Berlin: Mit dem Elektroroller Segway durch die Hauptstadt

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    • 30.07.12
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Mit dem Segway-Roller unterwegs 

Berlin auf anderen Wegen

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Man kann traditionell im Bus auf Stadtrundfahrt durch Berlin gehen, mit dem Radl, in einer Rikscha, zu Fuß oder mit dem Trabbi.

© IWP

Stopp am Brandenburger Tor: Mit dem Elektroroller Segway durch die Hauptstadt Berlin.

Reiseredakteur Volker Pfau ist auf ein ganz futuristisches Gefährt gestiegen: Er hat mit einem Segway-Roller die deutsche Hauptstadt erkundet.

© IWPSegway-Tester: Reiseredakteur Volker Pfau ist auf dicken Reifen durch die Hauptstadt gerollt.

Wir sollten die Mitte finden, hatte Joe uns als Erstes aufgegeben, als wir die Segways bestiegen. „Am Anfang fühlt es sich etwas wacklig an“, sagte der 28-Jährige noch. Mitte finden mit Wackelknie – aller Anfang ist reichlich ungewohnt, denn für das zweirädrige Gefährt gibt es so gar nichts Vergleichbares im persönlichen Erfahrungsschatz. Weder Fahrrad noch Roller, Motorrad, Skateboard oder Inliner haben – außer den Rädern – etwas mit diesem amerikanischen Einpersonen-Transportmittel, wie es offiziell genannt wird, gemein.
Neigungssensoren registrieren, in welche Richtung sich der Fahrer bewegt und setzen mittels Elektro­motor den Segway entsprechend in Bewegung. Die Fortbewegung wird ausschließlich durch Gewichtsverlagerung gesteuert. Nach vorne beugen bringt einen voran, den Hintern rauszustrecken verzögert die Fahrt. „Aber nicht zu lange“, warnt Joe, „sonst fahrt ihr rückwärts.“ Neigt man die Lenkstange nach links oder rechts, bewegt sich der Segway entsprechend, wenn es sein muss, kreiselt er gar auf der Stelle.

© IWPOrientierung: Die Touren beginnen und enden am Fernsehturm.

So weit sind wir noch nicht, sondern wir eiern erst einmal auf dem betonierten Platz direkt unterm Fernsehturm herum, wo der Vermieter seine Ausleihstation hat. Für das 368 Meter hohe Wahrzeichen der Hauptstadt haben wir keinen Blick übrig, jeder schaut hochkonzentriert und bemüht sich, das selbstbalancierende Prinzip zu verinnerlichen. Das dauert überraschenderweise nur kurze Zeit, und so rollern wir schon nach wenigen Minuten hinter unserem Guide auf den Alexanderplatz. Hier dürfen wir noch ein paar Übungsrunden drehen, danach schaltet Joe an unseren Segways den Schildkröten-Modus aus – das heißt, wir können jetzt bis zu 20 Stundenkilometer schnell herumdüsen. Und dann geht’s schon auf die Karl-Liebknecht-Straße und über die Spreebrücke zum Lustgarten.

Wir sind mitten in Berlin, schwimmen im Straßenverkehr mit, als würden wir uns schon immer mit diesen komischen Zweirädern fortbewegen und werden von Fußgängern bestaunt. Manche zücken gar das Handy, um ein Bild unserer Gruppe auf den digitalen Speicher zu bannen. Nach jedem der Stopps, die unser Guide zu kurzen Erläuterungen und den wichtigsten Informationen nutzt, werden wir sicherer – es scheint, als habe jeder seine Mitte gefunden.

Am Checkpoint Charlie verweilen wir nicht lange, es wuseln zu viele aufgeregte Touristen herum, auf die wir Segway-Fahrer Rücksicht nehmen müssen. Von unserem erhöhten Standpunkt – gut 20 Zentimeter über dem Asphalt – ist das zwar kein Problem, aber es gibt schließlich noch viel zu sehen in Berlin. Statt am touristisch sehr intensiv aufbereiteten ehemaligen Kontrollpunkt stoppen wir lieber eine Ecke weiter in der Zimmerstraße an einem Fragment der Berliner Mauer. Die Teilung der Stadt wird hier wieder lebendig.

Wie sehr Berlin bereits zusammengewachsen ist, spüren wir dann gleich darauf am Potsdamer Platz und später am Brandenburger Tor. Hier ist eine Stadt, die pulsiert, die verrückt ist, die lebt und die sich nicht im Gestern aufhalten will. Das Holocaust-Mahnmahl auf halber Strecke zwischen diesen beiden Plätzen lenkt die Gedanken dann wieder zurück in die unseligste Phase der deutschen Vergangenheit. Von den Betonstelen, die an die ermordeten Juden in der NS-Zeit erinnern sollen, müssen wir uns jedoch mit unseren Segways fernhalten, ja sogar das Befahren der Pflastersteine am Rand der Gedenkstätte ist untersagt, wo­rauf unser Guide Joe sehr genau achtet.

Nach dem Fotostopp an Berlins berühmtestem Tor nehmen wir die letzte Etappe in Angriff und rollern Richtung Alexanderplatz. Dass wir es Unter den Linden etwas gemächlicher angehen lassen, liegt nicht nur am Nachmittagsverkehr und an den Bauarbeiten. Nach drei Stunden Segwayfahren macht sich die Muskulatur in Armen, Beinen und der Schulter bemerkbar. Aber gleichzeitig strömen Glückshormone durch den Körper, denn diese Tour hat viel Spaß gemacht. Da stören auch die paar maulenden Radfahrer nicht wirklich, die uns in der Baustelle kurz vor dem Ziel noch überholen wollen und nicht können, weil unsere Segways zu breit sind. Sollen sie meckern. Wir haben Berlin ganz anders erfahren.

Volker Pfau

DIE REISE-INFOS ZU BERLIN

REISEZIEL: Berlin ist Bundeshauptstadt und Regierungssitz und hat rund 3,5 Millionen Einwohner, die auf einer Fläche von knapp 900 Quadratkilometern leben (München: 1,3 Millionen Einwohner, 310 Quadratkilometer Fläche).

ANREISE: Von München aus gibt es täglich mehrere Verbindungen mit Lufthansa und Air Berlin zum Flughafen Tegel, Germanwings fliegt nach Schönefeld.

SEGWAY: City Segway Tours bietet zwei verschiedene Touren an: eine 90-minütige Nachmit­tags­tour (Fernsehturm -Brandenburger Tor und zurück, Preis: 43 Euro) sowie die 3,5-stündige City Tour (Fernsehturm, Checkpoint Charlie, Mauer, Brandenburger Tor, Reichstag und zurück, 67 Euro). Voraussetzungen für die Teilnahme: Teilnehmer müssen mindestens den Mofa-Führerschein besitzen und am Tag der Tour das 15. Lebensjahr erreicht haben; es gibt ein empfohlenes Maximum von 110 Kilogramm Körpergewicht. City Segway Tours, www. citysegwaytours.com/berlin, Tel. 030/24 04 79 91,

ÜBERNACHTEN: Die Hotelpreise in Berlin sind in diesem Sommer (noch) erfreulich günstig:

H10 BERLIN KU’DAMM: Vier Übernachtungen in dem Vier-Sterne-Designhotel mit Frühstück und inklusive der Berlin Welcome Card (u.a. Fahrschein öffentl. Nahverkehr, Ermäßigungen bei Eintritt und in Restaurants) kosten bei ITS pro Person (im DZ) ab 168 Euro.

TRYP BERLIN MITTE: Eine Übernachtung mit Frühstück kostet in dem Vier-Sterne-Designhotel bei ITS im Rahmen des Sommer-Sale ab 46 Euro pro Person.

ANGEBOT: Bei der Pauschale Bahnhit Berlin kosten drei Übernachtungen in einem Hotel mit Frühstück sowie die Hin- und Rückfahrt mit dem ICE und ein Berlin-Reiseführer ab 169 Euro pro Person (im DZ). Info und Buchung bei Visit Berlin (Adresse s. unten).

BERLIN IN BAYERN: Berlin Tourismus geht mit dem Sommer-Mobil auf Deutschlandtour. Termine in unserem Verbreitungsgebiet: 24. Juli Garmisch-Partenkirchen, 25. Juli Bad Tölz, 28. Juli München. Weitere Infos unter www.sommertour.visitberlin.de.

AUSKUNFT Visit Berlin, Berlin Service Center, Tel. 030/25 00 25, www.visitberlin.de.

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