch Reisen ins Heilige Land auch viele Menschen Zugang zum Christentum finden, die der Amtskirche fernstehen.

In der Tat: Auch für Menschen, deren letzte Begegnung it dem Christentum vor Jahrzehnten im Religionsunterricht stattfand, ist es bewegend, den Stein in der Grabeskirche zu berühren, auf dem Jesus nach der Abnahme vom Kreuz aufgebahrt, gesalbt und in Leintücher eingewickelt worden sein soll. Oder die Ruhe des Garten Gethsemanes zu genießen. Hier am Ölberg stehen knorrige Olivenbäume, die 2000 Jahre alt sind. Der Pilger kann sich vorstellen, dass Jesus tatsächlich in der Nacht vor der Kreuzigung im Schatten dieser Bäume saß.

Auch viele Juden und Muslime wollen am Hang des Ölbergs begraben werden, denn hier soll im Glauben beider Religionen das Jüngste Gericht seinen Anfang nehmen. Die „Poleposition“ beim Eintritt ins Himmelreich lassen sich die Gläubigen viel kosten: Rund 33.000 Dollar (etwa 27.240 Euro) müssen für eine Grabstelle hingeblättert werden, was den Ölberg zum teuersten Friedhof der Welt macht.

© privatLand zwischen Glauben und Gewalt: Politikredakteur Klaus Rimpel besuchte die religiösen Stätten in Israel und dem Westjordanland.

Dass das Heilige Land politisch eine der unheiligsten Regionen der Welt ist, wird besonders deutlich, wenn man nach Bethlehem, zum Schauplatz der Weihnachtsgeschichte, gelangen will. Dazu muss die Grenzbefestigung zwischen Israel und dem Westjordanland überquert werden: eine bis zu neun Meter hohe Betonabsperrung mit Stacheldraht. Hier wird der ganze Wahnsinn des Nahost-Konflikts schmerzlich sichtbar. Bethlehem ist wegen des Pilger-Tourismus im Vergleich zu anderen Orten im palästinensischen Autonomiegebiet noch relativ wohlhabend – aber auch hier ist die Übervölkerung des Westjordanlands und die Armut spürbar: Die Arbeitslosenquote liegt bei 36 Prozent. Ein Klima der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung herrscht in den Palästinenser-Gebieten, das sich immer wieder in Gewalt entlädt.

Die Furcht vor neuen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern schreckt vor einer Reise ins Heilige Land ab. „Dabei wurde im Verlauf der vergangenen Jahre bei Anschlägen nie auch nur ein Pilger geschädigt“, sagt Weihbischof Siebler. Israelis wie Palästinenser profitieren von den Pilgern. Hier haben die Konfliktparteien gemeinsame Interessen: den Schutz der Pilger.

Klaus Rimpel

DIE REISE-INFOS ZU ISRAEL

REISEZIEL Das Staatsgebiet Israels ist knapp 21.000 Quadratkilometer groß (fast identisch mit Hessen), das Land hat knapp acht Millionen Einwohner.

ANREISE Von München aus fliegen z.B. El Al, Lufthansa, Air Berlin und Germania nach Tel Aviv. Flugzeit ca. vier Stunden. Wichtig: Wegen der scharfen Sicherheitsvorkehrungen unbedingt 2,5 bis drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein!

EINREISE Für die Einreise muss der Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig sein. Deutsche, die vor dem 1. Januar 1928 geboren sind, benötigen ein Visum. Da der israelische Stempel im Pass zu Problemen bei der Einreise in einigen arabischen Staaten führen kann, gibt es ein Extra-Formular für den israelischen Einreisestempel.

WOHNEN Es gibt zahlreiche günstige und einfache, aber saubere Unterkünfte der christlichen Konfessionen – offen auch für Nicht-Christen. Allerdings ist für Einzelreisende meist frühzeitige Anmeldung nötig, da der Großteil der Betten an Pilgergruppen geht. Ein Geheimtipp ist das Paulus-Haus des Deutschen Vereins vom Heiligen Land, von dessen Dach aus man einen traumhaften Blick auf Jerusalems Altstadt hat; Tel. 009 72/2/626 78 00, www.paulus-haus.de.

VERANSTALTER Das Bayerische Pilgerbüro bietet Reisen in Begleitung von Geistlichen an, z.B. „Auf den Spuren Jesu“ nach Jerusalem, Bethlehem und zum See Genezareth. Preis: ab 1288 Euro. Am 12. Januar lädt das Bayerische Pilgerbüro von 11 bis 18 Uhr zu einem Informationstag über sein Programm nach St. Bonifaz in der Karlstraße 34 in München ein. Anmeldung unter Tel. 089/5458110, www.pilgerreisen.de.

WEITERE INFOS Staatliches Israelisches Verkehrsbüro in Berlin, Tel. 030/203 99 70, www.goisrael.de.

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