Können Hunde eine harmlose Erkältung bekommen wie Menschen?
Dr. Christine Hall: Es gibt den sogenannten Zwingerhusten. Eine Krankheit, unter der man verschiedene Erreger zusammenfasst und die in der Regel eher harmlos ist und von selbst ausheilt. Der Hund hat eine raue Stimme,Halsschmerzen,manchmal auch Fieber. Die Krankheit wird von Hund zu Hund übertragen und ist hochinfektiös. Das können sich Hunde sehr schnell überall holen, z. B. wenn sie mal kurz an einem infizierten Tier schnuffeln. Aber diese Erkrankung tritt zu allen Jahreszeiten gleich häufig auf. Der Zwingerhusten kann sich auch verkomplizieren, wenn eine Infektion mit Bakterien hinzukommt zum Beispiel, dann ist unter Umständen eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.
Wenn dem Hund die Nase läuft, ist das ein Alarmsignal?
Hall: Wenn der Hund jetzt draußen herumtollt, kann es durchaus sein, dass die Nase mal tropft. Das hängt mit der kalten Luft zusammen, oder das Tier hat Schnee eingeatmet. Zu einem wässrigen Nasenausfluss kommt es, wenn die Nase irritiert ist, also z. B. durch Staub, Puder oder Spray. Man unterscheidet ja verschiedene Nasenausflüsse: schleimig, eitrig oder blutig. Das sollte auf jeden Fall ein Tierarzt anschauen, denn hinter so einem Ausfluss verbirgt sich immer eine Grunderkrankung. Das kann ein Fremdkörper sein, eine bakterielle Infektion, ein Polyp oder ein Tumor. Wenn der Hund Nasenbluten bekommt, handelt es sich nicht selten sogar um eine systematische Erkrankung, also z.B. um eine Blutgerinnungsstörung.
Wie lange kann man warten, bis man zum Arzt geht?
Hall: Wenn der Hund nicht mehr fressen mag und abgeschlagen wirkt, sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Der Hund kann ja nicht sagen, der Hals tut weh oder die Nase schmerzt und ich kriege keine Luft mehr. Der Besitzer ist das Sprachrohr seines Tieres und sollte mit dem Tierarzt auf Ursachensuche gehen.
Feuchte Nase – gesunder Hund. Stimmt das?
Hall: Nicht unbedingt. Prinzipiell ist eine Hundenase eher kalt und feucht. Aber von der Temperatur auf der Nase kann man nicht darauf schließen, ob der Hund Fieber hat oder nicht. Die Temperatur muss immer rektal gemessen werden, das geht mit einem handelsüblichen Thermometer. NichtjederHundlässtsich das von seinem Besitzer gefallen. Dann sollte es der Arzt machen.
Wann hat der Hund Fieber?
Hall: Die Temperatur beim Hund ist wesentlich höher als beim Menschen, zudem muss man berücksichtigen, ob er aufgeregt ist oder nicht. 38,5 oder 38,8 Grad Celsius ist noch im Normalbereich. Erst so ab 39 oder 39,2 Grad sprechen wir von Fieber. Aber nicht immer ist eine Krankheit mit einer starken Temperaturerhöhung verbunden. Daher muss man immer auch das Allgemeinbefinden des Tieres mit berücksichtigen: Also wie aufmerksam ist das Tier, frisst es, mag es sich bewegen. Wenn er apathisch und teilnahmslos wirkt, ist der Hund sehr krank, auch wenn er kein Fieber hat.
SUSANNE STOCKMANN
Besondere Vorsicht bei Welpen
Wenn Welpen die Nase läuft, besteht immer die Gefahr, dass die Kleinen sich mit dem Staupevirus infiziert haben. Weil sie nicht geimpft sind, oder noch nicht korrekt geimpft wurden. Möglich ist jedoch auch, dass die kleinen Hunde einen Fremdkörper in der Nase haben. Auch kleine Hunde können Zwingerhusten bekommen. Wenn junge Hunde Nasenausfluss haben oder viel Niesen, sollte man auf eine angeborene Gaumenspalte achten. Manche Hunde kommen mit einer Fehlbildung der inneren Nase zur Welt. Das sollte bei der Ankaufuntersuchung beim Tierarzt überprüft werden.
Gefährliche Pilzinfektion
Ausfluss aus der Nase kann viele verschiedene Ursachen haben, wie dieser Fall aus der Praxis der Kleintierklinik zeigt. Dr. Christine Hall wurde eine 18 Monate alte Bullterrier-Hündin vorstellt, die seit einem Jahr häufig niesen musste und unter einseitigem eitrigschleimigen Nasenausfluss litt.
Christine Hall: „Wir haben unter Vollnarkose bei der Hündin eine Nasenspiegelung gemacht, weiß-bräunliche Ablagerungen gefunden und dort Proben genommen.“ Während der Hund noch in Narkose war, wurden die Erreger bestimmt. Es handelte sich um den im Boden und im Kompost weit verbreiteten Schimmelpilz Aspergillus. Dem Tier wurde in Narkose die Nase mit einem Antipilzmittel gespült. Die Nasenhöhle wird hinten und vorn abgedichtet und das Tier binnen einer Stunde um 360 Grad gedreht, sodass das Mittel wirklich überall einwirken kann. Die Behandlung musste dreimal wiederholt werden und der Hund noch Tabletten nehmen, damit er gesund wurde. Christine Hall: „Pilzerkrankungen sind heimtückisch. Wenn die Sporen ins Gehirn durchbrechen, ist das Tier nicht mehr zu retten.“










